Landschaftsfotografie: Wie werden Landschaften zu top Fotos?

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Die digitale Landschaftsfotografie macht tolle Bilder so einfach wie nie zuvor. Worauf achten? Welches Zubehör ist sinnvoll? Wie sollte man Fotos nachbearbeiten?

Möglichkeiten der Landschaftsfotografie im digitalen Zeitalter

Beeindruckende Naturlandschaften wollen wir als Erinnerung behalten. Das Auge nimmt die Welt aber anders wahr als das Objektiv. Die Frage ist also:

Wie werden unvergängliche Momente zu fantastischen Bildern?

Landschaften, mit ihrer natürlichen Schönheit und ihren verzaubernden Lichtstimmungen, haben Fotografen von jeher fasziniert. Dabei gilt einerseits der dokumentarische Aspekt, bei dem es darum geht, eine Landschaft, so wie sie ist, darzustellen.
Oder andererseits handelt es sich um ein sehr kreatives fotografisches Thema, bei dem die Landschaftsfotografie durch einen interessanten Kamerastandort, eine harmonische Raum- und Flächenaufteilung oder eine außergewöhnliche Lichtstimmung zu einem eigenständigen Kunstwerk wird.

Digitale Landschaftsfotografie
Digitale Landschaftsfotografie

Obgleich Aufnahmen einer Landschaft zunächst einfach und wiederholbar erscheinen, erweisen sie sich in der Praxis schon bald als sehr anspruchsvoll und kreativ vielfältig. Tatsache ist, dass jedes Bild einzigartig und unwiederholbar ist. Bereits wenige Augenblicke nach einer Aufnahme präsentiert sich die Szene in einer anderen Lichtstimmung, der Wind versetzt Äste und das Kornfeld in eine andere Dynamik, Tiere und Menschen oder andere Objekte haben sich im Motivraum bewegt, und die dramatische Wolkenformation wird nie wieder so, wie sie gerade war. Die Fotografie hält nur einen Augenblick für immer im Bild fest, der sich nie genau gleich ein zweites Mal präsentieren wird.

Genau diese Unberechenbarkeit und Einmaligkeit macht die Landschaftsfotografie zu einem faszinierenden Thema.

Während sich die Landschaftsfotografie im Bereich der Amateurfotografie häufig auf reine Reiseerinnerungen beschränkt, konzentrieren sich viele Berufsfotografen im Rahmen länder- oder gebietsspezifischer Reportagen darauf, die Landschaften der bereisten Gebiete möglichst wirksam im Bild zu dokumentieren. Eine weitere Gruppe der Fotografen ist bestrebt, eine bestimmte Landschaftsszene so perfekt ins Bild zu setzen, dass ein eigenständiges und in gleicher Art unwiederholbares Kunstwerk entsteht.

Dabei geht es nicht um Zufallsbilder, sondern es geht um konzeptionelle Landschaftsfotografie, in der der Aufnahmestandort, der ideale Zeitpunkt und das Wetter exakt aufeinander abgestimmt sein müssen.

Oft widmet sich ein anspruchsvoller Fotograf jahrelang einem bestimmten Thema und besucht eine bestimmte Gegend immer und immer wieder, um schließlich eine perfekte Aufnahme so realisieren zu können, wie er diese vor seinem geistigen Auge gesehen hat.

Allerdings nimmt die kreative Landschaftsfotografie für viele Berufsfotografen in ihrer Tätigkeit eine Sonderstellung ein, da sie meistens ein freies Thema und nur selten ein fester Auftrag ist, mit dem sich auch Geld verdienen lässt.

Bilder als Zeitdokumente

Die dokumentarische Landschaftsfotografie umfasst in der Regel Stadt- und Industrielandschaften. Hier gilt es, gewisse Zustände und Situationen zu dokumentieren, um spätere Veränderungen und Entwicklungen sichtbar zu machen. Auftragsgemäß tritt hier die Kreativität des Fotografen in den Hintergrund, die Zeitfolge spielt hier eine ebenso wichtige Rolle wie die Einhaltung gewisser Parameter, wie zum Beispiel ein gleich bleibender Kamerastandort oder eine repetitiv identische Perspektive für eine spätere exakte Bildfolge eines Bauzustandes.

Stadtlandschaften beziehen sich in der Regel auf Gesamt- oder Detailansichten von Siedlungen bis hin zu Architekturen, die höchstens noch in ihrer landschaftlichen Umgebung gezeigt werden sollen. Der Bezug zur Natur spielt hier eine untergeordnete Rolle. Noch deutlicher wird dies in der Fotografie von Industrielandschaften. Sie zeigt vorwiegend Gesamtansichten von Industriekomplexen und Fabrikationsanlagen und produziert Bilder, welche in der Regel in Firmenarchiven landen und nur gelegentlich für die vielfältigsten Publikationen und Präsentationen verwendet werden. Auch hier müssen vor allem dokumentarische Aspekte erfüllt werden.

Digitale Landschaftsfotografie
Dokumentarische Landschaftsfotografie

Naturlandschaftsbilder haben vor allem die Schönheit der Natur zum Inhalt, mit bizarren Felsformationen, einer unberührten Fauna und Flora, phantastischen Lichtstimmungen und vielem anderem mehr. Ob die menschliche Zivilisation in einem Naturlandschaftsbild tolerierbar ist und wo diese der thematischen Definition nicht mehr gerecht wird, lässt sich kaum generell beantworten. Letztlich entscheidet der Fotograf, inwieweit er Gebäude, Kulturobjekte, Fahrzeuge (anhand deren sich Aufnahmen übrigens erstaunlich genau rückdatieren lassen), aber auch Menschen und Tiere in seinem Bild akzeptiert, ohne dass diese das Bild stören. Künstliche Landschaften und Parks können wiederum ihren eigenen Reiz haben und bilden oft eine ideale Szenerie als Hintergrund oder Hauptmotiv zu kreativen Themen.

Wie wird unsere Sehempfindung in ein gutes Bild umgesetzt?

Das menschliche Auge, beziehungsweise unser Sehempfinden, ist dem Kameraobjektiv in mancherlei Hinsicht überlegen. Wir haben zwei verschiedene Bildwinkel: einen bewusst gerichteten, in dem wir nur zwei bis drei Grad sehen und interpretieren, sowie einen unbewussten von nahezu 180 Grad, in dem wir einen allgemeinen Überblick sowie alle Veränderungen wahrnehmen. Wir verfügen also gewissermassen über ein Superweitwinkel und ein Supertele in einem. Das Besondere daran ist, dass wir jede Szene als Panorama wahrnehmen und darin jene Punkte genau anvisieren, die uns besonders interessieren.

Panoramafotografie
Panorama-Stichting (Bild:Adobe)

Dieses Empfinden mit der Kamera in auch nur annähernd ähnliche Bilder umzusetzen, ist nur bedingt möglich. Am ehesten bietet uns die Panoramafotografie einen ähnlichen Eindruck. Doch bedingt sie entweder eine spezielle Ausrüstung für die Aufnahme oder eine spezielle Software, welche das nahtlose Zusammensetzen (so genanntes Stitching) überlappender Digitalaufnahmen übernimmt. Um auch hier zu befriedigenden Bildergebnissen zu kommen, ist die Aufnahme ab einem mit Wasserwaagen ausnivellierten Stativ mit Panoramakopf unerlässlich.

Dabei spielt der Bildwinkel eine wesentliche Rolle. Je enger der Bildwinkel, desto mehr Bilder sind erforderlich, doch umso ausgewogener und präziser fallen die Bildübergänge aus. Kurze Brennweiten verringern zwar die Anzahl der Aufnahmen, doch wirkt das Panorama durch girlandenförmige Verzeichnungen unnatürlich und die Bildübergänge scheinen oft unsauber montiert.

Digitale Panoramaunterstützung

Einige frühe Nikon-Modelle boten bereits als wesentliche Erleichterung für perfekte Panorama-Aufnahmen den Panorama-Assistenten an, der den Grad der Bildüberlappung und die vertikale Ausrichtung im Kamerasucher anzeigt. Heute klappt das sogar leicht mit jedem Smartphone, allerdings eher ungenau. Immerhin ist das eine große Arbeitserleichterung in der digitalen Landschaftsfotografie.

Geeignete Software wie Lightroom oder Photoshop ist heute selbstverständlich auch in der Lage, Einzelbilder zu einem Panorama zusammenzufügen. → Die beste Software zur Bildbearbeitung (Vergleich)

Eine weitere Besonderheit ist das Zusammenfügen verschiedenster Bilder zu einem Mosaikbild, mit dem der Fotograf eine geradezu unheimliche Weitwinkelwirkung erzielen kann.

Die Farbe ist Salz und Pfeffer der Landschaftsfotografie

Farbwiedergabe und Farbsättigung spielen gerade in der Landschaftsfotografie eine entscheidende Rolle, ob wir den Bildeindruck als natürlich oder als manipuliert, bzw. unnatürlich, empfinden. Während diese beiden Parameter in der analogen Fotografie weitestgehend von der Wahl des entsprechenden Filmmaterials abhingen, können sie in der Digitalfotografie mit entsprechenden Einstellungen oder einer Bildbearbeitungs-Software fast grenzenlos beeinflusst werden.

So kann die Farbsättigung (Farbkontrast) von «leicht sonniger» bis zum hyperkitschigen «Green green grass of home–Bild erhöht oder zum dumpf-trüben, ja fast monotonen Melancholiebild reduziert werden. Damit nicht genug. Mit der Tatsache, dass jede Farbe einzeln verändert werden kann, können Farbeffekte geschaffen werden, die weit von der natürlichen Farbwiedergabe abweichen, aber durchaus ihren kreativen Reiz haben können.

Wie kann man die Farben noch beeinflussen? Wer analog fotografiert, sollte verschiedene Filme ausprobieren. Der Diafilm Fuji Velvia galt bei Landschaftsfotografen als erste Sahne, wenn es um satte Farben geht. In der digitalen Fotografie gibt es die Möglichkeit, über den Regler«Farbton/Sättigung» die Farben – auch einzeln – anzuheben oder zu reduzieren. Aber oft ist Farbe gar nicht gefragt. Viele der besten Landschaftsfotos wurden schwarzweiß aufgenommen. Grundsätzlich eignet sich niedrige ISO-Empfindlichkeit – also ISO 100 oder gar weniger- am besten. Wer das Korn oder Rauschen als Gestaltungselement nutzen will, kann es mit einem höheren Wert, zum Beispiel ISO 3200 versuchen.

In der digitalen Fotografie lassen sich Farbwiedergabe und Farbsättigung korrigieren sowie (in einem gewissen Grad) Nachschärfungen mit einer Bildbearbeitungs-Software vornehmen. Fotoenthusiasten schaffen das üblicherweise mit Adobe Lightroom Classic. Organisieren mit Suchfunktion nach Stichworten, dem Entwickeln-Modul und dem Gestalten von Fotoalben, Büchern., PDFs und mehr.

Thailand Reisefotografie
Digitale Landschaftsfotografie mit Teleobjektiv

In der Landschaftsfotografie spielen die Bildgestaltung, die Verwendung des optimalen Objektivs und der Bildausschnitt eine zentrale Rolle. Nicht immer ist ein Weitwinkelobjektiv ideal. Oft wird das Bild spannender, wenn man – nach dem Motto «weniger ist mehr» – mit einem Normal- oder Teleobjektiv einen bestimmten Ausschnitt wählt.

Landschaftsfotografie mit Teleobjektiv

Bei jeder Aufnahme muss man sich überlegen, wie viel Vordergrund mit einbezogen werden soll. Ohne Vordergrund weist das Bild kaum Tiefenwirkung auf, und mit zu viel Vordergrund wirkt es überladen.

Der Aufnahmestandort ist für die mögliche Perspektive des Bildes massgebend. Als Perspektive bezeichnet man die ebene Darstellung von räumlichen Verhältnissen und Objekten.

Weitwinkelobjektive lassen Standorte einer stärkeren Perspektive zu, während Teleobjektive zu einer Verdichtung des Motivraums führen.

Mit einem hohen oder tiefen Standort kann die Tiefenwirkung des Motivs verändert werden. Wichtig ist es auch, auf unschöne Überschneidungen zu achten. Ein Schritt zur Seite wirkt manchmal Wunder.

Perspektive und Tiefenwirkung

Die Perspektive, bzw. die Tiefenwirkung im Bild, wird durch die unterschiedliche Grösse naher und entfernter Objekte, die Verkürzung von Formen, das Zusammenlaufen von Linien, die Lichtrichtung und den Schattenwurf an Objekten, geringe Schärfentiefe mit schärfebetontem Vordergrund und die Farb- und Tonwertänderung durch atmosphärische Einflüsse (Luftperspektive) beeinflusst.

Landschaft mit Weitwinkelobjektiv fotografiert
Landschaftsfotografie mit Weitwinkelobjektiv

Das Wichtigste in der Landschaftsfotografie ist jedoch das Licht – nach dem Motto: «Das Licht macht das Bild, nicht der Fotograf» Welches Licht passt zur Landschaft? Hartes Gegenlicht, seitliches Streiflicht, schattenarmes Frontlicht oder das diffuse Licht eines trüben Herbsttages? Oft sind wechselnde Lichtverhältnisse der Grund, öfters einen gewissen Standort aufzusuchen, um mit faszinierenden Variationen des gleichen Motivs belohnt zu werden. Zudem wechselt jede Landschaft viermal pro Jahr die Vegetation und ihr Licht: im Frühling, im Sommer, im Herbst und im Winter. Herausfordernd ist es deshalb, eine bestimmte Szene regelmässig und zu allen Jahreszeiten aufzunehmen, was eine höchst interessante Bildreihe ergeben kann.

Das Licht macht das Bild, nicht der Fotograf

Mit Automatik oder manuell fotografieren? Von vielen technisch weniger versierten Anwendern werden moderne spiegellose und Spiegelreflexkameras häufig mit Programmautomatik eingesetzt, die in den meisten Fällen gute und richtig belichtete Bilder liefert.

Wählt man an Stelle der Programmautomatik das Motivprogramm «Landschaft», so gibt die Kamera einer längeren Verschlusszeit und einer kleinen Blende den Vorzug, um auf diese Weise Schärfentiefe zu gewinnen. Weiter schaltet die Automatik auf den Farbraum «Adobe III» um, der den Blau- und Grüntönen eine höhere Farbsättigung verleiht, was in den meisten Landschaftsaufnahmen erwünscht ist und eine geringere Nachbearbeitung zur Folge hat. Als dritte Massnahme schaltet das Motivprogramm «Landschaft» den integrierten Blitz aus und verstärkt Kontraste sowie Konturen.

Wer im manuellen Modus fotografiert, kann aufgrund seiner persönlichen Erfahrung die Bildwirkung noch besser steuern. Dies betrifft vor allem die Schärfentiefe durch die Wahl einer kleineren Blende und die Kontrolle über die Abblendtaste, aber auch die exakte Belichtung auf die bildwichtigsten Motivteile, bis hin zu einer leichten Unter- oder Überbelichtung, um Einfluss auf Detailzeichnung und Farbwiedergabe zu nehmen. Werden Landschaftsbilder generell dunkler gehalten, wirken sie schwerer und dramatischer, sind sie heller, leichter und positiver.

Filter zur Steuerung der Tonwerte und Effekte

Es gibt zwei Filter, auf die Landschaftsfotografen nicht verzichten wollen: den Grauverlauf und den Polarisationsfilter.

Ein Grauverlauffilter dunkelt den Himmel partiell ab, was insbesondere bei regnerischem Wetter und hellem, grauem Himmel sowie bei Gegenlichtaufnahmen erwünscht sein kann. Wird korrekt auf die Landschaft belichtet, so wird der Himmel in vielen Fällen im Bild derart überbelichtet, dass er nur noch papierweiss erscheint. Ein Grauverlauffilter – erhältlich in verschiedenen Dichten – gibt ihm seine Struktur zurück. Das kann selbst Photoshop nicht, denn wo die Aufnahme keine Informationen aufweist, kann auch die beste Software nichts erreichen. Zwar haben Digitalkameras einen größeren Dynamikumfang als der Film, d.h., in Lichter- und Schattenpartien ist generell mehr Zeichnung zu erwarten als beim Film, doch sind auch dem Sensor gewisse Grenzen der Dynamik gesetzt.

Ein Polfilter hat zwei Aufgaben. Richtig eingesetzt, können Spiegelungen auf Wasser, Glas und Kunststoff eliminiert oder zumindest reduziert werden. Zudem dunkelt der Polfilter das Himmelsblau ab und verhilft dem Bild zu satteren Farben. Ein Polfilter wirkt am besten, wenn die Sonne in etwa im rechten Winkel einfällt, und kann grundsätzlich auf allen Objektiven verwendet werden. Vorsicht ist allerdings bei Weitwinkelobjektiven geboten, weil der Himmel unter Umständen in den Bildecken durch Vignettierung abgedunkelt wird.

Wichtig ist ferner, dass bei modernen Spiegelreflexkameras ein Zirkularpolfilter verwendet wird, weil die Belichtungsmessung mit einem Linearfilter irritiert werden kann. Unter Umständen kann sich auch ein UV-Sperrfilter als nützlich erweisen, z.B. im Gebirge oder am Meer. Der UV-Sperrfilter durchdringt atmosphärischen Dunst und verbessert so die Fernsicht. Auch in digitalen Zeiten können Farb- und vor allem Verlauffilter interessant sein, man sieht beispielsweise sofort den Effekt (Abendstimmung, wo keine war) und kann so gezielt Motiv und Filter aufeinander abstimmen.

Alle erwähnten Filter können sowohl mit analogen als auch mit digitalen Kameras verwendet werden. Zugegeben, die Farbsättigung lässt sich auch mit einem gezielten Software-Eingriff in die digitale Bildbearbeitung erreichen. Zum einen kann bereits vor der Aufnahme gewählt werden, ob die Kamera die Farben eher zurückhaltend oder mit voller Sättigung wiedergeben soll. Wer mit NEF-Dateien – Nikons eigenem RAW Format – arbeitet, kann natürlich diesen Schritt später per Software gezielt steuern.

Neben den analogen Filtern lassen sich in der digitalen Landschaftsfotografie verschiedenste Effekte nachträglich softwaremässig einbringen. Die Filterwirkung lässt sich einfach mittels Schieberegler anwenden, wobei man immer das Originalbild und die Filterwirkung vergleichbar nebeneinander sieht. Im Advanced-Control-Modus können bei den Select-Filtern Tonwertkorrekturen in den Schatten- und Lichterpartien getrennt vorgenommen werden. Ein Histogramm zeigt zudem die Farb- und Tonwertverteilung nach der Filteranwendung. Das heutige breite Filtersortiment ermöglicht eine Vielzahl von faszinierenden Bildeffekten.

Mit Schwarzweiss in eine neue Dimension der Landschaftsfotografie

Die Frage, ob Schwarzweiss oder Farbe, muss im digitalen Zeitalter nicht mehr vor der Aufnahme entschieden werden. Die Umsetzung einer Farbaufnahme in ein Schwarzweissbild ist relativ einfach. Das haben wir an anderer Stelle bereits beschrieben.

Dunkles Licht
Dunkles Licht

Grundsätzlich empfiehlt es sich, farbig zu fotografieren, weil eine Farbaufnahme das ideale Ausgangsprodukt für jede Art von Weiterverwendung ist und mehr Informationen enthält als eine Schwarzweissaufnahme. Falls Sie RAW Daten abspeichern, behalten Sie die Detailsteuerung beim Farb- und beim Schwarzweissbild besser unter Kontrolle als bei der JPEG-Abspeicherung.

Belassen Sie das Bild immer im 16-Bit-Modus. Widerstehen Sie der Versuchung, im Photoshop das Bild einfach per Modusänderung in Graustufen zu wandeln. Der bessere Weg führt über den Kanalmixer. Klicken Sie «Monochrom», um sich das Bild im Schwarzweissmodus anzeigen zu lassen. Sie können jetzt die einzelnen Farben anheben oder abschwächen, ganz so, als würden Sie mit Filtern vor dem Objektiv fotografieren. Beachten Sie, dass der Gesamtanteil der verschiedenen Farbkanäle am Ende der Bildbearbeitung wieder 100 Prozent ergibt.

Manchmal ist eine zusätzliche Nachbearbeitung mit Gradationskurven angezeigt. Auch diese Eingriffe können Sie in jedem Farbkanal einzeln vornehmen. Soll das Bild etwas altmodisch aussehen? Fügen Sie «Störungen» hinzu, um die Wirkung des Filmkorns zu simulieren. Wer die Schwarzweiss-Umwandlung noch perfekter steuern will, sollte sich Plugins und Filter für Lightroom ansehen. Diese ermöglichen die umfassendsten Möglichkeiten der Umwandlung und sind auch einfach und intuitiv zu bedienen.

Was im Bild stört, kommt weg

Während im Zeitalter der analogen Fotografie jedes Bild als wahrheitsgetreues Abbild einer natürlichen Szene galt beziehungsweise Retusche mit großem Aufwand verbunden war, hat die Fotografie in der digitalen Zeit viel von ihrer Authentizität verloren. Bilder lassen sich mit einer Bildbearbeitungsssoftware sehr leicht verändern. Störende Elemente können einfach weggestempelt werden, Leute, Autos, Gebäudeteile und andere nicht passende Objekte lassen sich entfernen oder versetzen, und es entstehen Bilder, die eine völlig neue Szene zeigen, die höchstens noch thematisch verwandt ist – oder nicht einmal das. Nicht genug der Trickkiste, denn durch Zusammenfügen verschiedenster Bildelemente können völlig neue Kompositionen entstehen, wobei man hier, bei aller Kreativität, leicht an die Grenze der Glaubwürdigkeit stösst, wenn Lichtrichtung und Schattenfall nicht mehr einheitlich bzw. gleichrichtig verlaufen.

Doch Bildbearbeitung kann durchaus auch in der Landschaftsfotografie eine Bereicherung sein, beispielsweise wenn es in dokumentarischen Aufnahmen darum geht, neue Architektur-Projekte schon vor dem Bau möglichst natürlich in bestehende Städte- oder Landschaftsformen zu integrieren. Prospektaufnahmen für Hotelanlagen können mit Menschen oder Pflanzen bereichert werden, bevor das Hotel eröffnet wurde, aber auch Amateuraufnahmen gewinnen, wenn beispielsweise der tolle Himmel mit der guten Beleuchtung des Motivs kombiniert werden kann.

Die Software zur ersten Bildbearbeitung

Fotografen, die ihre Bilder selbst bearbeiten, schwören auf Rohdaten – auch als RAW Dateien bezeichnet. Mit der optional erhältlichen Lightroom und Photoshop-Software von Adobe können diese im 16-Bit-Modus optimal bearbeitet werden, um beispielsweise die Farben, den Weißabgleich und die Tonwerte subtil korrigieren zu können.

Übrigens: Beide Programme gibt es im beliebten Foto-Abo von Adobe:

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Die Originaldatei – die auch Kameradaten enthält – wird dabei nicht verändert, sondern als Kopie in ein universelles TIFF-Format umgewandelt. Zu den umfassenden Korrekturen gehören auch die Beseitigung von Farbsäumen, Fehler der chromatischen Aberration, die effiziente Korrektur roter Augen. Aber auch die Steuerung der Lichter- und Tiefenzeichnung und die Reduktion des Bildrauschens.

Auch Staubpartikel, die sich auf dem Bildsensor festgesetzt haben, werden mit der Software aus dem Bild entfernt.

Tipps und Tricks aus der Praxis

Oft sind es Kleinigkeiten, über die man sich hinterher ärgert, und es gibt nützliche Tipps aus der Praxis anderer Fotografen, die einem auf neue Ideen bringen oder helfen, Aufnahmefehler zu vermeiden.

Nikon D850 mit Nikkor 14-24mm
Nikon D850 mit Nikkor 14-24mm

Weitwinkelobjektiven kommt in der Landschaftsfotografie eine zentrale Bedeutung zu. Sie verschaffen einen Überblick und staffeln die Landschaft in Vorder,- Mittel- und Hintergrund. Extreme Weitwinkelobjektive stellen unsere Sehweise auf den Kopf: Der Vordergrund wird überbetont, während der Hintergrund kleiner wird. Die extremsten sind Fisheye-Objektive mit einem Bildwinkel von bis zu 180 Grad, deren extrem starke Verzeichnung zu interessanten Aufnahmen führen kann.

Es gibt zwei Arten, diejenigen, die einen Bildwinkel von 180 Grad nach allen Seiten aufweisen und eine kreisrunde Abbildung bewirken, und solche, die 180 Grad nur über die Diagonale zeigen und das volle Bild auszeichnen. Die starke Verzeichnung dieser Objektive kann man zur Bildgestaltung nutzen oder zur Not auch akzeptieren, wenn in engen Räumlichkeiten keine andere Objektiv- oder Standortwahl möglich ist.

Bei Landschaftsaufnahmen ebenfalls sehr nützlich sind Shift- und Tilt-Objektive. Mit Shift-Objektiven kann das Bildzentrum nach allen Richtungen verschoben werden, um gerade Linien im Motiv zu erhalten. Häufig werden sie in der Architekturfotografie verwendet, um stürzende Linien zu vermeiden, doch führen sie auch in der Landschaftsfotografie zu interessanten Bildwirkungen. Mit Tilt-Objektiven kann die Lage der Schärfeebene verändert und so die Schärfenverteilung im Bild beeinflusst werden.

Eine Sonnenblende oder ein Kompendium ist ein wichtiges Hilfsmittel, um Streulicht im Objektiv zu reduzieren und dadurch die Kontrastleistung des Objektivs voll auszunutzen. Dies gilt vor allem bei Gegen- oder markantem Seitenlicht, wo der Streulichtanteil besonders hoch ist. Ausserdem schützt eine stabile Sonnenblende auch das Objektiv vor Beschädigungen.
Warum eine Gegenlichtblende verwenden? Und welche?

Obwohl sich jeder verwacklungsfreie Aufnahmen jederzeit zutraut, wird die Verwendung eines Stativs generell mit schärferen Bildern belohnt. Ein Stativ kann nicht stabil genug sein, trotzdem sollte man es auch noch zu Fuss über weite Strecken transportieren können. Neben Metallstativen gibt es Kohlefasermodelle, die · den Transport im wahrsten Sinne des Wortes erleichtern. Auch Holzstative sind bei Landschaftsfotografen sehr beliebt, da bei ihnen nicht die Gefahr besteht, dass bei Minustemperaturen die Finger anfrieren. → Kaufberatung Stative

Speicherkarten
Speicherkarten

Speicherkarten sollte man immer genug dabei haben. Dabei stellt sich die Frage, ob man alles auf eine (große) Karte setzen soll oder lieber mehrere Exemplare geringerer Kapazität mitführt – es könnte ja eine Karte plötzlich den Dienst verweigern. Fotografiert man mit Rohdaten, so sind große Karten ein Muss. Für die komprimierten JPEG-Dateien reichen unter Umständen auch kleinere Speicherkarten noch aus. Wer RAW und JPEG gleichzeitig aufnimmt, kommt um höhere Speicherkapazitäten nicht herum.
Die aktuell besten Speicherkarten

Nichts stört ein Landschaftsbild mehr als ein schräger Horizont. Es ist deshalb wichtig, die Kamera auf dem Stativ waagrecht auszurichten, was mit einer Wasserwaage, die sich auf dem Zubehörschuh der Kamera aufstecken lässt, leicht möglich ist.

Manche Kameras erlauben auch das Einblenden von Gitterlinien im Sucher oder das Einsetzen spezieller Einstellscheiben. Gitterlinien sind bei der Ausrichtung der Kamera eine große Hilfe. Falls ein Bild einen schrägen Horizont aufweist, lässt sich dies mit der Funktion «Transformieren» in Photoshop korrigieren. Dabei kann man den genauen Winkel, um den das Bild gedreht werden muss, mit dem Messwerkzeug eruieren. Ziehen Sie eine Linie entlang des Horizonts und klicken Sie dann «Bild drehen=> Winkel».

Langzeitbelichtungen können in der Landschaftsfotografie, zum Beispiel bei Aufnahmen von Flüssen und Wasserfällen mit dem «Watte-Effekt», eine harmonische und beruhigende Komponente einbringen oder eine Szene «verkehrsfrei» machen. Dazu wird ein Neutraldichtefilter verwendet, den es in verschiedenen Dichten gibt und der die Belichtungszeit um bis zu acht Stufen verlängert.

Worin liegt denn der Reiz von langen Belichtungszeiten? Bei Aufnahmen von Wasser, beispielsweise einem Wasserfall, aber auch bei einem stehenden Gewässer wird das Wasser zu einem fließenden, weichen Teppich, der dem Bild eine gewisse Romantik verleiht. Das gilt auch für Wolken, die bei langen Belichtungszeiten nur mehr als weiche Wattebäuschchen abgebildet werden. Vom Wind gepeitschte Felder werden gespenstisch und bedrohlich verfremdet. Doch Langzeitbelichtungen bewirken noch viel mehr. Sie bringen bei sehr langen Belichtungen unter Umständen sogar Menschen und Fahrzeuge zum Verschwinden, solange sich diese nicht zu lange im Bildraum aufhalten.

ND Filter Wasser
ND Filter Graufilter

Doch was tun, wenn die Kamera als längste Belichtungszeit nur 30 Sekunden zulässt? Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder verwendet man die Einstellung B (bulb) und arretiert den Auslöser mittels Draht- oder Kabelauslöser oder IR-Fernbedienung, oder man behilft sich mit einer Mehrfachbelichtung (4 mal 30 Sekunden ergeben schließlich auch zwei Minuten, allerdings nur bei Analogaufnahmen möglich).

Im Rahmen üblicherer Anwendungen lohnt es sich, zum Beispiel eine Straßenzene alle 30 Minuten über einen längeren Zeitraum aufzunehmen. Was sich hier über 24 Stunden alles abspielt, ist nicht nur ein spannendes fotografisches Dokument, sondern es beflügelt auch die persönliche Fantasie, was wohl die abgelichteten Personen in der Zwischenzeit alles getrieben haben … Technisch ist ein solches Unterfangen relativ problemlos, weil die Kamera mit Programmautomatik selbst Nachtaufnahmen meistert. In der Software lassen sich einfach Diashows zusammenstellen und mit Musik unterlegen. Musik unterstreicht die Wirkung eines Landschaftsbildes enorm, oft empfiehlt es sich, gleich vor Ort ein paar CDs einheimischer Musiker zu kaufen.

Dass Landschaftsfotografie nur ein Schönwetterthema sei, ist ein Ammenmärchen. Die Weisheit gilt wohl für die kommerzielle Landschaftsfotografie von Ferienprospekten und Postkarten, doch kaum für den kreativen Bereich, wo die besten Landschaftsbilder von interessanten Lichtstimmungen und einem Spiel faszinierender Kontraste geprägt sind.

Dennoch gehören Wettervorhersagen zu den wichtigsten Vorbereitungen des Landschaftsfotografen. Meistens wird es wohl so sein, dass man mehrmals an einen bestimmten Ort pilgert, um ein faszinierendes Motiv immer und immer wieder in verschiedenen Lichtsituationen aufzunehmen. Je genauer man die Lokalität kennt und je häufiger man sich dort aufhält, des-

to größer ist die Chance, dass man eines Tages wirklich mit einmaligen Landschaftsbildern belohnt wird. Auch lohnt es sich die Einheimischen zum Wetter zu befragen, denn oft kennen sie es besser als die gewieftesten Meteorologen.

Kennt man die Gegend nicht besonders gut, so lässt sich anhand einer Landkarte oder in Google Maps relativ gut eruieren, wann sich ein bestimmter Berg oder ein Tal mit bester Sonneneinstrahlung präsentiert. Abgesehen davon sind Karte und Kompass wichtige Hilfsmittel, um in unbekanntem Gelände die Orientierung nicht zu verlieren. Unter Umständen lohnt es sich auch, auf der Karte die wichtigsten Standorte einzuzeichnen, damit man sich später der Orts- und Bergnamen besser erinnert. Das hilft auch beim Legendenschreiben, falls man die Bilder irgendwo veröffentlichen kann.

geotagging lightroom
Geotagging Lightroom

Zum letzten Punkt gibt es auch ein interessantes technisches Hilfsmittel: die GPS-Koordinaten. Viele Kameras können mit einem GPSSender verbunden werden, um Längen- und Breitengrade sowie die Höhe über Meer und UTC-Zeit in der Bilddatei zu speichern. Diese Daten können wissenschaftlichen und dokumentarischen Zwecken dienen, sie können aber auch ganz einfach hilfreich sein, wenn man in ein paar Jahren die gleiche Aufnahme wiederholen und den Standort leichter finden will.
GPS Daten in Lightroom auslesen und anzeigen

Ferngläser haben eigentlich mit dem Fotografieren direkt nichts zu tun, doch sind sie ein hervorragendes Hilfsmittel, um die Landschaft zu beobachten und Details zu erkennen, die entweder unser Bild stören oder sich als neue Motive eignen könnten.

Für die Landschaftsfotografie lohnt es sich, verschiedene Fototaschen anzuschaffen, denn nicht immer braucht man die ganze Fotoausrüstung- Beweglichkeit und Komfort ist unter Umständen wichtiger. Fototaschen sollten stabil, angenehm zu tragen und vor allem staub- und wasserdicht sein. Ist man länger zu Fuss unterwegs, ist ein Rucksack oder ein Hüftpack die bessere Wahl als eine konventionelle Tasche.

Bücher zur Landschaftsfotografie

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