Weniger ist mehr: Bildausschnitt, Farben und Format

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Durch Ausschneiden des Hauptmotivs lässt sich der Bildausschnitt aufs Wesentliche lenken. In der Bildbearbeitung wie Photoshop ist das nur ein Klick.

Weniger ist mehr

Wenn Aufnahmen uninteressant werden, dann liegt das meist daran, dass wir nicht zwischen Wichtigem und Unwichtigem entscheiden können.

Eine Suppe wird umso schmackhafter, je mehr Gemüse man ihr beigibt. Aber wie wir alle wissen, sind Fotos keine Suppen. Bei Bildern wird die Wirkung durch viel Beigemüse nicht etwa verstärkt, sondern in den meisten Fällen beeinträchtigt – zum Teil sogar massiv. Grund: das Überangebot an Bildinformation, die mit der eigentlichen Bildaussage nichts zu tun hat, erschwert es dem Betrachter, seinen Blick auf das Wichtige zu fokussieren. Sofern er überhaupt erkennt, was wichtig ist.

Sieht er vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr, so erlahmt das Interesse an der Aufnahme vermutlich schneller, als dem Fotografierenden lieb sein dürfte. Typisch für Aufnahmen, in denen jeder Ansatz zur Aussage auf diese Weise zunichte gemacht wird, sind die Abermillionen von fotografischen Urlaubserinnerungen, die Reisende mit nach Hause bringen: Ein einziges Bild soll alles zeigen – die touristische Sehenswürdigkeit und die davor postierte Familie, das eine und das andere, das Detail und das Ganze. Mit ihren prall gefüllten Aufnahmen möchten die Fotografierenden möglichst viel erzählen und bleiben gerade deswegen stumm.

Besserer Ausschnitt durch Bildbearbeitungssoftware

Mit dem Ausschneiden in Photoshop und anderer Software zur Bildbearbeitung ist hier nicht das Freistellen des Hauptmotivs vor weißem Hintergrund gemeint. Vielmehr ist es ein Ausschneiden des Hauptmotivs aus seiner Umgebung, um den Blick des Betrachters dorthin zu lenken.

Natürlich kann aber auch jede andere Bildbearbeitung einen Bildausschnitt erledigen. Sogar Bildverarbeitung online ist möglich. Bei der Fotobearbeitung kann man das bisherige Foto (mit “zuviel drauf”) dabei mit wenigen Klicks bearbeiten.

Ausschneiden und Bildausschnitt durch Photoshop &Co

Schere

Wir wollen uns verschiedene Bildbeispiele für einen Beschnitt ansehen.
Dabei ist das Foto vorher (unbearbeitet) sowie nach dem Beschnitt zu sehen. Wir fügen übrigens nur einen Beschnitt dazu und ersparen uns sonstige Fotobearbeitung. Dadurch ändert sich also nur der Bildausschnitt.

Das Ausschneiden des Hauptmotivs durch besseren Bildausschnitt kann in jedem gängigen Bildberarbeitungsprogramm erfolgen; z.B.: Photoshop, Lightroom o.ä.

In Photoshop zieht man mit der Maus einen Rahmen um den Bildteil, der übrig bleiben soll. Anschließemd heißt die Funktion Bild – Freistellen.

Läufer im Stadion

Hier sehen wir ein Sport-Foto von Läufern in einem Stadion. Leider schräg von hinten als von vorne. Aber wir wollen uns auf den Bildausschnitt konzentrieren, der das Foto besser macht. Ein einfaches Ausschneiden mit gleichzeitiger Formatänderung ist in Photoshop schnell gemacht.

Bild vorher:

Läufer: vorher ohne Bildbearbeitung
Läufer: vorher,
ohne Bildbearbeitung

Was sehen wir ?
Eine Gruppe Läufer in einem Stadion. Die Ränge sind nicht besetzt, was auf einen Übungslauf hindeutet. Die Dramatik durch ein anfeuerndes Publikum fehlt. Daher ist der hintere Bildteil unwichtig. Der Vordergrund hat ebenfalls nichts zu bieten außer ein paar wiederholenden Streifen. Er kann daher auch weg.

Wir bearbeiten das Bild und stellen die Läufer frei. Außerdem setzen wir das Foto von dem quadratischen Format auf 3:2, wie unser Auge das gewöhnt ist:

Bildausschnitt nachher:

Läufer nach Ausschnitt in Photoshop
Nachher: Läufer nach Freilegung des Hauptmotivs (Bildausschnitt)

Wow! Das Motiv gewinnt deutlich an Dichte und Aussage. Bildteile, die nicht zusteuern, wurden entfernt. Außerdem ist das Bildformat üblicher als vorher.

Skyline von New York

Bild vorher:

Skyline ohne Bildausschnitt
Vorher: zu viel Wasser und zu viel Himmel

Wir sehen die Skyline mit den typischen Hochhäusern nebeneinander..
Vorne im Bild ist viel zu viel Wasser, jedoch kein Boot oder echter Vordergrund. Das Wasser trägt also nichts zur Bildaussage bei. Wozu also? Weg damit!
Das gleiche gilt für den Himmel.

Bildausschnitt nachher:

Skyline nach Ausschneiden in Bildbearbeitung
Skyline nach Beschnitt

Nun ist hat das Foto Panoramaformat. Die Enge der Wolkenkratzer wird besser deutlich. Der Hudson River ist unten trotzdem noch im Foto, jedoch nicht mehr so dominant.
Ein solcher Bildausschnitt ist mit normaler Bildbearbeitungssoftware in wenigen Klicks erledigt und dauert keine Minute.

Laufender Hund im Hochformat

Zwar hat der Fotograf im Hochformat fotografiert, wie es dem Motiv entspricht; trotzdem ist viel zu viel leere Fläche auf dem Bild. Was ist das Hauptmotiv? Der Hund ist das Hauptmotiv!
Außerdem ist der Horizont schief, was man auch leicht beheben könnte. Jedoch wollen wir uns auf das Ausschneiden des Hauptmotivs beschränken:

Vorher:

Bildausschnitt Hund
Zu viel Himmel und leere Fkäche

Über dem Hund ist die halbe Fläche leer und besteht nur aus Himmel. Das korrigieren wir.

Nachher:

Freigestelltes Hauptmotiv nach Beschnitt
Der Hund kommt nun besser zur Geltung

Jetzt ist klar, worum es geht.

Reduce to the max

Die Einführung des pfiffigen Stadtwagens «Smart» wurde seinerzeit mit dem Slogan «reduce to the max» begleitet. Was in etwa der Aufforderung gleichkommt, das Auto so lange zu verkleinern, bis es größtmöglichen Nutzen entfaltet. Diese Philosophie des Optimierens durch Reduzieren lässt sich 1:1 auf die Fotografie übertragen.

Tatsächlich ist die selbst auferlegte Beschränkung, sofern mit Bedacht und konsequent ausgeübt, ein außerordentlich wirkungsvolles Erfolgsrezept.

Zeige weniger, auf dass du mehr sagst:

Das klingt einfach, erweist sich in der Praxis aber oft als schwierig. Nichts scheint uns mehr Mühe zu bereiten, als zwischen wichtig und weniger wichtig zu unterscheiden und auf Überflüssiges zu verzichten. Der Akt des Weglassens wird fälschlicherweise oft als destruktiv empfunden – man glaubt dem Betrachter etwas vorzuenthalten, was er doch eigentlich sehen sollte. Doch gerade der kreative Prozess des maßvollen «Zerstörens» von Information macht Potenzial zur aussagestarken Aufnahme frei: Das Wenige, das übrig bleibt, gewinnt Raum und Bedeutung.

Dass in der Fotografie Weglassen mehrheitlich der Wahl eines engeren Bildausschnitts gleichgesetzt wird ( «ran ans Motiv!»), ist verständlich, da ein größerer Abbildungsmaßstab durch den sichtbaren Gewinn an Nähe Sofortwirkung entfaltet. Doch die Möglichkeiten des optimierenden Reduzierens gehen weit über diese Maßnahme hinaus. Es ist wichtig, sich auch mit ihnen vertraut zu machen, denn nicht immer wird Sie ein engerer Motivausschitt weiter bringen. Geht es beispielsweise darum, bei einer Landschaftsaufnahme Weite und Feme sichtbar zu machen, dürfte sich ein großer Abbildungsmaßstab kaum als zweckmässig erweisen. Wesentlich ist die Erkenntnis, dass es verschiedene Formen und Techniken der Reduktion gibt (nämlich die

inhaltliche und die formale), und dass ihre sinnvolle Anwendung ebenso wichtig ist wie das Weglassen selber.

Mädchen über der Stadt

Zu viel Himmel lenkt ab und bringt dem Bild nichts. Hier noch ein Beispiel mit einem Mädchen auf einem Felsen. Das Hauptmotiv ist vor dem Bildausschnitt übrigens sehr mittig. Motive in der Bildmitte sind langweilig, was wir daher gleich in einem mit korrigeren:

Bildausschnitt Photoshop vor dem Ausschneiden
Vorher: Zu viel Himmel

Ein Foto im Hochformat, obwohl der Himmel so gar nichts zu bieten hat. Der Himmel nimmt hier die Hälfte der Bildfläche ein.

Bildausschnitt Photoshop Bildbearbeitung nach Ausscheniden
Nachher:
Bildausschnitt freigestellt und perfekt

Bildausschnitt: Nach dem Ausschneiden wird der Blick automatisch aufs Mädchen gelenkt. Trotzdem sieht der Betrachter, dass sie auf einem Felsen über der Stadt sitzt. Der Horizont ist immer noch leicht schief und müsste noch bearbeitet werden.

Weglassen beginnt im Kopf

Warum gibt es Aufnahmen, die auf Anhieb gefallen, interessieren, packen – und warum lassen uns andere Bilder kalt, selbst dann, wenn sie handwerklich untadelig sind? Die Ursachen für fotografischen Misserfolg sind zu komplex, als dass es auf die se Frage eine einfache Antwort gäbe. Dennoch lässt sich ein Muster ausmachen, das zumindest ansatzweise zur Lösung führt:

Wenn Bilder belanglos werden und deshalb unbeachtet bleiben, dann liegt das häufig daran, dass sich der Fotografierende keine Gedanken darüber gemacht hat, was das Bild eigentlich aussagen soll. Das Bildthema ist diffus, die Umsetzung lässt einen inhaltlichen und visuellen Schwerpunkt vermissen. Die Aufnahme bietet dem Betrachter weder geistige noch emotionelle Angelpunkte. Wie aber kann man etwas gut machen, wenn man keine Ahnung hat, was man gut machen will?

Die Reduktion aufs Wesentliche beginnt im Idealfall vor dem Griff zur Kamera – mit Überlegungen wie: Warum mache ich diese Aufnahme(n)? Welche Information soll(en) sie transportieren, welche Gefühle wecken? Klar, werden Sie sagen, das frage ich mich doch immer. Aber: fragen Sie es sich konsequent genug? Sind Sie bereit, sich auf ein einziges Thema einzulassen, sich auf einen Teilaspekt zu beschränken, der Informationen nicht allumfassend zu vermitteln versucht (eine Unmöglichkeit!), dafür aber dem Betrachter Detailinformationen liefert, die ihm Neues vermitteln und seine Aufmerksamkeit gewinnen?

FORMEN DER REDUKTION

  • weniger Nebenschauplatz
  • weniger missverständlich
  • weniger belanglos
  • weniger Informationsfülle
  • weniger Aussage-Mix
  • weniger Objekte
  • weniger Umfeld
  • weniger Farbe
  • weniger Licht
  • weniger Halbtöne
  • weniger Schärfe

Ganz abgesehen davon, dass ein Bild mit einer einzigen Aussage für den Betrachter besser erfassbar ist, wird es dank einem klarer definierten Anforderungsprofil in der Regel auch einfacher zu realisieren sein. Wo, wann und wie finde ich das Motiv, die Szenerie, die Beleuchtung, den geeigneten Blickwinkel, die sich zur thematischen und stilistischen Umsetzung meiner Bildvorstellungen am besten eignen? Mit welchen fotografischen und gestalterischen Hilfsmitteln treffe ich ins Schwarze? Das sind die nächsten Sie erwartenden Fragen, und auch sie werden leichter zu beantworten sein, wenn Bildthema und Bildschwerpunkt zumindest im Kopf konkrete Formen angenommen haben.

Muss wirklich alles drauf?

Die gedanklich-konzeptionelle Vorarbeit ist abgeschlossen, jetzt gilt es ernst. Vor Ihrer Kamera breitet sich das Motiv aus, vermutlich üppiger, als der Aufnahme zuträglich wäre. Nun ist der Augenblick zur formalen Reduktion gekommen. Praktisch gesehen bedeutet dies, dass Sie prüfen müssen, welche der folgenden Maßnahmen für Ihr Vorhaben das bestgeeignete ist. Der Bildausschnitt ist nur eine Variante von “Weniger ist mehr”.

Weniger Objekte

Ein erster wichtiger Entscheid betrifft die Zahl der auf dem Bild sichtbar werdenden Objekte. Die meisten Menschen neigen diesbezüglich zum Überfluss- zum Nachteil der Bildwirkung. In der Praxis hat es sich bewährt, die optimale Menge der im Bildfeld wirksam werdende Fotoobjekte mit der Kamera am Auge durch abwechselndes «Hinzufügen» und «Wegnehmen» einzukreisen.

Dies kann – beispielsweise bei einem Stilleben – durch physisches Zugeben und Wegnehmen von Gegenständen geschehen. Die Wirkung lässt sich aber auch durch Verändern der Brennweite (am einfachsten mit Zoom), der Aufnahmeentfernung oder des Blickwinkels (Perspektive) kontrollieren. Können Sie störende, d.h. überflüssige Objekte weder durch Standort- noch Blickwinkelveränderung entfernen, dann bringt Sie möglicherweise der Einsatz gezielter Unschärfe oder einer kaschierenden Beleuchtung weiter.

Weniger Umfeld

Die Empfehlung, Motive formatfüllend aufzunehmen, gehört längst zum Standardrepertoire jeder Fotoschule, und sie hat ihre Gültigkeit bis heute bewahrt. Je näher wir an das Hauptobjekt herangehen, desto geringer ist die Gefahr, dass unwichtige Bildelemente Schaden anrichten, desto dominanter und damit wirksamer wird das bildwichtige Objekt (siehe Abbildung la und Ib), Auch hier lässt sich «Nähe» auf unterschiedliche Weise realisieren. Sofern es Motiv und Situation zulassen, sollten Sie sich immer für wirkliche, d.h. physische Nähe entscheiden, da sie vor allem bei Verwendung von Weitwinkelobjektiven zu in-

teressanteren Perspektiven und emotionsgeladeneren Bildern führt als eine Teleaufnahme. Typische Beispiele dafür sind Porträts, die oft auf seltsame Weise distanziert wirken, wenn sie aus großer Entfernung mit einer entsprechend längeren Brennweite aufgenommen werden. Selbstverständlich können Sie das Bildfeld auch im Nachhinein beim Vergrößern der Aufnahme beschränken, indem Sie einen Ausschnitt vergrößern lassen. Der Vorteil einer Ausschnittvergrößerung muss aber immer mit dem Nachteil einer schlechteren Bildqualität erkauft werden, da Körnigkeit und Unschärfe zunehmen. Ganz besonders bei digitalen Aufnahmen sollte auf Bildausschnitte wenn immer möglich verzichtet werden, da hier durch sichtbar werdende Pixel schneller die Grenze des Akzeptablen überschritten wird.

Weniger Farbe

Viele Aufnahmen wären ohne Farbe undenkbar. Farbe macht verständlich, Farbe trennt Objekte im Bildraum, Farbe kann zum Signal und Symbol werden. Da unsere Welt farbig ist, kann Farbe sie auch realistischer wiedergeben als ein Schwarzweißfoto. Gegen Farbe ist in der Fotografie nichts einzuwenden, so lange sie ihren Zweck erfüllt. Da tut sie allerdings weniger, als wir uns erhoffen.

Oft wirken Farben bloß bunt statt farbig. Farben können vom Wesentlichen ablenken, vor allem wenn bildunwichtige Objekte eine größere farbliche Präsenz besitzen als das zentrale Bildelement.

Weniger Licht

Geht es um die fotografische Reduktion, ist erstaunlich selten vom Licht, oder genauer, von der Beleuchtung die Rede. Dabei kann die Art und Weise, wie wir unser Motiv beleuchten oder von vorhandenen Lichtquellen beleuchten lassen, maßgeblichen Einfluss auf Sichtbarkeit und Präsenz aller oder einzelner Objekte haben. Licht und Dunkelheit sind ausgezeichnete Gestaltungsmittel, mit denen wir Unerwünschtes diskret verschwinden lassen und Wichtigem zu noch mehr Wirkung verhelfen können.

CHECKLISTE VOR DER AUFNAHME

  • Kenne ich das Thema meines Bildes?
  • Weiß ich, was zur Umsetzung wichtig ist und was nicht?
  • Kenne ich das Ziel meiner Aufnahme?
  • Kenne ich Informationsbedürfnis und Sehgewohnheiten des Betrachters?
  • Kenne ich den Verwendungszweck meiner Aufnahme?
  • Weiß ich, wie ich den Anforderungen gerecht werde?
  • Weiß ich, welchen Schwerpunkt die Aufnahme braucht- und wie er sich am besten visualisieren lässt?
  • Weiß ich, wo, wann und wie ich zu der gewünschten Aufnahme komme?
  • Kenne ich die optimale fotografische Ausrüstung?
  • Lasse ich genug weg?

Weniger Halbtöne

Wie die Farbe, so ist auch der Halbton, d.h. der Helligkeitsgrad und die Nuancierung einer farbigen oder unfarbigen Bildstelle, wesentlich an der Empfindung von «real» und «wahr» beteiligt. Und wie dort, kann auch hier ein Bild gelegentlich zu realistisch wirken. Abhilfe verschafft je nach Bildidee eine drastische Erhöhung des Bildkontrasts (Abbildungen 3a und 3b) oder aber eine starke Kontrastverringerung. Kontraststeigernde Maßnahmen sind der Einsatz kontrastreicher Beleuchtung, kontrastreicher Filme (normalerweise niedrigempfindliche Emulsionen) oder entsprechenden Papiergradationen bei der Vergrößerung, sowie von Orange- oder Rotfiltern bei Schwarzweißaufnahmen. Bei digitalen Aufnahmen lässt sich der Kontrast bei der nachträglichen Bildbearbeitung mit wenigen Mausklicks den Wünschen gemäß verändern.

Weniger Schärfe

Nützen alle bisher beschriebenen Maßnahmen nichts, oder erweisen sie sich aus gestalterischen Gründen als ungeeignet, so kann möglicherweise gezielte, partiell angewandte Unschärfe durch geringe Schärfentiefe oder Wischeffekte weiterhelfen. Sowohl die geringe Schärfentiefe wie auch der Wischeffekt als Trennscheiben zwischen wichtig und unwichtig sind ein elegantes Gestaltungsmittel, das fast so alt ist wie die Fotografie, bis heute aber nichts von seiner Beliebtheit verloren hat. Das Vorgehen ist einfach und bedarf wohl kaum näherer Erläuterung. Tipp:

Sollte das vorhandene Licht zu hell für die gewünschte geringe Schärfentiefe oder einen Wischeffekt sein, so kann Ihnen ein neutraler Nikon Graufilter weiterhelfen. Dieses in verschiedenen Dichtegraden erhältliche Zubehör verkleinert die Menge des durchgelassenen Lichts, ohne die Farben zu verändern. Außerdem steht Ihnen als weitere Möglichkeit der Einsatz von Bildbearbeitungssoftware offen, mit der sich sowohl geringere Schärfentiefe wie auch Bewegungsunschärfe ganz nach Wunsch digital erzeugen lässt.

Mut zur Trennung

Gehören Sie auch zu den Menschen, die sich nur mit Mühe von Dingen trennen können, die ihnen lieb sind? Dann sollten Sie sich ganz besonders diesen Abschnitt zu Herzen nehmen. Fotografieren, zumindest das bewusste, schöpferische Fotografieren, ist ein Akt der Identifikation mit dem Motiv und dem erzielten Resultat.

Das soll auch so sein, doch hat die Sache einen Haken: Es scheint ganz so, als würde unsere Liebe zu einem Bild mit der Mühe und dem Aufwand wachsen, die mit der Aufnahme verbunden waren. Das führt leider immer wieder dazu, dass unsre Sicht auf die wahren fotografischen Qualitäten einer selbst gemachten Aufnahme durch eben diese Erfahrungen getrübt wird und wir sowohl gestalterische wie inhaltliche Schwächen übersehen. Die Folge davon ist, dass auch zweitklassige Aufnahmen den Weg in unsere Fotosammlung finden, was niemandem was bringt – am allerwenigsten dem Betrachter, den wir mit überflüssigen Bildvarianten plagen.

Trennen Sie sich gemäß dem Motto «lieber eine gute Aufnahme als ein Dutzend schlechte» rigoros von allem Mittelmässigen; den Ausschuss wird ohnehin niemand vermissen! Sollten diese Bilder zwar fotografisch misslungen sein, für Sie aber hohen Erinnerungswert haben, dann können Sie sich ja immer noch ein bisschen beschummeln, indem Sie diese Aufnahmen nicht wegwerfen, sondern für den persönlichen Gebrauch an einem nur Ihnen zugänglichen Ort aufbewahren.

CHECKLISTE NACH DER AUFNAHME

  • Bin ich mit dem Resultat zufrieden oder drängen sich weitere Maßnahmen zur Reduktion auf?
  • Welche Möglichkeiten der nachträglichen Reduktion erweisen sich als sinnvoll (z.B. Abstraktion beim Verarbeiten in der Dunkelkammer oder auf dem Computer)?
  • Wie viele der gemachten Aufnahmen sind erforderlich, um meine Gedanken, Ideen, Visionen auszudrücken? Brauche ich wirklich alle?
  • Haben sich in die definitive Auswahl zweitklassige Aufnahmen geschlichen, weil ich mich aus gefühlsmässigen Gründen von ihnen nicht trennen konnte?

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