Messmethoden: Spotmessung, Matrixmessung, mittenbetont

0

Eine Kamera hat mindestens drei Messmethoden zur Belichtungsmessung. Alle Messmethoden deiner Kamera einfach erklärt: Matrixmessung, mittenbetonte Messung und Spotmessung. Wir zeigen Beispiele und geben Tipps.

Warum drei Messmethoden?

Für viele ist die eingebaute Belichtungsmessung ein Segen, weil sie heute selbst extreme Kontraste meistert. Trotzdem spendieren die Hersteller ihren Top-SLRs nicht nur die innovativen Matrixmessung, sondern auch die mittenbetonte und die Spotmessung.

Belichtungsmesser sehen grau, d.h. sie sind bestrebt, das optisch erfasste Motivfeld in einer Helligkeit wiederzugeben, die einem mittleren Grau entspricht. Das ist so lange in Ordnung, wie der anvisierte Motivteil tatsächlich von mittlerer Helligkeit ist. Weicht der Helligkeitswert aber von dieser Vorgabe ab – hat der Belichtungsmesser z.B. vorwiegend Weiß oder Schwarz vor sich-, so sind Belichtungsprobleme vorprogrammiert.

Weil die Belichtungsmessung auch in diesem Fall Grau daraus macht, ob uns das passt oder nicht. Für eine möglichst präzise und zuverlässige Belichtungsmessung ist deshalb die Frage wichtig, welchen Motivteil der Belichtungsmesser erfasst. Wie groß ist das Messfeld ist und was stellt er mit den ermittelten Werten an?

Jede Messmethode hat ihren eigenen Reiz

Nehmen wir an, die Belichtungsmessung würde das ganze im Sucher sichtbare Motiv ungewichtet anmessen. Das käme einer reinen lntegralmessung gleich. Dann müsste für eine korrekte Belichtung die Summe des gesamten Sucherbildes einem mittleren Grau entsprechen. Eine Voraussetzung, die in der Praxis selten erfüllt ist. Integralmessung heißt, dass das gesamte Sucherbild gleich gewichtet ist.

Erfahrungsgemäß beansprucht nämlich ausgerechnet die bildmässig oft weniger wichtige und zum Hauptmotiv möglicherweise stark kontrastierende Umgebung einen dominierenden Teil unserer Aufnahmen. Bei einer gleichmässigen Bewertung des gesamten Sucherbildes, auch der Randzonen, wäre somit eine Über- oder Unterbelichtung des wirklich bildwichtigen Motivteils vor allem bei hohen Motivkontrasten fast nicht zu vermeiden.

Messmethode mittenbetone Messung
Mittenbetonte Belichtungsmessung auf die Bildmitte mit dem Hauptmotiv

Mittenbetonte Messung – der Allrounder

Aus diesem Grund – und weil man weiß, dass sich der bildwichtige Motivteil normalerweise in der Bildmitte befindet -, hat man schon bei den ersten Spiegelreflexkameras mit integriertem Belichtungsmesser auf die mittenbetonte Messmethode gesetzt.

Und damit einen bis heute gültigen Standard geschaffen. Auch dieses Verfahren zieht die gesamte Bildfläche in die Belichtungsmessung mit ein. Jedoch doch wird die Bildmitte, repräsentiert durch einen 12-mm-großen Messkreis, gegenüber dem übrigen Motivfeld übergewichtet. Im Laufe der Jahre hat sich gezeigt, dass eine Gewichtung von 75:25 besonders praxisnahe ist.

Die mittenbetonte Messung eignet sich als Standard für alle Motive, die sich in der Bildmitte befinden.

Doch es gibt es auch Kameras mit abweichendem Messverhältnis. So ist es z.B. bei der Nikon F5 möglich, den Messschwerpunkt auf 8 mm zu verkleinern oder auf 15 bzw. 20 mm zu vergrößern, um die Messung den Motivgegebenheiten optimal anzupassen.

Mittenbetonte Messung

Ist das Bildwichtige im Zentrum, dann ist diese Messmethode im Vorteil.

Vorteile:
Zuverlässig bei normalen Kontrasten und bildmittigen Hauptmotiven. Mit AE-LMesswertspeicherung Selektivmessung auch bei hohen Kontrasten möglich.

Nachteile:
Bei hohen Kontrasten und außermittigen Objekten ist Falschbelichtung möglich, sofern nicht selektiv gemessen wird.

mittenbetonte Messsung
Symbol für mittenbetonte Belichtungsmesssung

Die mittenbetonte Messmethode führt zwar in der Mehrzahl aller Aufnahmen zur richtigen Belichtung. Sie kann aber bei Motiven mit hohen oder gänzlich fehlenden Kontrasten und insbesondere dann, wenn sich der bildwichtige Motivteil außerhalb der Bildmitte befindet, zu Fehlbelichtungen führen.

In vielen Fällen wird dennoch eine korrekte Belichtung möglich sein, wenn man den 12-mm-Messkreis auf das außermittige Hauptmotiv richtet, den Messwertspeicher aktiviert, dann das Bild wie gewünscht komponiert und mit dem zuvor fixierten Messwert auslöst.

Bei Actionaufnahmen, wo Sekundenbruchteile über den Erfolg entscheiden, kann diese mittenbetonte Messmethode allerdings zu zeitraubend sein. Probleme bereitet sie möglicherweise auch dort, wo der Messkreis zu groß ist und sich der bildwichtige Motivteil deshalb zu wenig präzise, d.h. formatfüllend anvisieren lässt.

Spotmessung – die Kompromisslose

Messmethode Spotmessung
Spotmessung auf das Gesicht

Für solche Situationen wurde die Spotmessung entwickelt, die dank eines extrem kleinen Messfeldes genaue Punktmessung und Vergleichsmessungen gestattet. Und damit hohe Kontraste besser meistern hilft. Spotmessung ist die Messmethode mi der kleinsten Fehlertoleranz.

Aufgrund der spezifischen, sehr engen Messcharakteristik eignet sich Spotmessung in erster Linie für statische Objekte, die ein genaues Positionieren des Messfeldes erlauben. Bei Aufnahmen von schnellbewegten Objekten ist das Risiko des Danebenmessens fast immer zu groß.

Spotmessung ist eine sehr genaue, professionelle Messart, setzt aber voraus, dass der Anwender über die grundsätzlichen Funktionsprinzipien von Belichtungsmessern Bescheid weiß und sie beachtet.

Spotmessung
Symbol der Spotmessung

Spotmessung

Bei extremen Beleuchtungskontrasten hilft oft nur das Anmessen eines vielleicht nur kleinen, aber bildwichtigen Motivteils weiter. Vergleichsmessungen zwischen hellsten und dunkelsten Bildstellen ermöglichen das Ermitteln

Vorteile:
Zum punktförmigen Anmessen bestimmter Motivteile, auch für Kontrast-Vergleichsmessungen (Ermittlung eines Belichtungsmittelwertes)

Nachteile:
Risiko von Falschmessung bei ungenauem oder unzweckmässigem Anmessen. Zeitaufwendig, deshalb nur für unbewegte Objekte zu empfehlen.

Matrixmessung / Mehrfeldmessung – die Interpretierende

Matrixmessung Mehrfeldmessung 3D
Matrixmessung / Mehrfeldmessung: aus hellen und dunklen Bildteilen wird ein Durchschnitt berechnet

Die 1983 in der Nikon FA weltweit erstmals realisierte, mittlerweile zur Perfektion weiterentwickelte Mehrfeldmessung hat gegenüber anderen Messmethoden ein entscheidendes Plus: sie ist intelligent.

Eine intelligente Belichtungsmessung?
Das heißt, diese Matrixmessung erkennt nicht nur unterschiedliche Helligkeiten innerhalb des Sucherbildes, sondern weiß sie auch richtig zu deuten. Mit Hilfe eines eingebauten Mikrocomputers gleicht sie die in verschiedenen Bildzonen ermittelten Werte mit denjenigen ab, die durch Auswertung Abertausender korrekt belichteter Aufnahmen gewonnen wurden und in Form von Algorithmen verfügbar sind.

Resultat: Auch bei sehr schwierigen Kontrastverhältnissen (d.h. bei sehr hohen und sehr geringen Kontrasten) und selbst dann, wenn das Hauptmotiv sich ausßerhalb der Bildmitte befindet, liefert die Matrixmessung ohne weitere Vorkehrungen die richtigen Werte.

Matrixmessung

Wenn die Zeit knapp ist, überlässt man alles der intelligenten Mehrfeldmessung

Vorteile:
ntelligentes Messverfahren, auch bei außermittigen Hauptmotiven und schwierigen l<ontrastverhältnissen automatisch korrekte Belichtung. Ideal für Actionfotografie und Automatikbetrieb.

Nachteile:
Gezieltes Anmessen von Motivteilen nicht möglich. Messvorgang nicht transparent.

Matrixmessung
Symbol für Matrixmessung,
manchmal auch für Integralmessung verwendet

Die Matrixmessung ist extrem einfach zu handhaben. Sie ist schnell und dennoch unerreicht präzise, vor allem in ihrer neusten Form, der 3D-Matrixsteuerung. Hierbei wird die Entfernungsinformation zur Analyse und Berechnung einbezogen wird. Das macht sie zur idealen Messmethode für eine Vielzahl von fotografischen Aufgaben und prädestiniert sie für unbeschwertes Arbeiten mit Belichtungsautomatik.

Doch wie jede Messmethode, so ist auch Matrixmessung nicht frei von Nachteilen:

Zwar nimmt die Matrixmessung dem Fotografen wichtige Überlegungen und Entscheide ab, doch bleibt weitgehend verborgen, zu welchen Erkenntnissen die Matrixmessung jeweils gekommen ist. Auch orientiert sie sich an empirisch ermittelten Sollwerten, also an dem «Durchschnitt-und nicht etwa an individuellen Gestaltungswünschen. Wo aus bildnerischen Gründen gezielte Messung und Transparenz bei den Messvorgängen unverzichtbar sind, bringt Sie eine mittenbetonte oder Spotmessung nach wie vor weiter.

Welche Messmethode die richtige ist, kommt also auf Motiv und Bildgestaltung an.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein