Schnappschüsse fotografieren: Der entscheidende Moment

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Beim Fotografieren kommt es auf den richtigen Moment an, das Timing ist entscheidend. Dabei muss es nicht immer ein Schnappschuss sein.

Schnappschuss fotografieren, aber richtig

Drücken Sie auf den Auslöser und Sie haben ein Stück aus dem ständigen Fluss der Zeit herausgeschnitten und festgehalten. Denn jede Aufnahme sagt etwas über die Einstellung des Fotografen zum ewigen Wechsel aus. Mit der Kamera hat er die einzigartige Möglichkeit, das Geschehen von Sekundenbruchteilen festzuhalten.

In neun von zehn Fällen wissen die Schnappschuss-Subjekte entweder nicht, dass ich ein Foto geschossen habe, oder es ist ihnen egal. Aber hier ist der kritische Punkt. Wenn es sie interessiert, oder sogar wenn sie Sie ansprechen, ergreifen Sie proaktive Maßnahmen. Stellen Sie sich danach vor und bedanken Sie sich.

Die Leute werden sich entweder für Sie erwärmen oder Sie abblitzen lassen. Und es ist Ihr Job, sie zu „lesen“. Wie wird man gut darin, das zu lesen? Durch Erfahrung. Sie werden schnell in der Lage sein zu lesen, ob jemand unnahbar ist und sich nicht darum kümmert, dass Sie einen Schnappschuss geschossen haben, oder ob Sie jemanden verärgert haben.

Außerdem ist es oft erstaunlich aufschlussreich, mit den Personen im Nachhinein in Kontakt zu treten. Ich habe bei vielen Gelegenheiten erstaunliche Geschichten gehört, wurde inspiriert, erweckt und habe mich gut gefühlt, nachdem ich mit unbekannten Menschen nach einem Schnappschuss gesprochen habe.

Dabei ist der richtige Augenblick wichtig !

Was ist der richtige Moment?

Schnappschuss der richtige Moment
Schnappschuss-Fotografie

Inzwischen gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Begriff der Zeit gestalterisch in einem Foto umzusetzen. Es kommt dabei auf das Festhalten des entscheidenden Moments an, also jenes Bruchteils einer Sekunde, in dem alle Einzelheiten für den Bildaufbau sich harmonisch zusammenfügen. Und damit das bestmögliche Ergebnis erbringen.

Anders gesagt sollte dieser Moment auch der sein, an dem die Handlung im Bild ihren Höhepunkt erreicht. Denn dann entsteht ein für das menschliche Auge sonst unsichtbarer Moment, der so genannte Kulminationspunkt. Man denke hier an das Bild eines platzenden Luftballons, welches sich allerdings mit normalen Serienmodell-Kameras nur schwer festhalten lässt.

Finden Sie Ihren eigenen Blick ! Die folgenden Bilder zeigen jedes für sich einen besonderen Moment, was die Bilder zu richtigen „Schnappschüssen“ macht:

Beispielbilder

der richtige moment zum fotografieren augenblick
Junge Eitelkeit, Schnappschuss
falsch

FALSCH
Hier bleibt das Hauptmotiv, die Seifenblasen, im Dunkeln.
Falscher Zeitpunkt des Auslösens

Richtig

RICHTIG
Hier ist der richtige Moment getroffen.
Man sieht gleich, worum es geht.

Der richtige Zeitpunkt kann bei Sportereignissen auf dem Kulminationspunkt sein, dem Punkt einer Bewegung also, an dem sich die Vorwärts- in eine Rückwärtsbewegung wandelt. An diesem Punkt hat man nicht so sehr ein Problem mit der Bewegungsunschärfe und erreicht durch mäßig kurze Belichtungszeiten gute Ergebnisse.

Zudem sind solche Szenen sind vielleicht nicht wiederholbar. Außerdem, um den flüchtigen Moment oder die plötzliche Bewegung festhalten zu können, muss man – so merkwürdig das auch klingen mag – stets das Unerwartete erwarten! Zumal das auch ein weniger erfreulicher Moment sein kann, mit dem niemand rechnen will: Bei einem Motorradrennen der Unfall oder bei einem Fußballspiel das Foul. Wichtig ist nur der Moment für den Schnappschuss.

Der entscheidende Moment kommt so schnell, wie er sich verflüchtigt.

Umso wichtiger, dass Sie sich von ihm nicht überraschen lassen.

Wir schauen uns ein Bild an und wissen sofort und ohne weitere Erklärung, ob es diesen speziellen Augenblick wiedergibt oder bloß Gewohntes zeigt. Wir wissen es, weil wir es spüren und in aller Deutlichkeit zu sehen bekommen. Weil diese Bilder Zusammenhänge auf plakative Weise klären und etwas zeigen, das wir so noch nie gesehen haben. Es sind dies die Bilder, für deren Herstellung es nur einen einzigen richtigen Augenblick gab; wären sie vorher oder nachher fotografiert worden, so würden wir sie möglicherweise keines zweiten Blickes würdigen.

Erstaunlicherweise fällt es uns ungleich schwerer, zu beschreiben, was genau den «entscheidenden Moment» ausmacht. Das dürfte in erster Linie daran liegen, dass sich dieser für die Wirkung eines Bildes so wichtige Zeitpunkt in immer wieder anderer Gestalt zeigt. Für den Porträtfotografen, beispielsweise, ist er möglicherweise dann gekommen, wenn er wahrnimmt, dass die Chemie zwischen ihm und der Person vor der Kamera stimmt und der Moment der gegenseitigen Übereinstimmung den Weg zu einer Darstellung von besonderer Intensität freigibt.

Vielleicht ist es auch bloß eine zufällige Geste, ein absichtsloser Blick, der ihm den Zugang zum porträtierten Menschen verschafft und Bilder zulässt, die den Betrachter nicht mehr loslassen. Für Presse- und Reportagefotografen dürfte der entscheidende Moment mehrheitlich jene Zeitspanne beschreiben, in der ein historisches, politisches, kulturelles oder gesellschaftliches Ereignis in klärender Form seine ganze Bedeutung offenbart. Der Sport- und Actionfotograf wiederum wird mehrheitlich jenen hart umkämpften Sekundenbruchteil als entscheidend betrachten, in dem ein Geschehen seinen Höhepunkt erreicht und Bildinhalte wie Siegen und Verlieren oder Mut und Risiko dramatisches Seherlebnis werden.

Jeder fotografische Bereich hat «seine» entscheidenden Momente, da macht auch die als statisch geltende Landschafts- oder Architekturfotografie keine Ausnahme: ein unerwarteter Lichtstrahl, ein Wolkenbruch oder ein Blitz genau dort, wo er seine Wirkung voll entfaltet – auch hier kann sich das Fotomotiv durch den Einfluss von Raum und Zeit vom Normal- zum Sonderfall wandeln.

Dass sich der entscheidende Moment in solch unterschiedlicher Weise präsentiert, macht das Fotografieren nicht gerade einfach. Dennoch lassen sich selbst für die «Bilder des entscheidenden Augenblicks» gewisse Regeln aufstellen. Genau besehen führt die Wirkung dieser Art von Aufnahmen nämlich immer auf dieselben Merkmale zurück: Das abgelichtete Motiv zeigt ein flüchtiges, oft überraschend wirkendes Ereignis, und es zeigt dieses auf seinem Kulminationspunkt, also dann, wenn sich die Situation oder Handlung so zugespitzt hat, dass sie ihre größtmögliche Dramatik und Aussagekraft entfaltet. Wenn es dem Fotografen gelingt, diesen Augenblick zu erfassen, hat er das Wichtigste geschafft.

Tropfen Moment Fotografie
Fotografie muss den richtigen Moment treffen. Dies ist jedoch ein geplantes Bild, kein Schnappschuss.

Werden Sie zum Besserwisser

So unmöglich, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, ist dieses Unterfangen nicht, denn der entscheidende Moment bei Schnappschuss kommt in den wenigsten Fällen aus heiterem Himmel. Tatsache ist, dass praktisch jedes Ereignis und jede Handlung – und damit auch mancher einmalige Schnappschuss – eine Vorgeschichte hat, die irgendwo ihren Anfang nimmt, um schließlich zu ihrem ganz spezifischen Höhepunkt aufzulaufen.

Wie schnell diese Entwicklung abläuft, ist für die fotografische Arbeit weitaus weniger relevant als die Fähigkeit, eine Entwicklung zu erkennen, richtig einzuschätzen und ihren Fortgang vorauszusehen. Denn nur so können wir uns im richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort begeben und im alles entscheidenden Augenblick auf den Auslöser drücken. Im Klartext: Wir müssen versuchen herauszufinden, wann ein Geschehnis wo in welcher Weise kulminiert, wann es seine größte Wirkung erreicht. Das hat in erster Linie mit Informiertsein zu tun.

Am besten beginnen wir damit, dass wir uns über das Motiv, über Hintergründe und Zusammenhänge so erschöpfend wie nur möglich schlau machen. Wer ist die Person, die wir zu fotografieren gedenken? Wie lebt und handelt sie? Wie agiert sie in welcher Umgebung, in welchen Situarionen?

Steht uns der Sinn nach einem packenden Sportfoto? Dann sollten wir alles über die betreffende Sportart in Erfahrung bringen – ihre Regeln, ihre visuell attraktiven Seiten. ihre dramaturgischen Höhen und Tiefen. Wo sind besonders fotogene Vorkommnisse zu erwarten?

Antizipation

Die Fotografie des entscheidenden Moments ist in aller Regel auch eine Fotografie des vorausgesehenen Moments. Wer sich von den Ereignissen überraschen lässt, wird mit größter Wahrscheinlichkeit zu spät auf den Auslöser seiner Kamera drücken. Die so genannte Antizipation, d.h. die Vorwegnahme eines Vorkommnisses in der Zukunft, spielt denn auch eine zentrale Rolle in der Schnappschuss-Fotografie.

Haben wir uns über unser Fotomotiv gründlich informiert, so wird es uns meist gar nicht so schwer fallen, vom «Besserwisser» zum «Hellseher» zu werden, d.h. zu erahnen, wo als Nächstes etwas geschehen könnte, das über die normale Sehenswürdigkeit eines Motivs hinausginge. Nur so kann ein herausragender Schnappschuss gelingen!

SO FANGEN SIE DEN ENTSCHEIDENDEN MOMENT EIN

  • Überlassen Sie nichts dem Zufall. Informieren Sie sich mittels Gesprächen, Literatur oder praktischen Studien am geplanten Aufnahmeort über Ihr Fotomotiv, über Hintergründe und zusammenhänge. Und bei Menschen über typische Verhaltensweisen.
  • Lassen Sie sich nicht überraschen. Beobachten Sie die Entwicklung einer Handlung oder eines Geschehnisses. Versuchen Sie vorauszusehen, wann und wo die Vorkommnisse zu ihrem Höhepunkt kulminieren. Genau dann machen Sie den perfekten Schnappschuss.
  • Prüfen Sie die Möglichkeit, in das Geschehen einzugreifen und seinen Gang nach Ihren Vorstellungen unmerklich zu beeinflussen. Vorsicht: Zu viel des Guten kann eine Szene gestellt wirken lassen, womit jede Wirkung verpufft.
  • Machen Sie sich rechtzeitig aufnahmebereit. Aufnahmeort frühzeitig aufsuchen und, sofern möglich, optimalen Standort festlegen.
  • Achten Sie auf ein «schnelles» Fotoequipment (Automatikfunktionen der Kamera aktivieren; mit Zoom-Objektiven arbeiten. Speicherkarten und Batterien frühzeitig auswechseln).
  • Fixieren Sie sich nicht zu sehr aufs Sucherbild. Lassen Sie Ihren Blick immer wieder über die gesamte Szenerie schweifen, damit Ihnen nicht fotogene Augenblicke entgehen können, die sich außerhalb des Sucherbildes ankündigen oder abspielen.
feuerwehr
Ob Schnappschuss oder Fotoreportage: Der entscheidende Moment ist wichtig.

Machen Sie sich bereit

Zu wissen, was sich ereignen könnte, ist das eine. Es im entscheidenden Moment festhalten zu können, ist das andere. Der tollste Schnappschuss, das aussagekräftigste Vorkommnis und die spektakulärste Handlung nützen wenig, wenn das Klick unserer Kamera um entscheidende Sekundenbruchteile zu spät kommt. Sei es, weil wir uns von den Ereignissen überraschen ließen, sei es, weil wir vergassen, unsere Kamera rechtzeitig aufnahmebereit zu machen.

So ist denn neben dem Informiertsein und Voraussehen das Bereitsein die wichtigste zu erfüllende Forderung. Vor allem bei fotografischen Arbeiten, die vom flüchtigen Augenblick leben (z.B. bei Sport- und Actionaufnahmen), macht es Sinn, schon bei der Wahl des Fotoequipments auf einfache Bedienung und schnelle Arbeitsabläufe zu achten.

Will heissen:

  • Wenn immer möglich vorhandene Automatikfunktionen der Kameranutzen, um keine kostbare Zeit mit Einstellarbeiten zu verlieren.
  • Anstelle von festbrennweitigen Wechselobjektiven motiv- und situationsgerechte Zooms verwenden, mit denen sich der Bildausschnitt rascher optimieren lässt.
  • Den Finger am Auslöser lassen, um jederzeit auslösen zu können.
  • Filme oder Speicherkarten rechtzeitig wechseln, d.h. vor der nächsten Aufnahmesequenz. Das gilt auch für nicht mehr frische Batterien.
  • Nicht mit dem Auge am Sucher kleben bleiben: Es kann durchaus sein, dass sich der entscheidende Moment außerhalb des gerade anvisierten Motivausschnitts manifestiert.

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