KI-Mindset für deine Fotografie – leider kein Buch für KI-Fans

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Die Fotografie-Welt verändert sich rasant – KI-Tools, neue Arbeitsweisen und kreative Experimente prägen den Alltag vieler Fotografen. “KI-Mindset für deine Fotografie” hat den Anspruch, hier Orientierung zu bieten. Doch wird es diesem Anspruch gerecht? Beim Lesen dieses Buches bin ich mehrmals ins Stocken geraten: Stilistische Entscheidungen, wie ein übermäßiger Gebrauch gegenderter Formulierungen, erschweren den Lesefluss, während inhaltlich überraschend wenig Substanz zum eigentlichen Thema vermittelt wird. Statt inspirierend oder erkenntnisreich zu sein, wirkt das Buch oftmals langatmig.

Warum genau es mich nicht überzeugen konnte – und ob sich die Lektüre überhaupt lohnt – erläutere ich ausführlich in meiner Rezension.

Mindset ist laut Wikipedia das englische Wort für Mentalität. Worum geht es also hier? Eine KI-Mentalität? Die Mentalität beim Verwenden von KI? Der Untertitel soll Aufschluss geben: “Künstliche Intelligenz verstehen, kreativ nutzen und eigene Workflows entwickeln”.

KI Mindset Buch
KI-Mindset Buch aus dem Rheinwerk Verlag

Auf dem Titelbild sehen wir ein Bild von drei Hausfrauen, die unter Trockenhauben sitzen, wie sie in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts üblich waren. Sodann begrüßt das Lektorat des Rheinwerk Verlages den Leser und stimmt auf das Buch ein: Das Buch soll einladen, sich dem Thema KI “offen zu nähern” und die beiden Autoren bei der Verwendung künstlicher Intelligenz zu begleiten. Dabei sollen Stimmen weiterer kreativer Köpfe das Buch “besonders spannend” machen. Nachdem die Messlatte nun vom Lektorat hochgelegt wurde, dürfen wir tatsächlich gespannt sein!

Zum Buch

Sehen wir uns an, was dieses Buch zu bieten hat. Zunächst beschreiben die Autoren, wie sie zur KI gekommen sind und erinnern sich an ihre Erlebnisse. Die Vorbehalte überwogen die gesehenen Chancen, was aus Sicht zweier Fotografen zunächst nachvollziehbar ist.

Nun geht es, leider viel zu lange, um den Werdegang der Autoren, was kaum etwas mit dem Thema des Buches zu tun hat. So erfahren wir, dass die Autorin Ines schon ganz früher mit ihrer Pocketkamera Fotos vom Bruder gemacht hat, später dann “realisierte”, dass sie nicht als “Flugbegleiter*in” arbeiten konnte. Und auch zu ihrem unerfreulichen Beziehungsleben erfahren wir mehr, als ein Therapeut in seiner Sprechstunde hören will. Dabei finden wir zwar keine Informationen zum KI-Thema, aber dafür lernen wir, wie man einen Text durch konsequente Gendersternchen unlesbar macht.

Inhalt

  • Ein KI-Mindset entwickeln
  • Kreative Arbeit im Zeitalter von generativer KI
  • Künstliche Intelligenz vs. menschliche Intelligenz
  • Funktionsweise von Text- und Bild-KI verstehen
  • KI-Tools für Kreative im Überblick
  • Ideenfindung und Inspiration mit KI
  • Fotografie und KI verbinden
  • Eigene Custom GPTs entwickeln
  • Bilder mit KI analysieren
  • Bildverwaltung und -bearbeitung optimieren
  • Recht und Verantwortung: EU AI Act, Urheberrecht, Datenschutz
  • Chancen und Herausforderungen für die Zukunft

Nun sind wir schon auf Seite 33, haben also über 10% des Buches schon hinter uns. Jetzt erst wird zum ersten Mal erwähnt, worum es in dem Buch eigentlich gehen soll: Nach Lesart der Autoren geht es beim KI-Mindset ums Offensein für Neues sowie eine gewisse Experientierfreude. Es soll weniger um Technik gehen. Das Buch soll vielmehr für diejenigen sein, die “KI als Bedrohung empfinden” oder sich sagen “Ich verstehe das alles nicht”. Aha!

In einer Zeit, in der jeder 13-Jährige schon umfangreiche Erfahrungen mit KI vorweisen kann, möchte uns das Buch die Angst nehmen? Wer soll denn hier die Zielgruppe sein?

Nun, dann kommt dieses Buch ein paar Jahre zu spät, liebe Autoren. Ich benutzte KI schon im Dezember 2022, also gleich bei Erscheinen von ChatGPT. Aber selbst damals hätte ich lieber selbst experimentiert, statt ein Buch dazu zu lesen.

Viel Allgemeines, wenig Hilfreiches

Wir sehen ein paar Screenshots und erfahren, wo KI uns im Alltag überall begegnet. Wichtige KI Begriffe werden uns vorgestellt, und so erfahren wir endlich, was ein Prompt ist und weiteres theoretisches Wissen.

Es kommen andere Kreative zu Wort, die den Mittelteil des Buches als Gastautoren füllen, wobei diese oft näher am Thema sind, als die Autoren selbst. Das Buch endet mit einem “Expert*innen-Talk” und beleuchtet Datenschutz und Urheberrecht. Also bitte, langweiliger geht’s doch nicht.

Erst von Seite 198 bis 226 gibt es einen kleinen praktischen Einblick, allerdings gibt es dazu aber auch weit bessere Bücher.

Leseprobe KI Mindset
Die Prof-in Dr.in Martzina Mara – durch Gendern unlesbar geworden.

Gendern und Denglisch scheinen wichtiger als Inhalt

Was in dem Buch neben seiner Inhaltslosigkeit sehr negativ auffällt, ist das ständige Gendern durch Sternchen, was den Text schlecht lesbar macht. Wieso schreibt man nicht im Vorwort, dass mit Fotografen alle gemeint sind, nämlich Frauen, Männer und alle, die sich morgens nicht entscheiden können? Wieso muss das grammatikalisch falsche und von über 80% der Deutschen abgelehnte Gendern den Text überlagern?

Absolutes Paradebeispiel, siehe Screenshot, ist die Erwähnung von Frau Professor Doktor Mara.
Sie wird vorgestellt als “Prof.in Dr.in Martina Mara”. Bitte was? Wer steckt in wem?
Durch Gendern unlesbar geworden!

Zielgruppe für das Buch

Die Zielgruppe wäre – hätten wir noch 2022 – jeder, der sich mit KI beschäftigen will oder muss. Heute jedoch haben wir Ende 2025 und jeder Grundschüler hat längst von KI gehört und sie benutzt. Daher kommt dieses Buch erstens viel zu spät und zweitens ist es auch inhaltlich sehr holprig zu lesen und bietet zudem kaum Mehrwert.

Der Titel ist außerdem etwas irreführend, denn bei der Betrachtung von KI-Mindset geht es im Buch nicht nur um die Fotografie, sondern durch die künstliche Intelligenz allgemein. Passend zum Inhalt wäre ein ehrlicher Titel daher “Theoretische Betrachtungen zu künstlicher Intelligenz und Antworten auf Fragen, die Sie sich noch nie gestellt haben”.

Die inflationäre Verwendung von Denglisch, also englischen Wörtern im deutschen Kontext, machen das Lesen zusätzlich schwerer. Dabei sind die so vermeidbar wie überflüssig.

Fazit zum Buch KI-Mindset

Das Credo der Autoren am Anfang des Buches ist “Neugier besiegt Fachwissen”. Dem stimme ich so zu.
Da frage ich mich aber als Leser, wieso dieses Credo im Buch nicht gelebt wird, sondern warum sich theoretische Betrachtungen an themenfremde Abhandlungen reihen? Wo sind denn die praktischen Tipps für Einsteiger, die 2025 noch keine Berührung mit KI hatten (wenn es diese Leute überhaupt noch gibt)?

Statt alle Leser*innen und Fotograf*innen anzusprechen, hätte man zumindest in einem Rheinwerk-Buch auf das dümmliche Gendern verzichten können. So aber kommt das Werk rüber wie ein feministisches Werk von Hausfrauen, die auch mal was zu KI sagen wollen. Und dazu passt dann auch das Titelbild.

  • Verschiedene Blickwinkel aufs Thema durch verschiedene Autoren
  • Titel ist zu ungenau
  • Buch kommt 3 Jahre zu spät
  • Gendersprache macht Lesen fast unmöglich

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