Bildgestaltung mit Farbe | Farben in der Fotografie

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Die Wirkung der Farbe beschränkt sich nicht nur darauf, Fotos realistischer erscheinen zu lassen. Farben können beim Betrachter bestimmte Reaktionen hervorrufen, Spannung oder Begeisterung erzeugen, beruhigend wirken oder aber die Nerven reizen. Diese starken Reaktionen können vom Bildinhalt unabhängig sein, denn Farben wirken unmittelbar auf das Gefühl.

Motivgestaltung

Wenn Sie die Motivfarben sorgfältig gewichten und plazieren, gelingen Ihnen wirkungsvollere Farbfotos. Manchmal werden Sie die Möglichkeit haben, die Farben des Motivs frei zu wählen oder zu verändern. Beispielsweise könnten Sie bei einer Porträtaufnahme das Modell bitten, einen Pullover in einem anderen Ton anzuziehen. Oder einen anderen Hintergrund wählen. Viel einfacher ist es jedoch, mit Hilfe der in diesem Artikel beschriebenen Techniken nicht die Objektfarben selbst, sondern ihre Wiedergabe und Anordnung im Bild zu beeinflussen.

Farben Fotografie
Bildgestaltung mit Farbe | Farben in der Fotografie 11

So können Sie beispielsweise Aufnahmestandpunkt und Brennweite so wählen, dass bestimmte Farben mit aufs Bild kommen, andere dagegen nicht. Sie können das ganze Bildfeld mit leuchtenden Farben füllen, wie es bei diesem Bild hier geschah, oder nur einzelne kräftige Farbakzente setzen. Und Sie können zwei Töne nebeneinander stellen, um entweder einen ruhigen oder einen plakativen Effekt zu erzielen.

Farben erzeugen Stimmungen, und wenn Sie sie gekonnt einsetzen, können Sie Ihren Bildern genau die Wirkung geben, die Ihnen vorschwebt.

Farbpsychologie

Die Wirkung hängt weitgehend vom subjektiven Empfinden ab. Aber obwohl die meisten von uns nicht rational, sondern emotional auf Farben reagieren, ist die Kenntnis einiger Tatsachen der Farbwahrnehmung und Wirkung doch eine wichtige Voraussetzung für die Gestaltung guter Farbaufnahmen.

Manche unserer Reaktionen auf Farben sind physiologisch bedingt. So erscheint uns Gelb zum Teil deshalb als besonders leuchtend, weil die Zellen der Netzhaut für gelbgrünes Licht besonders empfindlich sind. Manche Farbkombinationen scheinen zu vibrieren, weil sich unser Auge abwechselnd auf verschiedene Wellenlängen einstellen muss. Farben ähnlicher Wellenlänge rufen einen harmonischen Gesamteindruck hervor. Leuchtende, warme Farben wirken näher als dunkle kältere.

Kalte Farben
Kalte Töne werden psychologisch immer mit Kühle assoziiert.

Überwiegend spielen jedoch psychologische Faktoren die Hauptrolle. Sie können auf persönlichen Erfahrungen beruhen, die zu einer Vorliebe für bestimmte Farben bei Kleidern oder Einrichtungsgegenständen führen. Solche subjektiven Reaktionen sind für den Farbfotografen weniger wichtig als Reaktionen, die fast allen Menschen gemeinsam sind. Zum Beispiel das Empfinden, dass manche Farben warm, andere kalt wirken.

Rot- und Orangetöne scheinen manchmal fast spürbare Wärme auszustrahlen. Vielleicht weil wir sie mit Feuer und Sonne in Verbindung bringen, während Blautöne kühl wirken. Weil sie an Wasser, Schatten und Dämmerung erinnern. Vielen Menschen gemeinsam ist auch das Gefühl, manche Farben seien weicher als andere – Pastelltöne wie Rosa und Lindgrün erscheinen zarter und sanfter als reine, intensive Töne wie Gelb und Rot, die oft laut, knallig, ja aggressiv wirken. Wenn Sie diese Grundregeln der Farbenpsychologie bei Motivwahl und Bildgestaltung berücksichtigen, können Sie ganz gezielt die beabsichtigte Bildaussage durch geeignete Stimmungen unterstützen.

Warme Farben
Warme Stimmung

Farbsättigung

Kräftige Töne wirken unmittelbarer als zarte oder gedeckte. Aber es gibt natürlich auch viele hervorragende Fotos von gedämpfter Farbigkeit; Aufnahmen mit feineren Farbtönen wirken oft besonders stimmungsvoll oder harmonisch. Normalerweise werden Sie jedoch Wert darauf legen, dass kräftige, leuchtende Motivfarben auch auf den Bildern möglichst stark wirken.

Die kräftigsten Farben bezeichnet man als „voll gesättigt“. Gesättigt sind die, die nur aus einer oder zwei der drei Grundfarben des Lichts – Rot, Grün oder Blau – bestehen. Sind alle drei Grundfarben in einer Farbe enthalten, wird diese mehr oder weniger stark „entsättigt“.

Gesättigte Töne wirken bei bestimmter Beleuchtung am intensivsten. Beispielsweise hat eine Blüte in reinem Rot stärkere Leuchtkraft als eine, die bräunlich verfärbt ist. Aber beide wirken bei mittlerer Helligkeit am intensivsten. Helles Sonnenlicht kann den Sättigungsgrad verringern. Im Schatten wirken Farben dagegen dunkler.

Farbsättigung
Schwache Farbsättigung wirkt natürlicher als Farben aus Photoshop

Wenn Sie einen bestimmten farbigen Motivteil betonen möchten, haben Sie mehrere Möglicheiten, den Sättigungsgrad der Farben zu erhöhen.

Erstens können Sie versuchen, den Aufnahmestandpunkt so zu verlagern, dass das Licht die kräftigste Farbe hervorhebt. Gewöhnlich ist dazu ein Standpunkt mit der Sonne im Rücken am besten, außer bei glänzenden, reflektierenden Objekten.

Zweitens können Sie den optimalen Sättigungsgrad eines Motivteils dadurch erzielen, dass Sie die betreffende Partie selektiv anmessen und die Aufnahme entsprechend belichten. Dadurch können zwar dunklere Bildteile unterbelichtet werden, aber dieser Kontrast kann andererseits die Farbwirkung noch steigern.

Drittens stehen die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung in Programmen wie Photoshop und Lightroom zur Verfügung.

Der Farbakzent

Farbakzent
Gelber Farbakzent in ansonsten monochromem Bild

Farbenfrohe Motive führen wie von selbst zu farbenfrohen Bildern. Aber große Teile unserer Umwelt – vor allem die Betonwüsten moderner großstädtischer Wohnviertel – sind trist und grau.

Auch das Wetter wirkt sich stark auf die Farbtöne aus: Schnee überzieht alles mit einer rein weißen Decke, und ein Motiv, das sich an einem Sonnentag in voller Farbenpracht darbietet, kann bei Regen langweilig und trostlos sein. In den meisten Fällen wirkt ein farbloses Motiv eher fade.

Schon mit einem einzigen kräftigen Farbakzent kann jedoch pulsierendes Leben in ein solches Bild kommen. Für leuchtende Farbakzente eignen sich am besten die warmen Farben: Rot-, Gelb- und feurige Orangetöne.

Diese Farben treten scheinbar aus der Bildoberfläche hervor und ziehen den Blick unwiderstehlich auf sich. Kältere Töne, wie Blau und Grün, wirken meist nicht so gut. Falls sie nicht ganz besonders hell und leuchtkräftig sind, muss man sie schon etwas großzügiger einsetzen, wenn man ein vorwiegend graues Bild beleben will.

Die Farbdominante

Die Fähigkeit moderner Sensoren, all die leuchtenden Farben unserer Umwelt wiederzugeben, verleitet Fotografen manchmal dazu, „farbig“ mit „bunt“ zu verwechseln. Und Bilder mit möglichst vielen verschiedenen Farben zu machen. Solche kolorierte Pracht kann durchaus wirkungsvoll sein, aber allzu leicht entsteht ein Durcheinander nicht zusammen passender Farben.

Oft erhält man ein ansprechenderes Bild, wenn man eine schönen, leuchtenden Ton das Bild dominieren lässt. Durch solch gezielten Einsatz kann man oft eine Konzentration der Bildaussage erreichen.

Je intensiver die Farbe ist, um so klarer beherrscht sie das Bild, aber man kann hellere Töne auch zur Umrahmung von Bildelementen einsetzen, die anders getönt sind.

Um große, dominierende Farbflächen möglichst stark wirken zu lassen, kann man sie gegen andere, neutralere Bildelemente absetzen. Vielleicht können Sie es so einrichten, das keine dissonanten, störenden Farben, sondern nur weiche, gedämpfte Töne wie Hauttöne, ins Bild kommen.

Gedämpfte Farbe

Bilder, bei denen der Fotograf sparsam mit der Farbe umgegangen ist, sind oft besonders stimmungsvoll. Solche fast monochromen Aufnahmen sind viel unaufdringlicher als die meisten Farbfotos, entfalten aber gerade durch ihre Einfachheit und stille Schönheit eine zwingende Wirkung. Nicht zuletzt fallen sie dadurch auf, dass sie relativ selten sind.

Gedämpfte Farben
Gedämpfte Farben

Es gibt zwei Hauptarten monochromer Bilder: Erstens solche, bei denen die Beleuchtung oder die Wetterverhältnisse zu einer allgemeinen Dämpfung und Vermischung der Farben führen. Und zweitens solche, bei denen das Motiv selbst keine kräftigen Farben aufweist.

Eine Landschaft hat bei schwacher Sonne, zumal morgens oder abends, meist einen ausgeprägten Orangeschleier, vor allem bei Dunst oder staubiger Luft. Regen, Nebel oder Rauch, ja sogar die Luftverschmutzung in Ballungsgebieten, streuen das Licht und dämpfen die Farben, sodass auch bunte bjekte fast einfarbig erscheinen. Manchmal lässt sich ein Motiv durch das Licht von offenem Feuer oder künstlichen Lichtquellen in einer einzigen Farbe tönen. Die Wirkung farbiger Lichtquellen lässt sich dabei noch dadurch steigern, dass man ohne Gegenlichtblende zur Lichtquelle hin fotografiert, sodass das Licht durch Überstrahlung die Farbe über das ganze Bildfeld verteilt, was oft zu sehr hübschen Effekten führt.

Motive, die an sich schon eintönig gefärbt sind, findet man nicht allzu oft. Es sei denn, man kann aus kurzem Abstand fotografieren. Im allgemeinen enthält ein Motiv umso mehr verschiedene Farben, je größer oder weiträumiger es ist. Deshalb ist ein Teleobjektiv mit seinem kleinen Bildwinkel für diese Zwecke besser geeignet als ein Weitwinkelobjektiv. Schließlich kann man die Farbstimmung eines Motivs mit einem Farbfilter unterstreichen.

Farbharmonie

Obwohl unser Empfinden recht subjektiv ist, erscheinen den meisten von uns bestimmte Farbzusammenstellungen ansprechender und harmonischer als andere. Eine harmonische Farbwirkung lässt sich leichter mit einer begrenzten Anzahl verschiedener Töne erzielen. So wird ein Foto, das nur aus fein abgestuften Schattierungen ein und derselben Farbe besteht, meist harmonisch wirken.

Das gleiche gilt für eine Mischung eines bunten mit mehreren neutralen Tönen, also Abstufungen von Grau, Braun, Weiß oder Schwarz. Bei der Zusammenstellung von zwei oder mehr Farben muss man sorgfältig vorgehen. Wie der Farbkreis zeigt, ergeben nahe beieinander liegende Töne harmonische Kombinationen, während einander gegenüber liegende Farben stark kontrastieren. Blautöne passen also gut zu Grüntönen, Rot und Grün sind dagegen so verschieden, dass der Eindruck von Vibration entsteht, wenn diese beiden Farben nebeneinander gestellt werden.

Es gibt allerdings Ausnahmen von dieser Grundregel.

Farbkreis
Der Farbkreis oben besteht aus den drei Grundfarben des Lichts Rot, Grün und Blau und ihren Komplementärfarben Cyan (Blaugrün), Magenta (Purpur) und Gelb. Die eine Hälfte des Kreises nehmen die „kalten“ Grün, Cyan und Blau ein, die andere die „warmen“ Magenta, Rot und Gelb. Auf dem Kreis benachbarte Töne harmonieren miteinander. Bei starker Aufhellung (Kreismitte) verringern sich jedoch auch die Kontraste zwischen einander gegenüberliegenden Farben.

Auch auf dem Farbkreis benachbarte Töne beispielsweise Purpur und Rot – können sich beißen, falls beide stark gesättigt sind. Umgekehrt harmonieren auch gegensätzliche Farben, wenn sie entweder dunkel und gedeckt oder hell und ausgebleicht sind. Ebenso passen die verhaltenen Rot- und Goldtöne einer Herbstlandschaft gut zu den gedämpften Grüntönen. In der Praxis lassen sich harmonische Farbklänge erzielen, wenn man versucht, störende Farben auszuschalten. Wirken die Farben zu grell, kann man auf weichere Beleuchtung warten, wie sie bei tiefstehender Sonne, Dunst oder leicht bedecktem Himmel auftritt.

Kontrastierende Farben beeinträchtigen die Farbstimmung eines Bildes nicht, wenn sie wenig Raum einnehmen.

Farbkontraste

Während manche Farben ausgewogen und harmonisch wirken, wenn sie in einem Foto zusammen auftreten, erzeugen andere harte Kontraste bis zu einem Vibrations- oder Flimmereffekt. Solche dynamischen Farbzusammenstellungen können Sie einsetzen, um ein Foto besonders lebhaft erscheinen zu lassen, ein Bildelement hervorzuheben oder einfach einen eindrucksvollen abstrakten Effekt vorzuführen. Der Farbkontrast ist am stärksten, wenn Sie sich auf zwei bis drei Farben beschränken. Weitere Farben würden den Effekt nur abschwächen und das Bild unruhig werden lassen.

Farbkontrast
Farbkontrast Grün-Rot

Die stärksten Kontraste bestehen zwischen Farben, die im Farbkreis einander gegenüberliegen. Die warmen Rot-, Gelb- und Orangetöne auf der einen, die kalten Blau- und Grüntöne auf der anderen Seite. Letztlich hängt der Kontrast jedoch von der relativen Helligkeit der Farben ab. Er ist am stärksten, wenn beide Farbtöne gleich hell sind. Reine Farbkontraste finden sich am häufigsten im Nahbereich. Wenn Sie die Möglichkeit haben, Ihr Motiv beliebig zu verändern, können Sie sich für plakative Farbkontraste entscheiden.

Farbige Vordergründe

Um kreativ mit Farben umgehen zu können, brauchen Sie ein Gespür für Farbzusammenstellungen. Aber Sie müssen auch verstehen, die einzelnen Farbelemente wirkungsvoll im Bild zu platzieren. Oft lässt sich eine Komposition auf einfache Weise durch eine leuchtende Farbe im Vordergrund verbessern. Wenn sie sich mit den übrigen Farben verträgt, kann sie als eine Art Umrahmung für das eigentliche Motiv dienen und vielleicht sogar die farbliche Grundstimmung des Bildes angeben.

Reine, leuchtende Farben wirken am besten. Es besteht aber die Gefahr, dass die übrigen Bildteile „erschlagen“ werden, wenn die Vordergrundelemente zu sehr überwiegen und zu scharf wiedergegeben sind. Wenn Sie die Zeichnung in einem farbigen Vordergrund bewahren möchten, achten Sie darauf, dass diese Bildpartie wirklich etwas zur Gesamtkomposition beiträgt und den Betrachter nicht von wichtigen Hintergrundelementen ablenkt. Gestalten Sie die Aufnahmen so, dass die Farben durch ihre Flächenanteile oder ihre Anordnung die Komposition ausbalancieren.

Farbige Hintergründe

Eine weitere wichtige Möglichkeit, die Farbwirkung von Fotos zu beeinflussen, ist die sorgfältige Wahl des Hintergrunds. Wenn Sie darauf achten, dass der Hintergrund den Bildgegenstand nicht erdrückt, sondern vorteilhaft zur Geltung bringt, können Sie ihn auch ziemlich groß und in einer leuchtenden Farbe halten. Der Bildgegenstand wird hervorgehoben, wenn er mit dem Hintergrund einen starken Farbkontrast bildet.

Wählen Sie also möglichst einen neutralen Farbton für ein Objekt in kräftigen Farben und einen starkfarbigen Hintergrund für einen monochromen Gegenstand. Wenn Sie den Hintergrund wählen können, empfiehlt es sich, ein helles Objekt vor einem dunklen Hintergrund zu plazieren, um die räumliche Wirkung des Bildes zu steigern – ein zu heller Hintergrund verflacht das ganze Bild.

Hintergrundfarben üben einen starken Einfluss auf die Bildstimmung aus. Wenn sie grell sind, wirkt die Aufnahme lebhaft. Sind sie dagegen gedämpft und harmonisch, strahlt das ganze Bild Ruhe aus. Denken Sie daran, dass Sie die farbliche Intensität des Hintergrunds durch Unschärfe dämpfen können. Aufnahmen aus Augenhöhe haben oft einen zu unruhigen Hintergrund. Das lässt sich vermeiden, wenn man von unten nach oben fotografiert, sodass sich das Objekt vor dem Himmel abzeichnet. Aber auch durch einen erhöhten Aufnahmestandpunkt bekommt man oft einen ruhigeren Hintergrund.

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