Kinder fotografieren: Tipps für perfekte Kinderfotografie

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Kinder fotografieren zählt zu den beliebtesten, gleichzeitig aber auch zu den besonders schwierigen Fotomotiven. Hier sind Tipps für Kinderfotos und worauf du achten musst. Kinder fotografieren gelingt mit richtiger Vorbereitung.

Kinder fotografieren zählt sicher zu den liebsten Beschäftigungen junger Eltern. Schließlich kommt diese Zeit nicht wieder. Kein Wunder, dass man alles fotografieren und dokumentieren will. Damit Kinderfotos gelingen, sollte man auf ein paar einfache Regeln beim Fotografieren achten.

Als Kamera eignet sich am besten eine Spiegelreflexkamera, kein Handy.

Kinderfotografie

Fotos der lieben Kleinen zählen ohne Zweifel zu den beliebtesten, aber auch zu den schwierigen Fotomotiven. Das wird schnell klar, wenn man bedenkt, wie viele Millionen Mal jedes Jahr Kinder fotografiert werden. Und wie selten eigentlich das Ergebnis als wirklich gelungen bezeichnet werden kann. Leider. Denn die meisten Aufnahmen sind erstaunlich lieblos und ungeduldig geschossene Knipserei. Sie zeigen bestenfalls ein paar Meilensteine im Leben und in der Entwicklung des Kindes. Einschulung. Oder Geburtstage. Oder Kommunion. Urlaub auch, klar. Aber sie haben keinen fotografischen Wert. Wer erfolgreich Kinder fotografieren möchte, muss dabei nur wenige Tipps beachten.

Kinderportrait Kinder fotografieren
Kinder fotografieren in der Natur. Mit dem richtigen Objektiv wird der Hintergrund schön unscharf.

Kinder auf Augenhöhe fotografieren

Was wir als Fotografen sehr oft falsch machen, ist immer gleich. Nämlich, dass wir Kinder aus der Sicht des Erwachsenen zeigen. Das beginnt schon damit, dass wir sie – sowohl tatsächlich wie auch sinnbildlich – von oben herab aufnehmen. Ein Porträt, auf dem das Kind von unten nach oben in die Kamera blickt, kann seine Aufgabe erfüllen. Aber doch bitte nur, wenn es darum geht, die Abhängigkeit des Kindes von uns Großen zu symbolisieren. Wenn Macht und Verletzbarkeit, Autorität und Hilfsbedürftigkeit Gegenstand der Bildinformation sind. Ansonsten bitte nie von oben herab!

Wollen wir jedoch den Betrachter in die Welt des Kindes versetzen, müssen wir uns auf dessen Ebene versetzen. Und eine enge Beziehung zur kleinen Person herstellen. Also müssen wir uns wohl oder übel mit der Kamera zum Kind hinunter begeben. Und zwar mindestens bis auf dessen Augenhöhe. Die falsche Sicht des Erwachsenen zeigt sich auch in anderen Dingen: Posen, Anweisungen, Aufzwingen von Handlungen.

Das alles hat nichts mit dem natürlichen und individuellen Charme des Kindes zu tun. Mag man mit Regie und Anweisungen wie „Jetzt bitte lächeln“ oder „schau nicht in die Kamera“ bei Erwachsenen zum Ziel kommen, sind solche Befehle bei Kindern fehl am Platz. Sie würden sogar genau das Gegenteil bewirken. Kinder würden sich verkrampfen und alles Natürliche wäre aus dem Foto verschwunden.

Kinder
Kinder

Regieanweisungen

Kinder fotografieren heißt, im Hintergrund zu bleiben. Das heißt nun nicht, dass Sie keine Regie führen können und somit ganz auf den Zufall angewiesen sind. Es bedeutet aber, dass Sie anders, subtiler und weniger auffällig ans Werk gehen müssen. Kinder überraschen immer wieder mit einer ungeahnt großen Skala an Gefühlen. Die können oft sprunghaft von einer Sekunde auf die andere wechseln. Wenn Sie es schaffen, diese Äußerungen im Bild festzuhalten, dann haben Sie bereits eine gute Basis für ein natürliches Kinderbild.

Kinderporträts mit Zoomobjektiv
Perfekt für Kinderporträts:
Zoom 70-200mm 2.8

Allerdings lässt sich eine Emotion oder ein Ausdruck nicht anordnen. Sie können ihn als Fotograf aber bis zu einem gewissen Grad provozieren. Wie? Indem Sie das Kind zu einer Beschäftigung, zu einem Spiel oder Spielzeug hin lenken, die es seine Umgebung völlig vergessen lassen. Sie brauchen sich dann nur noch in genügender Entfernung zu postieren. Also außerhalb des Bereiches des Kindes. Und fotogene Augenblicke mit Geduld und mit dem Finger am Auslöser abzuwarten.

Leichtes Teleobjektiv

Aus diesem Grund sind Objektive mit einer längeren Brennweite (etwa 105-200 mm) für Kinderfotos ideal. Sie gestatten Ihnen, unbemerkt zu bleiben und dennoch eindrucksvolle Nahaufnahmen zu schiessen.

Auch die Beleuchtung sollte unauffällig sein. Weniger ist hier mehr. Da sich Kinder meist bewegen und fotogene Momente vielfach nur Sekunden dauern, sind Sie auf kurze Belichtungszeiten angewiesen. Und damit auf ein einigermaßen helles Licht. Alternativ lässt sich auch die ISO hoch drehen. Dies sollte Sie aber nicht dazu verführen, bei Innenaufnahmen gleich mit einem Arsenal an Fotolampen aufzufahren. Die Leuchten würden nicht nur die Aufmerksamkeit des Kindes in unerwünschter Weise auf Ihre fotografische Arbeit lenken. Es würde sich auch gehemmt oder sogar bedroht fühlen. Und aus wär’s mit Spontaneität und Ungezwungenheit.

Die für Kinderporträts in vielen Fällen beste Beleuchtung liefert ein helles, aber weiches vorhandenes Allgemeinlicht. Das verleiht dem Bild eine natürliche Atmosphäre. Und wird vom Kind nicht als etwas Neues, Unangenehmes wahrgenommen. Wenn Sie zudem eine hohe ISO Empfindlichkeit einstellen, werden Sie fast immer zu ausreichend kurzen Verschlusszeiten kommen

Trauriges Mädchen
Kinder ruhig auch mal schwarzweiß fotografieren oder nachträglich umwandeln – Canon EOS 7d Mark II EF50mm f/1.8 STM 50.0mm · ƒ/2.5 · 1/1000s · ISO 100

Blitzgerät

Eine andere „Kurzzeit“- Beleuchtung für Kinderfotografie liefern Blitzgeräte. Doch sollte man nie direkt, sondern indirekt blitzen. Weiches, zum Beispiel von einer Decke oder Wand reflektiertes Licht schließt die Gefahr von Blendung und roten Augen zudem aus. Und wirkt außerdem bei Kinderporträts schöner als grelles gerichtetes Licht mit seinen harten Schatten. Wenn keine Wand oder Decke zur Hand ist, zum Beispiel outdoor, tut es auch ein Reflektor aus Styropor oder weißer Pappe.

Ihrem Alter entsprechend reagieren Kinder allerdings unterschiedlich aufs Fotografieren mit Blitzlicht:
Manche lässt es mehr oder weniger kalt. Besonders, wenn ihnen vor der eigentlichen Aufnahme Gelegenheit geboten wird, sich an die Blitze zu gewöhnen. Andere Kinder wiederum reagieren mit Angst oder Neugierde auf einen Blitz. D.h. sie versuchen sich dem Blickfeld des Fotografen zu entziehen oder sehen zur Mama. Oder sie nähern sich nach jeder Aufnahme der Kamera, um sich das Blitzgerät aus der Nähe zu betrachten, was nicht unbedingt den Absichten des Fotografen entgegenkommt.

Bei Kinderfotografie outdoor sollten Sie auf ein möglichst kontrastarmes, weiches Licht achten. Knallhartes Sonnenlicht mit seinen schweren Schatten eignet sich für die Fotografie von Kindern im allgemeinen weniger. Besser ist es, Fotos an einem diesigen oder bewölkten Tag zu machen oder aber im Schatten aufzunehmen. Kontrastarme Beleuchtung hat auch den Vorteil, dass Sie nicht mit Aufhellschirmen und Reflektoren o.ä. arbeiten müssen. Diese schließen nämlich ein unbeobachtetes und spontanes Porträtieren aus.

Einstellungen

Um das Hauptmotiv vor dem Hintergrund abzuheben, soll der Hintergrund relativ unscharf sein. Um diesen weichen Hintergrund zu bekommen, fotografiert man mit einer offenen Blende, zum Beispiel f/4. Durch diese Einstellung der Blende richtet sich der Blick des Betrachters gleich aufs Hauptmotiv. Diese Einstellung sollte man bei allen Bildern des Shootings beibehalten. Weitere Profi-Tipps liest du bei Blende, Belichtungszeit und ISO.

Unberechenbarkeit der Handlung

Haben Sie das Kind feinfühlig dorthin gelenkt, wo Sie es fotografieren wollen, hat das Kind schnell Ihre Anwesenheit vergessen. Jetzt können Sie mit dem Fotografierenn beginnen. Aber ärgern Sie sich bitte nicht, wenn es nun anders kommt. Nehmen Sie Handlungen und Gefühle des Kindes so entgegen, wie sie sich gerade anbieten. Vielleicht gelingt es Ihnen, mit ruhig gegebenen Anregungen Ausdruck und Situation in Bahnen zu lenken, die Ihrer Bildidee besser gerecht werden. Diese sollten aber nie die Gestalt von Befehlen haben. Wenn Sie merken, dass Sie damit keinen Erfolg haben, so lassen Sie sie – zugunsten einer natürlichen Aufnahme – lieber bleiben.

Die Unberechenbarkeit in Bezug auf Handlung und Bewegung erfordert nicht allein kurze Verschlusszeiten und rasches Reagieren. Sie verlangt von Ihnen auch, dass Sie stets bereit sind, die Schärfenebene (die immer auf den Augen liegen sollte!) zu korrigieren. Dies ist um so wichtiger, je kleiner die gewählte Schärfentiefe ist. Bei Porträts in großem Abbildungsmassstab kann schon ein Neigen oder leichtes Wenden des Kopfes dazu führen, dass die Augen nicht mehr scharf wiedergegeben werden.

Lassen Sie Ihre Hand gleich am Zoomring des Objektives, damit Sie jederzeit und blitzschnell den Ausschnitt neu können. Oder wählen Sie AF-C als Autofokusmodus.

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1 Kommentar

  1. Wir machen das so, wenn wir die Kinder fotografieren: Der Papa macht die Bilder, die Mama lenkt ab. Nach kurzer Zeit sind die Eltern drumherum schnell vergessen. Mit einem 200er Tele kann man sich entfernen und hat trotzdem alles im Bild.

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