Welche Belichtungsautomatik wählen: P,S,A,M

0

Welche Belichtungsautomatik ist die richtige: Zeitautomatik, Blendenautomatik, Programmautomatik der manuelle Belichtung? Ganz egal, welche Kamera du hast, ob Nikon oder Canon: Das musst du einfach wissen. Was hat es mit PSAM auf sich?

Welche Belichtungsautomatik wählen?

Eine Belichtungsautomatik kann wesentlich zum Gelingen einer Aufnahme beitragen, da sie schneller arbeitet, als es der Mensch jemals könnte. Sie kennt keine Helligkeitsadaption wie das menschliche Auge, lässt sich also kein X für ein U vormachen. Und sie verschafft dem Fotografen wertvolle Zeit fürs Wesentliche: Für die kontinuierliche Beobachtung des Motivs und die Konzentration auf eine optimale Bildgestaltung.

Belichtungsautomatik
Belichtungsautomatik Wahl bei Canon und Nikon

Eine Belichtungsautomatik gehört längst zu den Selbstverständlichkeiten einer guten Kamera. Was nicht zuletzt einer bis zur Perfektion gesteigerten Zuverlässigkeit zu verdanken ist. Während einfache Kompaktkameras normalerweise mit einer Belichtungsautomatik ausgestattet sind, die weder abgeschaltet noch beeinflusst werden kann, lassen Kameras der Mittel- und Spitzenklasse fast immer die Wahl zwischen verschiedenen Formen der Belichtungsautomatik. Ganz klar, dass jede von ihnen deaktiviert werden kann, wenn man bei der Belichtungskontrolle selbst Hand anlegen möchte.

Die Palette der Belichtungsautomatik-Funktionen reicht von der bewährten Programmautomatik über die nicht weniger erprobte Zeit- und Blendenautomatik bis hin zu einer wachsenden Zahl von Motivprogrammen, die auf bestimmte Szenerien optimal abgestimmt sind und nicht nur für das korrekte Maß an Helligkeit sorgen, sondern sich auch um gestalterische Aspekte wie Schärfentiefe, Bewegungsschärfe, Wischeffekte und Gegenlicht kümmern.

Eine Belichtungsautomatik kann viele Probleme aus der Welt schaffen – leider aber auch neue Probleme verursachen. Dann nämlich, wenn wir keine Ahnung haben, nach welchen Prinzipien sie funktioniert, was sie bewirkt und wie wir nötigenfalls korrigierend eingreifen können. Ein kurzer Abriss über die Funktionsund \X!irkungsweise der unterschiedlichen Automatikfunktionen kann deshalb nicht schaden.

PRAXISTIPPS

  • Jede Belichtungsautomatik erledigt ihre Arbeit auf ihre Weise, und nicht immer kannst du darauf Einfluss nehmen. Vergewissere dich vor allem beim Arbeiten mit einem Motivprogramm, dass es deinen Gestaltungsabsichten entspricht.
  • Vergiss nicht, die Belichtungsautomatik nach Abschluss der Aufnahmen auszuschalten bzw. sie anders gearteten Motiven und Gestaltungswünschen erneut anzupassen.
  • Willst du die Bildhelligkeit in einer Programm· oder Halbautomatik nach Ihren Wünschen verändern, so musst du dies über die Belichtungskorrekturtaste der Kamera tun. Eine direkte Veränderung von Blende oder Verschlusszeit hat lediglich Einfluss auf die Schärfentiefe und Bewegungsschärfe, nicht aber auf die Helligkeit.

Zeitautomatik Belichtungsautomatik
Landschaftsfotografie mit hoher Schärfentiefe und Zeitautomatik (A) als Belichtungsautomatik

Zeitautomatik (A)

Die Zeitautomatik funktioniert nach dem Prinzip der Blendenvorwahl.

Zeitautomatik
Zeitautomatik (A)

Die Abkürzung “A” steht für das englische Aperture Priority. Dabei ermittelt die Kamera – basierend auf den Belichtungsdaten, der Empfindlichkeit sowie der eingestellten Blende – die für eine korrekte Belichtung erforderliche Belichtungszeit. Als Halbautomatik macht die Zeitautomatik dann Sinn, wenn aus gestalterischen Gründen eine bestimmte große oder kleine Schärfentiefe wirksam werden soll und der Fotograf über die Veränderung absolute Kontrolle behalten will. Wird die Blende auf den größtmöglichen Wert geöffnet (z.B. f/1.4), stellt die Zeitautomatik auch sicher, dass mit der jeweils kürzestmöglichen Verschlusszeit belichtet wird. Das ist ein gutes Argument für Sport-, Action- und Reportagefotografen, denen “eingefrorene” Handlung wichtiger ist als eine bestimmte Schärfentiefe.

Zeitautomatik war früher typisch und üblich bei Nikon Kameras.

Blendenautomatik
Sportfotografie mit Blendenautomatik (S)

Blendenautomatik (S)

Die Blendenautomatik, ebenfalls eine Halbautomatik. Hierbei wird die Belichtungszeit vorgewählt.

Blendenautomatik
Blendenautomatik (S)

Klassischerweise früher bei Canon üblich, findet sie sich heute längst auch bei allen gehobenen Nikon-Kameras sowie anderen Herstellern. Die Abkürzung “S” steht hier für Shutter Priority, deusch: Zeitvorwahl. Bei dieser Betriebsart bestimmt die Kamera aufgrund der Belichtungsmessung, der Empfindlichkeit und voreingestellten Verschlusszeit automatisch die passende Blende. Sie eignet sich deshalb besonders gut für Aufnahmen, bei denen zu Gunsten großer Bewegungs- und Konturenschärfe eine bestimmte kurze Verschlusszeit voreingestellt werden soll.

Programmautomatik
Wenn es keine Vorliebe für Zeit oder Blende gibt, ist Programmautomatik (P) richtig.

Programmautomatik (P)

Als Vollautomatik steuert die Belichtungsautomatik sowohl Blende wie Verschlusszeit.

Programmautomatik
Programmautomatik (P)

Je nach Belichtungssituation und Objektivbrennweite wählt die Kamera automatisch die günstigste Kombination von Verschlusszeit und Blende. So gibt sie beispielsweise bei langen Brennweiten, wo die Gefahr von Verwacklung und Bewegungsunschärfe besonders groß ist, einer kurzen Verschlusszeit die Priorität. Während bei Weitwinkelobjektiven zu Gunsten großer Schärfentiefe kleine Blenden bevorzugt werden. Wie die Programmkurven bei den unterschiedlichen Brennweiten verlaufen, lässt sich der Bedienungsanleitung der Kamera entnehmen. Je nach Kameratyp ist so genanntes Shifting möglich, um die Zeit- und Blendenkombination nach Gutdünken zu verschieben, ohne dabei auch die Belichtungshelligkeit zu beeinflussen.

Die Programmautomatik ist ideal für jede Art von Fotografie, wo das Geschehen volle Konzentration erfordert und der fotografierende bereit ist, die Entscheidung über Schärfentiefe und Bewegungsschärfe an die Kamera zu delegieren.

Belichtungsautomatik
Komplizierte Belichtungssituation mit manueller Belichtungssteuerung (M)

Manuelle Belichtungskontrolle (M)

Manuelle Belictungseinstellung
Manuelle Belictungseinstellung (M)

Die manuelle Steuerung von Blende und Verschlusszeit ist wesentlich zeitaufwendiger. Sie hat aber den unschätzbaren Vorteil, dass jederzeit eine gezielte Intervention möglich ist. Das Prinzip der manuellen Belichtungskontrolle ist einfach: Blende oder Verschlusszeit vorwählen und mit Hilfe der Nachführfunktion die dazu passende Verschlusszeit bzw. Blende ermitteln.

Manuelle Belichtungskontrolle ist dann sinnvoll, wenn extrem schwierige Kontrastverhältnisse den Gebrauch einer Belichtungsautomatik problematisch machen. Sie erweist sich aber auch als optimal, wenn ganze Bildreihen die völlig identische Belichtung aufweisen sollen, beispielsweise in der Panoramafotografie. Oder wenn eine absichtliche, stimmungsfördernde Falschbelichtung zum wesentlichen Teil der Bildgestaltung wird. Neuere Kameras vereinfachen die manuelle Belichtungskontrolle mit einer elektronischen Einstellhilfe.

Motivprogramme

Sie sind eine weiterentwickelte Form der Belichtungsvollautomatik, die auf bestimmte Situationen und/oder verbreitete Gestaltungswünsche abgestimmt sind. Motivprogramme steuern Blende und Verschlusszeit nicht nach einer vorgegebenen Programmkurve wie die Programmautomatik. Sondern sie funktionieren nach typischen, von Motiv zu Motiv variierenden Gestaltungswünschen. Sie agieren somit intelligenter und vor allem nach subjektiven Kriterien. Motivprogramme helfen viel Zeit und Kopfarbeit sparen, nehmen aber so großen Einfluss auf die gestalterische Wirkung eines Bildes.

Daher solltest du dir gut überlegen, welches der Motivprogramme jeweils das bestmögliche ist. So wird z.B. beim Porträt-Motivprograrnm eine große Blende bevorzugt, um den Hintergrund in geringer Schärfentiefe fotogen verschwimmen zu lassen. Die Zahl der Motivprogramme ist bei Nikon und Canon mittlerweile so groß, dass eine detaillierte Beschreibung hier nicht möglich ist. Wichtige Informationen dazu findest du aber in der Bedienungsanleitung zu Ihrer Kamera.

Welche Automatik ist optimal?

BetriebsartFunktionsweiseAnwendung
Zeitautomatik (A)Wählt zur voreingestellten Blende automatisch die Belichtungszeit.Ideal zur bewussten Steuerung der Schärfentiefe. Z.B. bei Porträts oder Landschaften. Tranparent in der Wirkung, daher optimal für kreative Gestaltung.
Blendenautomatik (S)Wählt zur voreingestellten Verschlusszeit automatisch die Blende.Für Aufnahmen bewegter Motive (Sport, Action) oder bei schwachem Licht, wo eine bestimmte Verschlusszeit sichergestellt werden soll.
Programmautomatik (P)Wählt entsprechend der Lichtsituation und Brennweite sowohl Blende wie Verschlusszeit. Mit der Shift-Funktion lässt sich die Blenden-/Verschlusszeit· Kombination ohne Auswirkung auf die Bildhelligkeit fliessend verändern, um gestalterischen Wünschen besser gerecht zu werden (z.B. kleinere Blende für mehr Schärfentiefe).Immer dann, wenn keine Ablenkung durch Manipulationen an der Kamera erwünscht ist. Nachteil: Wirkung lässt sich nur beschränkt voraussehen.
Manuell (M)Blende sowie Verschlusszeit werden vom Fotografen eingestellt.Für Aufnahmen, bei denen es um maximale Kontrolle geht. Und immer dann, wenn die Belichtung konstant von Bild zu Bild gleich bleiben muss, z.B. bei Panoramafotografie.
MotivprogrammePassen Schärfentiefe, Bewegungsschärfe und Bildhelligkeit automatisch bestimmten Aufnahmesituationen an. Bei manchen digitalen Kameras wird gleichzeitig auch der Weißabgleich gesteuert.Größter Belichtungskomfort und deshalb für die absolute Sorglos-Fotografie geeignet. Nachteil: Die Steuerung lässt sich nicht persönlichen Vorlieben anpassen.

Auch interessant:

ISO Einstellungen bei Fotografie: einfach erklärt
Blende in der Fotografie: Einfach erklärt

Stephan Bockler
Redakteur in Nebentätigkeit bei Webdigital und immer interessiert an neuen Kameras und Fototechnik.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein