Indirekt Blitzen für natürliche Blitzfotos mit Bounce-Effekt

Indiekt Blitzen mit Bouncen Ihres Blitzgerätes ist eine der einfachsten Methoden, um wunderschönes Licht zu erhalten – und es erfordert auch nicht viel Ausrüstung.

In diesem Artikel geht es um weiche schattenfreie Ausleuchtung mit einem Blitzgerät. Das Blitzlicht wird dabei gegen die Decke oer eine Wand gerichtet, die als Reflektor dient und das Blitzlicht auffächert.

Was ist indirektes Blitzen und Bounce-Blitzen?

Als Bounce-Blitz bezeichnet man eine Blitztechnik, bei der Sie das Innere eines Gebäudes als Reflektor nutzen. Mit anderen Worten: Statt den Blitz auf Ihr Motiv zu richten, richten Sie ihn auf eine Wand oder eine Zimmerdecke. Diese dient als natürlicher Reflektor und lässt das reflektierte Licht Ihr Motiv beleuchten. Das Ganze erfordert also keine teure Ausrüstung.

Das kann zu weichen, gleichmäßigen Ergebnissen führen, wie hier:

indirekter Blitz Bounce
Fotografieren von Babys mit indirektem Blitz

Dabei sind Sie erstaunlich flexibel und können Ihr Motiv aus verschiedenen Winkeln und mit unterschiedlichem Härtegrad beleuchten. Beachten Sie, dass das indirekte Blitzen in der Regel mit einem auf dem Blitzschuh Ihrer Kamera montierten Blitzgerät durchgeführt wird, obwohl Sie es technisch gesehen auch mit Blitzgeräten außerhalb der Kamera durchführen können, die auf Lichtstativen montiert sind.

Blitzgerät SB 910
Wichtig fürs indirekte Blitzen: Blitzgerät mit verstellbarem Kopf

Vergleich Canon Blitzgeräte
Vergleich Nikon Blitzgeräte

Denn ein direkter Blitz ruinert jedes Bild, ergibt rote Augen und einen typischen Blitzeffekt. Dann wird der Vordergund hell, direkt danach wird es dunkel und der Hintergrund ist meistens schwarz. Das lässt sich leicht vermeiden!

Wann sollten Sie indirektes Blitzen verwenden?

Immer, wenn Sie mit einem beweglichen Blitzgerät arbeiten (d.h., dessen Winkel Sie am Kopf verstellen können), ist es eine gute Idee, diesen zu bouncen, es sei denn, Sie haben eine Form der Lichtmodifikation zur Verfügung (z.B. eine Softbox oder einen Schirm).

Und warum?
Weil unmodifizierte Blitze schrecklich aussehen. Sie geben Ihrem Motiv ein flaches, unangenehmes Aussehen, mit kontrastreichen Schatten, die einfach nicht schmeichelhaft sind.

Wenn Sie also in einer Situation sind, in der Sie mit einem nackten Blitz arbeiten und keinen Zugang zu Modifikatoren haben, werden Sie wahrscheinlich bouncen wollen.

Die Weichheit des Lichts hängt von der Größe ab: Je größer die Lichtquelle, desto weicher das Licht. Ein nackter Blitz dagegen ist sehr schmal und gerichtet, was bedeutet, dass Sie hartes, kontrastreiches Licht erhalten.

Nimmt man aber das Blitzlicht und lässt es an der Wand abprallen, wird das Licht viel breiter. Und Sie erhalten einen weicheren Effekt, so wäre Ihr Blitz zu Beginn sehr groß gewesen. Das ist übrigens das, was Reflektoren im Allgemeinen tun. Sie weiten und fächern das Licht auf, um mehr Fläche abzudecken, und erzeugen so einen weicheren Effekt.

Interne Einbau-Blitzgeräte und Aufklappblitze

Blitz internes Blitzgerät
Völlig ungeeignet für weiches Licht: internes Blitzgerät

Sie können auch eine Bounce-Technik zum indirekten Blitzen verwenden, wenn Sie mit einem kameramontierten Gerät arbeiten und die Schatten aus verschiedenen Richtungen kommen sollen.

Nehmen wir an, Sie möchten einen dreidimensionalen Seitenlichteffekt erzielen. Nun, mit einem eingebauten Blitzgerät, das aus dem gleichen Winkel wie Ihr Objektiv/Ihre Kamera leuchtet, ist das einfach nicht zu erreichen.

Normalerweise würden Sie den Effekt erreichen, indem Sie das Blitzgerät von der Kamera abnehmen und aus der Entfernung auslösen. Wenn Ihnen diese Möglichkeit nicht zur Verfügung steht oder Sie einfach keine Zeit haben, können Sie das Licht an einer Wand reflektieren und so trotzdem die gewünschten Schatten erzeugen. Das funktioniert allerdings nur bei Aufsteck-Geräten, nicht bei eingebauten.

Hier ist die Quintessenz:

Wann immer Sie weiches Licht oder nicht direkte Schatten wünschen, können Sie einen Bounce-Effekt verwenden.

Welche Ausrüstung benötigen Sie für einen indirekten Blitz (Bounce-Effekt)?

Solange Sie den Blitz lenken können, können Sie die Bounce-Blitztechnik verwenden. Das bedeutet, dass Blitzgeräte, bei denen sich der Kopf drehen lässt (das ist sehr verbreitet!), in der Regel fürs indirekte Blitzen an die Decke geeignet sind.

Bouncer
Der Bouncer wird auf den Blitzkopf gesteckt

Aber ein eingebauter Pop-up-Blitz wird hierfür nicht funktionieren, weil sie nur eine Richtung haben: geradeaus. Beachten Sie, dass Sie die Bounce-Blitztechnik auch mit Studioblitzen o.ä. anwenden können, aber das macht in der Regel nicht viel Sinn, wenn Sie eine ausreichende Anzahl von Modifikatoren haben, um den gewünschten Look zu erzielen.

Es gibt auch Bouncer zum Aufstecken aufs Blitzgerät. Das ist immer dann sinnnvoll, wenn es keine Zimmerdecke gibt, die das Blitzlicht refelktieren kann. Dieser oft auch Diffusor oder Joghurtbecher genannte Aufsatz macht das Licht durch Streuung ebenfalls weicher. Dieses sinnvolle Zubehör funktioniert wie eine kleine Softbox und ist unter 10 Euro zu haben.

Schauen wir uns nun an, wie Sie einen schönen Bounce-Blitz-Effekt erzeugen können:

Indirektes Blitzen in der Praxis

Vielleicht sind Sie mit Bounce-Blitztechniken nicht besonders vertraut, aber sie können ein echter Lebensretter sein – vor allem in Situationen, in denen Sie nur einen nackten Blitz zur Hand haben und diesen nicht von der Kamera wegbewegen können.

Scheuen Sie sich also nicht, mit Bounce Flash kreativ zu werden. Sie können damit wunderbar ausgeleuchtete Bilder machen.

Wählen Sie Ihren Blitzwinkel

Immobilie innen
Immobilie schattenfrei ausgeleuchtet

Bounce-Blitzlicht beginnt mit dem richtigen Winkel. Indem Sie den Blitz auf verschiedene Arten auftreffen lassen, erhalten Sie unterschiedliche Schattenformen, die ein Foto ganz leicht verändern können. Stellen Sie sich die Oberflächen um Sie herum wie eine Art Spiegel vor und Ihren Blitz wie einen Laserstrahl. Dann fragen Sie sich selbst: Wenn Sie den Blitz auf die Wand schießen würden, wie würde er reflektiert? Im Bild links sieht man eine nahezu schattenfreie Ausleuchtung durch indirekte Blitze mit reduzierter Leistung.

Wenn Sie also Schatten unter Nase und Kinn Ihres Motivs erzeugen wollen, sollten Sie den Blitz auf die Decke darüber richten. Wenn Sie Schatten auf der linken Seite des Gesichts Ihres Motivs erzeugen möchten, dann richten Sie den Blitz auf die Wand rechts davon. Und Sie können die Schatten noch weiter verfeinern, indem Sie sich Gedanken über die Intensität des Winkels machen. Ein steiler Winkel reflektiert steil zurück, während ein flacher Winkel flach zurück reflektiert.

Ich empfehle, mit verschiedenen Winkeln zu experimentieren. Sie werden den Dreh schnell raus haben – seien Sie nur bereit, am Anfang ein paar Fehler zu machen.

Schattenfrei ausleuchten durch indirektes Blitzen
Das Motiv mit einem indirekten Blitz schattenfrei ausleuchten, nie direkt

Blitzen immer von einer neutralen Wandfarbe

Hier ist ein grundlegender Fallstrick der Blitzlichtfotografie: Sie lassen den Blitz von einer bunten Wand abprallen.
Und Sie erhalten ein seltsam gefärbtes Foto. Das ist überhaupt nicht wünschenswert und kann ein Fotoshooting ruinieren, wenn man nicht aufpasst.

Warum das so ist?
Weil Blitze die Farbe der Wand annehmen, von der sie reflektiert werden. Wenn Sie also einen Blitz von einer blauen Wand abprallen lassen, erhalten Sie einen blauen Farbstich, und das ist in der Regel nicht das Ziel.

Deshalb würde ich vorschlagen, eine neutrale Wand zu wählen (grau oder weiß), anstatt eine farbige Wand. Und beachten Sie: Je dunkler die Wand ist, desto weniger stark ist die Lichtreflexion. Weiße Wände sind großartig, aber bei schwarzen Wänden werden Sie kaum einen Bounce erhalten.

Wählen Sie sorgfältig die richtigen Einstellungen für eine gute Belichtung

Die Blitzbelichtung kann ein heikles Thema sein.

Wenn Ihr Blitzgerät über Optionen für die Belichtungsmessung durch das Objektiv (TTL) verfügt, lassen Sie den Blitz oft einfach seine Arbeit machen und schießen Bilder ab. Machen Sie eine Testaufnahme. Und sehen Sie, wie es aussieht.

Moderne TTL-Blitze übernehmen die Belichtung.

Wenn es zu hell ist, können Sie die Blende verkleinern oder die Blitzleistung verringern.
Wenn es zu dunkel ist, können Sie die Blitzleistung erhöhen, die Blende erweitern oder – wenn das Umgebungslicht zu dunkel ist, aber die “geblitzten” Bereiche gut belichtet erscheinen – die Verschlusszeit verkürzen.

Machen Sie dann eine weitere Testaufnahme, nehmen Sie die notwendigen Anpassungen vor und fahren Sie fort, bis Sie das gewünschte Ergebnis erhalten!

Vermeiden Sie hohe Decken und den Außenbereich

Hier ist der letzte Tipp für die Blitzlichtfotografie: Je weiter Ihr Blitz beim Bouncen zurücklegen muss, desto schwächer wird der Effekt ausfallen. Das bedeutet, dass Sie an einer sehr hohen Decke nicht blitzen können, weil der Blitz zu weit weg ist, um einen spürbaren Effekt zu erzielen.

Und Sie werden definitiv nicht im Freien indirekt blitzen können, weil der Himmel das Licht absorbiert und nichts übrig bleibt. Stattdessen sollten Sie an Wänden und niedrigen Decken blitzen. Man muss vielleicht ein bisschen suchen, aber wenn man sich die Mühe macht, findet man einige gute Bounce-Flächen!

Ich hoffe dieser Artikel war hilfreich und hat die Vorteile des indirekten Blitzens deutlich gemacht. Einfache Regel: Nie direkt das Blitzlicht aufs Motiv richten, der Rest findet sich dann schon, mit oder ohne Bouncer.

Bücher zum Thema Blitzen

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Blitzen!: Der perfekte Einstieg in die Blitzfotografie – mit Lichtskizzen und Making-of-Aufnahmen
  • Sänger, Kyra (Autor)
  • 340 Seiten - 24.03.2021 (Veröffentlichungsdatum) - Rheinwerk Fotografie (Herausgeber)
Blitz und Licht: Mit nur einem Blitz effektvoll fotografieren
  • Michael, Nagel (Autor)
  • 288 Seiten - 16.05.2019 (Veröffentlichungsdatum) - BILDNER Verlag (Herausgeber)
Just one Flash!: Tolle Fotos mit nur einem Blitz
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Just one Flash!: Tolle Fotos mit nur einem Blitz
  • Gockel, Tilo (Autor)
  • 240 Seiten - 01.12.2014 (Veröffentlichungsdatum) - dpunkt.verlag GmbH (Herausgeber)

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Andreas Volz
Gründer von Webdigital und Fotograf seit Jugendzeit. Ich hatte meist Nikon-Kameras. Angefangen mit Nikon F3, F4 und F5 kam ich mit einer D1 ins digitale Fotozeitalter. Es folgten D2H, D3 und D810. DSLR faszinieren mich genau so wie spiegellose Modelle.

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