Regel für die längstmögliche Belichtungszeit

Welches ist die längstmögliche Belichtungszeit bzw. Verschlusszeit, um aus der Hand zu fotografieren? Und ab wann brauche ich ein Stativ, um Verwacklungen zu vermeiden? Die Kehrwertregel gibt Auskunft.

längstmögliche Belichtungszeit
Bewegung durch kurze Verschlusszeit eingefroren: Nikon D810 70.0-200.0 mm f/2.8 180.0mm · ƒ/2.8 · 1/1600s · ISO 200

Die goldene Formel, um Fotos nicht zu verwackeln

In der Fotografie ist Bewegung sowohl unser Freund als auch unser Feind. Denn Bewegungen unserer Motive oder Kameras können zu ungewolltem Verwackeln der Kamera führen. Einfach erklärt: Bewegung kann zu verwischten Motiven führen.

Denn die Zeit, die man relativ sicher aus freier Hand ohne Verwackelung belichten kann, hängt von der Länge der Brennweite ab. Es gilt: Je länger die Brennweite, desto kürzer muss die Verschlusszeit sein, um Verwackelung zu vermeiden.

Verwackeln vermeiden: Auf die längstmögliche Belichtungszeit kommt es an

Einfach ausgedrückt, für Vollbild- Bildsensoren besagt die reziproke Regel, dass Ihre längstmögliche Belichtungszeit bzw. Verschlusszeit bei “handheld” Aufnahmen nicht länger als der Kehrtwert der Brennweite in Millimetern sein sollte. Daher nennt man sie Kehrwertregel.
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Das bedeutet: Bei einem 135mm Objektiv ist die kürzeste Verschlusszeit, die man noch aus der Hand fotografieren kann, 1/135s.
Diese auch als Kehrwertregel bekannte Weisheit funktioniert immer, solange eine ISO Empfindlichkeit um die 100-200 ISO eingestellt ist.

Das ist wichtig, um das Auftreten von Kameraerschütterungen zu reduzieren, wenn Sie die Kamera in der Hand halten. Denn sonst wird das Bild “verwackelt”.

Der Bildwinkel ist der Grund, warum die Brennweite des Objektivs von Bedeutung ist. Denn längere Brennweiten führen zu kleinerem Blickwinkel. Je enger Ihr Blickwinkel ist, desto deutlicher wird das Verwackeln der Kamera.

Lassen Sie Ihre Verschlusszeit nicht unter den Kehrwert Ihrer Brennweite fallen. (Kehrwertregel)

Verschlusszeit bei Objektiven mit langer Brennweite

Daher können Objektive mit kürzerer Brennweite (Weitwinkel) im Vergleich zu Objektiven mit längerer Brennweite (Tele) aufgrund ihres größeren Blickwinkels längere Freihand- Aufnahmen erzielen. Die Kehrwertregel ist nützlich, da sie den mit zunehmender Brennweite immer kleiner werdenden Blickwinkel berücksichtigt.

Was hilft gegen Verwackeln von Fotos?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Verwacklungen bei Fotos zu vermeiden. Neben einer ruhigen Hand und der Beachtung der Kehrwertregel sind das:

Stativ
Reisestativ gegen Verwacklung

Einsatz eines Stativs

Ein Stativ hilft mit kleinem Aufwand, Verwacklungen zu vermeiden. So sind sogar Verschlusszeiten von bis zu mehreren Minuten möglich, zum Beispiel nachts. Die Kamera wird dabei einfach auf das Stativ geschraubt. Dabei müssen Stative weder teuer noch schwerfällig sein, wenn man zu einem →Reisestativ greift.

Bildstabilisierung

Ein weiterer Aspekt, der bei der Diskussion über die Kehrwertregel berücksichtigt werden muss, ist die Bildstabilisierung. Heutzutage bauen die Hersteller immer häufiger eine bessere und effizientere Bildstabilisierung in ihre Kameras und Objektive ein. Viele dieser Bildstabilisierungssysteme bieten eine Stabilisierung von mehr als 3 Blendenstufen.
Somit können Sie ganze 3 Stufen längere Verschlusszeiten aufnehmen), ohne zu verwackeln.

Wenn Sie die Bildstabilisierung Ihres Objektivs aktivieren, verlängern Sie die zulässige Verschlusszeit effektiv um die Stufen, die durch die Stabilisierung ausgeglichen werden.

Wenn kein Stativ zur Hand ist, verwenden Sie die Umkehrregel. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit ein unverwackeltes Foto aus der Hand zu erhalten.

Mitziehen und Bewegungsunschärfe

Wenn man bei zu langen Verschlusszeiten Bewegung fotografiert, verstößt man zwar gegen die oben beschriebene Regel. Jedoch ergibt das bei Sportbildern durchaus gewünschte Bewegungsunschärfe durchs Mitziehen. So wird die Bewegung im Bild sichtbar. Als längstmögliche Belichtungszeit eignet sich hier eine Einstellung zwischen 1/30s und 1/60s, je nach Motiv und Geschwindigkeit.

Längere Zeiten verwische auch das Hauptmotiv, kürzere Zeiten dagegen frieren zu sehr das Motiv ein. Nur bei sehr langsamen Motiven kann eine längstmögliche Belichtungszeit von 1/15s nötig sein, um den Wischeffekt zu erzielen.

Das ist keine Verwacklung, sondern Bewegungsunschärfe.

Mitziehen für längstmögliche Belichtungszeit
Mitgezogen, nicht verwackelt: Canon EF70-200mm f/2.8L IS II USM 70.0mm · ƒ/14.0 · Entgegen der Regel: Längstmögliche Belichtungszeit 1/40s · ISO 100

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Andreas Volz
Gründer von Webdigital und Fotograf seit Jugendzeit. Angefangen mit Nikon F3, F4 und F5 kam ich mit einer D1 ins digitale Fotozeitalter. Es folgten D2H, D2Xs, D3 und D810. DSLR faszinieren mich genau so wie spiegellose Modelle.