Bildgestaltung mit Farbe | Farben in der Fotografie

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Die Wirkung der Farbe beschränkt sich nicht nur darauf, Fotos realistischer erscheinen zu lassen. Sie können beim Betrachter bestimmte Reaktionen hervorrufen, Spannung oder Begeisterung erzeugen, beruhigend wirken oder aber die Nerven reizen. Diese starken Reaktionen können vom Bildinhalt unabhängig sein, denn Farben wirken in der Bildgestaltung auch auf Emotionen.

Bildgestaltung

Wenn Sie die Motivfarben sorgfältig gewichten und plazieren, gelingen Ihnen bessere Fotos. Manchmal werden Sie die Möglichkeit haben, die Farben des Motivs frei zu wählen oder zu verändern. Beispielsweise könnten Sie bei einem Porträt das Modell bitten, einen Pullover in einem anderen Ton anzuziehen. Oder einen anderen Hintergrund wählen. Viel einfacher ist es jedoch, mit Hilfe der hier gezeigten Techniken nicht die Tonung selbst, sondern ihre Wiedergabe und Anordnung im Bild, und somit die Bildgestaltung, zu beeinflussen.

Farben Fotografie
Bildgestaltung durch Farbe

So können Sie beispielsweise Standpunkt und Brennweite so wählen, dass bestimmte Farben mit aufs Bild kommen, andere dagegen nicht. Sie können das ganze Bildfeld mit leuchtenden Farben füllen, wie es bei dieser Bildgestaltung hier geschah. Oder nur einzelne kräftige Akzente setzen. Und Sie können zwei Töne nebeneinander stellen, um entweder einen ruhigen oder einen plakativen Effekt zu erzielen.

Farben erzeugen Stimmungen, und wenn Sie sie gekonnt einsetzen, können Sie Ihren Bildern genau die Wirkung geben, die Ihnen vorschwebt.

Farbpsychologie

Die Wirkung hängt weitgehend vom subjektiven Empfinden ab. Die meisten von reagieren uns nicht rational, sondern emotional auf Farben. Das kann man sich für die Bildgestaltung mit Farben zunutze machen. Folglich ist die Kenntnis einiger Tatsachen der Wahrnehmung und Wirkung eine wichtige Voraussetzung für die Gestaltung guter Farbfotos.

Manche unserer Reaktionen auf Farben sind physiologisch bedingt. So erscheint uns Gelb deshalb als besonders leuchtend, weil die Zellen der Netzhaut für gelbgrünes Licht sehr empfindlich sind. Manche Kombinationen scheinen zu vibrieren, weil sich unser Auge abwechselnd auf verschiedene Wellenlängen einstellen muss. Töne ähnlicher Wellenlänge rufen einen harmonischen Eindruck hervor. Leuchtende, warme Farben wirken näher, als dunkle kältere.

Kalte Farben
Kalte Töne werden psychologisch immer mit Kühle assoziiert.

Überwiegend spielen jedoch psychologische Faktoren die Hauptrolle. Sie können auf persönlichen Erfahrungen beruhen, die zu einer Vorliebe für bestimmte Farben bei Kleidern oder Möbeln führen. Solche subjektiven Reaktionen sind für den Fotografen weniger wichtig als Reaktionen, die fast allen Menschen gemeinsam sind. Zum Beispiel das Empfinden, dass manche Farben warm, andere kalt wirken.

Rot- und Orangetöne scheinen manchmal fast spürbare Wärme auszustrahlen. Vielleicht weil wir sie mit Feuer und Sonne in Verbindung bringen, während Blautöne kühl wirken. Weil sie an Wasser, Schatten und Dämmerung erinnern. Vielen Menschen gemeinsam ist auch das Gefühl, manche Farben seien weicher als andere. Pastelltöne wie Rosa und Lindgrün erscheinen zarter und sanfter als reine, intensive Töne wie Gelb und Rot. Diese wirken oft laut, knallig, ja aggressiv. Wenn Sie diese Grundregeln der Farbe bei Motivwahl und Bildgestaltung berücksichtigen, können Sie ganz gezielt die Bildaussage durch Stimmungen unterstützen.

Warme Farben
Warme Stimmung in der Bildgestaltung

Farbsättigung

Kräftige Töne wirken unmittelbarer als zarte oder gedeckte. Aber es gibt natürlich auch viele top Fotos von gedämpfter Buntheit. Aufnahmen mit feineren Tönen wirken oft besonders stimmungsvoll oder harmonisch. Normalerweise werden Sie bei der Bildgestaltung jedoch Wert darauf legen, dass kräftige, leuchtende Farben auch auf den Bildern möglichst stark wirken.

Die kräftigsten Farben bezeichnet man als „voll gesättigt“. Gesättigt sind die, die nur aus einer oder zwei der drei Grundelementen des Lichts – Rot, Grün oder Blau – bestehen. Sind alle drei Grundtöne in einer Farbe enthalten, wird diese mehr oder weniger stark „entsättigt“.

Gesättigte Töne wirken bei bestimmter Beleuchtung am intensivsten. Beispielsweise hat eine Blüte in reinem Rot stärkere Leuchtkraft als eine, die bräunlich verfärbt ist. Aber beide wirken bei mittlerer Helligkeit am intensivsten. Helle Sonne kann die Sättigung verringern. Im Schatten wirken Farben dagegen dunkler.

Farbsättigung
Schwache Sättigung wirkt natürlich in der Bildgestaltung

Wenn Sie einen bestimmten Motivteil betonen möchten, haben Sie mehrere Möglicheiten, die Sättigung zu erhöhen.

Erstens können Sie versuchen, den Standpunkt so zu verlagern, dass das Licht die kräftigste Farbe hervorhebt. Gewöhnlich ist dazu ein Standpunkt mit der Sonne im Rücken am besten, außer bei glänzenden, reflektierenden Objekten.

Zweitens können Sie die optimale Sättigung eines Motivteils dadurch erzielen, dass Sie die Partie selektiv anmessen und entsprechend belichten. Dadurch können zwar dunklere Bildteile unterbelichtet werden, aber dieser Kontrast kann andererseits die Wirkung noch steigern. Siehe hierzu auch Spotmessung.

Drittens stehen die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung in Programmen wie Photoshop und Lightroom zur Verfügung.

Der Farbakzent

Farbakzent
Gelber Farbakzent in ansonsten monochromem Bild

Farbenfrohe Motive führen wie von selbst zu fröhlichen Bildern. Aber große Teile unserer Umwelt – vor allem die Betonwüsten moderner Großstädte – sind trist und grau.

Auch das Wetter wirkt sich stark auf die Farbe und somit Bildgestaltung aus. Schnee überzieht alles mit einer rein weißen Decke, und ein Motiv, das sich an einem Sonnentag in voller Pracht darbietet, kann bei Regen langweilig und trostlos sein. In den meisten Fällen wirkt ein farbloses Motiv eher fade.

Schon mit einem einzigen kräftigen Akzent kann jedoch Leben in ein solches Bild kommen. Für leuchtende Akzente eignen sich am besten Rot-, Gelb- und feurige Orangetöne.

Diese treten scheinbar aus der Oberfläche hervor und ziehen den Blick sofort auf sich. Kältere Töne, wie Blau und Grün, wirken meist nicht so gut. Falls sie nicht sehr hell und kräftig sind, muss man sie etwas mehr einsetzen, wenn man ein sonst graues Bild beleben will.

Die Dominante

Die Fähigkeit moderner Sensoren, all die leuchtenden Töne unserer Umwelt zu zeigen, verleitet Fotografen manchmal dazu, „farbig“ mit „bunt“ zu verwechseln. Und Bilder mit möglichst vielen verschiedenen Farben zu machen. Solche kolorierte Pracht kann durchaus wirkungsvoll sein, aber allzu leicht entsteht ein Durcheinander nicht zusammen passender Töne. Das ist nicht gut für die Bildgestaltung. Hier ist weniger also mehr.

Oft erhält man ein tolles Bild, wenn man eine schönen, leuchtenden Ton das Bild dominieren lässt. Durch solch gezielten Einsatz kann man oft eine Konzentration der Bildaussage erreichen.

Je intensiver die Farbe ist, um so klarer beherrscht sie das Bild. Aber man kann hellere Töne auch zur Umrahmung von Bildelementen einsetzen, die anders getönt sind.

Um große, dominierende Flächen möglichst stark wirken zu lassen, kann man sie gegen andere, neutralere Elemente absetzen. Vielleicht können Sie es so einrichten, das keine störenden, sondern nur gedämpfte Töne wie Hauttöne, ins Foto kommen.

Gedämpfte Farbe in der Bildgestaltung

Auch wenig Farbe in der Bildgestaltung kann nützlich sein.

Fotos, bei denen der Fotograf sparsam damit umgegangen ist, sind oft besonders stimmungsvoll. Solche fast monochromen Aufnahmen sind viel unaufdringlicher als die meisten Fotos. Sie entfalten aber gerade durch ihre Einfachheit und stille Schönheit eine zwingende Wirkung. Nicht zuletzt fallen sie dadurch auf, dass sie relativ selten sind.

Gedämpfte Farben
Fast monochrom

Es gibt zwei Hauptarten monochromer Fotos. Erstens solche, bei denen die Beleuchtung oder das Wetter zu einer allgemeinen Dämpfung und Mischung der Farben führen. Und zweitens solche, bei denen das Motiv selbst keine kräftigen Töne aufweist.

Eine Landschaft hat bei schwacher Sonne, zumal morgens oder abends, meist einen orangen Schleier. Vor allem bei Dunst oder staubiger Luft. Regen, Nebel oder Rauch, ja sogar der Smog in Städten, streuen das Licht. Sie dämpfen dadurch alle Töne , sodass auch bunte Objekte fast uni erscheinen.

Manchmal lässt sich ein Motiv durch das Licht von offenem Feuer oder künstlichen Lichtquellen tönen. Die Wirkung solcher Lichtquellen lässt sich dabei noch dadurch steigern, dass man ohne Gegenlichtblende zur Lichtquelle hin fotografiert.

Motive, die an sich schon eintönig gefärbt sind, findet man nicht allzu oft. Es sei denn, man kann aus kurzem Abstand fotografieren. Im allgemeinen enthält ein Motiv umso mehr verschiedene Farben, je größer oder weiträumiger es ist. Deshalb ist ein Teleobjektiv mit seinem kleinen Bildwinkel für diese Zwecke besser geeignet als ein Weitwinkel. Schließlich kann man die Stimmung eines Motivs mit einem Filter unterstreichen.

Farbharmonie

Obwohl unser Empfinden recht subjektiv ist, erscheinen den meisten von uns bestimmte Kombis an Tönen ansprechender und harmonischer als andere. Eine harmonische Wirkung lässt sich leichter mit einer begrenzten Anzahl verschiedener Töne erzielen. So wird ein monochromes Foto, das nur aus fein abgestuften Schattierungen besteht, meist harmonisch wirken.

Das gleiche gilt für eine Mischung eines bunten mit mehreren neutralen Tönen, also Abstufungen von Grau, Braun, Weiß oder Schwarz. Bei der Zusammenstellung von zwei oder mehr Farben muss man sorgfältig vorgehen. Wie der Farbkreis zeigt, ergeben nahe beieinander liegende Töne harmonische Kombinationen, während einander gegenüber liegende Farben stark kontrastieren. Blautöne passen also gut zu Grüntönen. Rot und Grün sind dagegen so verschieden, dass der Eindruck von Vibration entsteht, wenn sie nebeneinander gestellt werden.

Es gibt allerdings Ausnahmen von dieser Grundregel.

Farbkreis
Der Farbkreis oben besteht aus den drei Grundelementen des Lichts Rot, Grün und Blau; und ihren Komplementärfarben Cyan (Blaugrün), Magenta (Purpur) und Gelb. Die eine Hälfte des Kreises nehmen die „kalten“ Grün, Cyan und Blau ein, die andere die „warmen“ Magenta, Rot und Gelb. Auf dem Kreis benachbarte Töne harmonieren miteinander. Bei starker Aufhellung (Kreismitte) verringern sich jedoch auch die Kontraste zwischen einander gegenüberliegenden. Den Kreis kann man ausdrucken und für die Bildgestaltung immer dabei haben.

Auch auf dem Farbkreis benachbarte Nuancen – beispielsweise Purpur und Rot – können sich beißen, falls beide stark gesättigt sind. Umgekehrt harmonieren auch gegensätzliche Töne, wenn sie entweder dunkel und gedeckt oder hell und ausgebleicht sind. Ebenso passen die verhaltenen Rot- und Goldtöne einer Herbstlandschaft gut zu den gedämpften Grüntönen. In der Praxis lassen sich harmonische Klänge erzielen, wenn man versucht, störende Farben auszuschalten. Wirken sie zu grell, kann man auf weichere Beleuchtung warten, wie sie bei tiefer Sonne, Dunst oder bedecktem Himmel auftritt.

Kontrastierende Farben beeinträchtigen die Stimmung eines Bildes nicht, wenn sie wenig Raum einnehmen. Das muss man für die Bildgestaltung wissen.

Farbkontraste

Während manche Farben ausgewogen und harmonisch wirken, erzeugen andere harte Kontraste. Das geht bis bis zu einem Vibrations- oder Flimmereffekt. Solche dynamischen Kombinationen können Sie einsetzen, um ein Foto besonders lebhaft erscheinen zu lassen. Oder um ein Bildelement hervorzuheben oder einfach einen eindrucksvollen abstrakten Effekt vorzuführen. Der Kontrast ist am stärksten, wenn Sie sich auf zwei bis drei beschränken. Weitere würden den Effekt nur abschwächen und das Bild unruhig werden lassen.

Farbkontrast
Kontrast Grün-Rot

Die stärksten Kontraste bestehen zwischen Farben, die im Kreis einander gegenüberliegen. Die warmen Rot-, Gelb- und Orangetöne auf der einen, die kalten Blau- und Grüntöne auf der anderen Seite. Letztlich hängt der Kontrast jedoch von der relativen Helligkeit der Töne ab.

Er ist am stärksten, wenn beide gleich hell sind. Reine Kontraste finden sich am häufigsten im Nahbereich. Wenn Sie die Möglichkeit in der Bildgestaltung haben, Ihr Motiv beliebig zu verändern, können Sie sich für plakative Kontraste entscheiden.

Farbige Vordergründe

Um kreativ mit dem Thema umgehen zu können, brauchen Sie ein Gespür für Kombinationen. Aber Sie müssen auch verstehen, die einzelnen Elemente wirkungsvoll im Bild zu platzieren. Oft lässt sich eine Bilsgestaltung auf einfache Weise durch eine leuchtende Farbe im Vordergrund verbessern. Wenn sie sich mit den übrigen Tönen verträgt, kann sie als eine Art Umrahmung für das eigentliche Motiv dienen. Und vielleicht sogar die tonale Grundstimmung des Bildes angeben.

Reine, leuchtende Farben wirken am besten. Es besteht aber die Gefahr, dass sie die übrigen Bildteile erschlagen. Erst recht, wenn die Elemente im Vordergrund überwiegen und zu scharf wiedergegeben sind. Wenn Sie die Zeichnung in einem Vordergrund bewahren möchten, achten Sie darauf, dass diese Bildpartie wirklich etwas zur Bildgestaltung beiträgt. Nichts sollte den Betrachter von wichtigen Elementen ablenken. Gestalten Sie die Aufnahmen so, dass die Töne durch ihre Flächenanteile oder ihre Anordnung die Komposition ausbalancieren.

Farbige Hintergründe

Eine weitere wichtige Möglichkeit, die Wirkung von Fotos zu beeinflussen, ist die sorgfältige Wahl des Hintergrunds. Wenn Sie darauf achten, dass der Hintergrund das Hauptmotiv nicht erdrückt, sondern vorteilhaft zur Geltung bringt, können Sie ihn auch ziemlich groß und leuchtend halten. Das Motiv wird hervorgehoben, wenn es mit dem Hintergrund einen starken Kontrast bildet.

Das zeigen wir mit folgendem Bild:

Adler Bildgestaltung Farbe
Der gelbe Schnabel hebt sich vor dem dunklen Hintergrund gut ab.
© Andreas Volz

Wählen Sie also möglichst einen neutralen Hintergrund für ein Objekt in kräftigen Farben. Und einen starkfarbigen Hintergrund für einen monochromen Gegenstand. Wenn Sie den Hintergrund wählen können, empfiehlt es sich, ein helles Objekt vor einem dunklen Hintergrund zu plazieren. Das steigert die räumliche Wirkung des Bildes. Ein zu heller Hintergrund verflacht dagegen das ganze Bild.

Hintergründe üben einen starken Einfluss auf die Bildgestaltung aus. Wenn sie grell sind, wirkt die Aufnahme lebhaft. Sind sie dagegen gedämpft und harmonisch, strahlt das ganze Bild Ruhe aus. Denken Sie daran, dass Sie die Intensität des Hintergrunds durch Unschärfe dämpfen können. Aufnahmen aus Augenhöhe haben oft einen zu unruhigen Hintergrund. Das lässt sich vermeiden, wenn man von unten nach oben fotografiert, sodass sich das Objekt vor dem Himmel abzeichnet. Aber auch durch einen erhöhten Standpunkt bekommt man oft einen ruhigeren Hintergrund.

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