Was ist ein Cropfaktor? – einfach erklärt

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Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, warum die Kameras wie D1, D2 und D3500 zumindest in offiziellen Nikon-Publikationen oft mit dem Nikkor AF-S 17-35mm abgebildet werden? Und das, obwohl dieses doch schon aufgrund seiner Brennweite nicht zur Klasse der Normalobjektive zählt !? Was ist ein Cropfaktor oder Crop-Faktor?

Ein Normalobjektiv mit 35 mm ?

Das hat einen einfachen Grund: Weil es für die Halbformat (DX) Modelle D1, D2, D3, D4, D5 das “Normalobjektiv” ist!
Der CCD-Sensor der D1, also das lichtempfindliche Element, hat eine Fläche von 23,7 x 15,6 mm. Das Kleinbild- Format dagegen hat eine Fläche von 24 x 36 mm.

Der APS-C Sensor, den wir in vielen DSLR Kameras haben (mit Ausnahme der Profimodelle mit Vollformat), ist mit 16,7mm × 251 mm deutlich kleiner als der 36 mm x 24 mm des alten Films. Dies bedeutet, dass das Standardobjektiv eine kürzere Brennweite hat. Die Differenz zwischen diesen beiden Zahlen wird als Cropfaktor bezeichnet. Wenn die Kamera also ein Standardobjektiv von 31 mm hat, hat sie im Vergleich zu einer Vollformat- Kamera einen Objektivumrechnungsfaktor (Crop-Faktor) von 1,6. Denn hier wären 50 mm das normale Objektiv.

Die folgende Grafik verdeutlicht das:

Sensorgrößen im Vergleich Cropfaktor Formatfaktor

Das hat zur Folge, dass ein Teil der Bildinformation einfach verloren ginge, weil diese Bildteile “überstehen”. Bei der digitalen D3 oder D5 entsteht somit eine “Brennweitenverlängerung” um den Faktor 1,5. Ein KB- Normalobjektiv hat also hier eine Brennweite von 50 x 1.5= 75mm. Dabei wird im Sucher gleichzeitig nur das Zentrum eines eigentlich größer gewohnten Bildes (verglichen mit Kleinbild) gezeigt. Der Rest wird “abgeschnitten” (cropped), sodass man hier von Cropfaktor 1,5x spricht. Das 17-35 Objektiv ist folglich an einer DX-Kamera ein effektives 25,5 – 52,5mm Objektiv. Der Crop-Faktor wird mit anderen Worten auch Formatfaktor genannt.

Durch diesen Crop kommt nur ein Bildausschnitt auf dem Sensor an. Also weniger, als ein Vollformat- Objektiv hergibt. Der Rest wird im Spiegelkasten der Kamera absorbiert.

Vogel
Im Telebereich ist der Crop-Faktor willkommen. Denn lange Brennweiten im Kleinbildformat sind teuer.
Das ermöglicht engen Bildausschnitt ohne Superteles oder sehr lange Brennweite. Die Schärfentiefe bleibt übrigens gleich, auch wenn der Bildwinkel einem größeren Tele entspricht.

Brennweitenverlängerung bzw. Cropfaktor

Um also ein “Normal”-Objektiv von 50 mm zu erhalten, ist eine KB-Brennweite aus dem Nikkor-F Programm von 50/1,5 = 33mm erforderlich. Das Nikkor 17-35mm hat somit eine effektive Brennweite von 25,5 – 52,5 mm. Und zwar bei gleichbleibender Lichtstärke und Schärfentiefe !
Warum das so ist? Ganz einfach: Das 21-35mm bleibt ja wie es ist, es wird lediglich ein bisschen vom Rand abgeschnitten aufgrund des kleineren Sensors. Übrig bleibt das “Filet” in der Mitte – somit bleiben Lichtstärke etc. des Objektives gleich.

Nachteil des kleineren Sensors sind die teureren Objektive, die im Weitwinkelbereich benötigt werden. Denn für effektive 20mm braucht man schon ein 14mm Objektiv. Das kostet ca. das Vierfache des 20mm… aber man kann ja auch Objektive gebraucht kaufen oder auf Fremdhersteller zurückgreifen.

Im Telebereich ist der Cropfaktor besonders interessant

Dieses Phänomen ist natürlich besonders für Fotografen interessant, die viel im Telebereich arbeiten. Denn so wird – bei gleicher Lichtstärke  – durch den Formatfaktor aus einem 2.8 / 300mm ein 2.8 /450mm und aus einem 2.8 / 70-200mm wird ein 2.8 / 140-300mm! So lässt sich küsntlich die Brennweite vergrößern, wobei es sich dabei aber nur um einen Wegfall von Randinformationen des Bildes handelt. Denn durch den kleineren Sensor wird der Rand einfach abgeschnitten (“crop”). Die Schärfentiefe bleibt gleich.
Auf rein optischer Basis wären solche Objektive kaum konstruierbar. Moose Peterson “machte” so aus seinem 4,0/600mm IF-ED ein 4,0/900mm IF-ED an seiner DX- Kamera.

Die zurzeit besten Teleobjektive ab 300 mm

Aber was im Weitwinkelbereich ?

Nikon D850 mit Nikkor 14-24mm
D850 mit Nikkor 14-24mm

Was ist nun im Weitwinkelbereich, werden Sie fragen ? Was wird aus meinem 20 mm Nikkor ? Dazu kann man nur sagen:

An einer Volformatkamera (bei Nikon: “FX” genannt) wird es zu einem 30 mm Objektiv, welches also nicht einmal die Weitwinkel-Wirkung eines 28mm Objektivs hat, leider.

Hier wirkt sich der Cropfaktor also eher negativ aus, weil er zulasten des Bildwinkels beim Weitwinkel geht.

Ein teures Superweitwinkel mit Brennweite unter 20 mm muss also her, um den Crop-Faktor auszugleichen.

Der Formatfaktor als Preistreiber beim Weitwinkel

Um den Eindruck eines herkömmlichen 20 mm zu bekommen, benötigt man an der D1 (oder einer anderen SLR mit DX-Sensor) ein 14 mm Objektiv, wie es zum Beispiel von Nikon angeboten wird, Preis liegt im Moment bei Amazon bei ca. 1.895,32 € für das 14-24mm Zoom.
Denn 14 x 1,5 = 21.

Die größten Sensoren in der Digitalfotografie sind die Mittelformatsensoren. Im Unterschied zur Analogfotografie, deren Mittelformat einheitlich die Abmessungen 48 mm × 36 mm auf dem Film hat, gibt es in der Digitalfotografie nicht das eine Mittelformat.

Was Sie sich merken müssen

Die Nummer, die Sie sich merken sollten, ist

  • 1,6, wenn Sie Canon-Besitzer sind,
  • oder 1,5 für Nikon.

Wenn Sie eine andere Marke haben, schlagen Sie diese in Ihrem Handbuch nach.
Wenden Sie diesen Cropfaktor dann auf die Brennweite an, die Sie für erforderlich halten, um das zu erreichen, was Sie wirklich benötigen. Wenn Sie von einem “alten” Objektiv zu einem neuen wechseln, dividieren Sie durch 1,5. Um von der neuen Brennweite zu den alten Zeiten zurückzukehren, multiplizieren Sie mit 1,5.

Ein altes 200mm-Objektiv wäre 200 x 1,5 = 300 mm bei einer neuen APS-C-Kamera.

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