Wie gut ist die Canon EOS R10 im Test?

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Die Canon EOS R10 als jüngstes spiegelloses APS-C Modell packt eine Menge Funktionen in ein kleines Gehäuse. Wir testen, wie die Kleine mit RF-Mount in der Praxis abschneidet.

Canon EOS R10

Bereits im Mai hat Canon zwei spiegellose APS-C-Kameras vorgestellt, die auf dem RF Mount basieren. Die EOS R10 ist die jüngere der beiden Kameras. Sie ist kleiner, leichter und preiswerter als die EOS R7. Die R10 ist der spiegellose Nachfolger der EOS 850D DSLR. Und eine Stufe über der beliebten EOS M50 Mark II, die den älteren EF-M Anschluss verwendet. Damit dürfte sie für Einsteiger attraktiv sein, die bisher mit einem Smartphone fotografiert haben. Aber sie spricht auch Nutzer an, die auf spiegellose Kameras umsteigen möchten.

Die Preise stellen sich je nach Objektiv wie folgt dar:

Das Erscheinen der EOS R7 und R10 markieren das Ende des EOS M Systems von Canon.

Abgesehen von den beiden Kit-Zooms alle anderen RF-Objektive für das Vollformat ausgelegt sind, was sie größer, schwerer und teurer macht. Über einen RF-Adapter kannst du auch EF-Mount DSLR Objektive verwenden, aber es gibt keine Möglichkeit, EF-M Optiken zu verwenden.
Es gilt also:

Insgesamt ist die Verfügbarkeit von Objektiven die Achillesferse der EOS R10.

Features

Wie die EOS 850D verfügt auch die Canon EOS R10 über einen 24,2-MP-Sensor, der einen Bereich von ISO 100-32.000 bietet, der auf ISO 51.200 erweiterbar ist. Außerdem unterstützt sie den Canon Dual Pixel CMOS AF für einen schnellen und präzisen Autofokus überall im Bild.

Mit dem neuesten DIGIC X Prozessor an Bord verfügt die Kamera auch über das neueste AF-System, das aus der High-End EOS R3 übernommen ist. Das bedeutet, dass die Kamera Menschen, Tiere und Fahrzeuge erkennt. Und sie zudem verfolgt, während sie sich im Bild bewegen. Und immer feinere Details erkennt, wenn sie näher kommen – zum Beispiel den Körper, das Gesicht und dann die Augen. Du kannst sogar den AF für verschiedene Szenarien einstellen, was bisher nur den EOS DSLRs der Profiklasse vorbehalten war.

Canon EOS R10 Test
Rückseite und Display der R10

Dieses ausgeklügelte Autofokussystem wird durch eine beeindruckende Geschwindigkeit unterstützt. Die EOS R10 ist in der Lage, mit dem mechanischen Verschluss und dem AF-C mit 15 Bildern pro Sekunde zu fotografieren. Wenn du auf den geräuschlosen elektronischen Verschluss umschaltest, erhöht sich diese Geschwindigkeit auf 23 Bilder pro Sekunde. Der Pufferspeicher ist mit 29 Rohdateien bei 15 B/s bzw. 21 bei 23 B/s nicht besonders groß, aber das ist in dieser Preisklasse normal. Wenn du gerne JPEGs aufnimmst, erhöht sich der Puffer drastisch auf 70 Aufnahmen bei 23 fps oder 460 bei 15 fps. Also mehr, als die meisten Nutzer brauchen werden.

Die Dateien werden auf einer einzigen SD-Karten aufgezeichnet, der die Vorteile der schnelleren UHS-11 Karten nutzen kann. Rohdateien lassen sich als Canon C-RAW-Format aufzeichnen. Das bringt kleinere Dateigrößen ohne spürbare Verluste bei der Qualität. Es gibt außerdem die Möglichkeit, Bilder im HEIF-Format anstelle von JPEGs aufzuzeichnen. HEIF wird jedoch nicht ausreichend unterstützt, um es zu einer wirklich brauchbaren Option zu machen, wie der Test zeigte.

Die Videoaufnahme ist möglich in 4K Auflösung mit 30 Bildern pro Sekunde sowie in Full HD mit bis zu 120 fps, wobei die volle Sensorbreite genutzt wird. Es ist auch möglich, 4K Videos mit 60 fps mit einem 1,6-fachen Crop zu machen.

Für hochwertige Tonaufnahmen ist eine 3,5mm Mikrofonbuchse eingebaut. Aber es gibt keine Möglichkeit, Kopfhörer anzuschließen. Das fehlte mir im Test aber auch nicht. Die Kamera verfügt außerdem über den neuen Blitzschuh von Canon.

Canon EOS R10 im Test
Canon EOS R10 im Test

Sowohl Bluetooth als auch WLAN sind an Bord, um die Kamera drahtlos verbinden zu können, mit Smartphone über die Canon App. Du kannst deine Bilder sowohl auf der Kamera als auch auf dem Smartphone durchsuchen und sie dann zum Teilen kopieren. Es ist auch möglich, das GPS deines Smartphones zu nutzen, um deine Bilder mit Geotags zu versehen. Es gibt sowohl einen einfachen Bluetooth Fernauslöser als auch eine vollständige Fernsteuerung über WLAN mit einer Live-Ansicht. Das alles ist im Test einfach einzurichten und funktioniert sehr gut.

Design und Handhabung

Canon hat die R10 wie eine kleine DSLR gestaltet. Mit 122,5 x 87,8 x 83,4 mm und 429 g ist das Gehäuse kompakt und leicht, so dass sie kleiner als die EOS 250D ist. Aber man hat einen Griff und viele externe Bedienelemente eingebaut. Das macht sie im Test vielseitiger, als man aufgrund der Größe annehmen würde.

Der Handgriff ist höher und tiefer als üblich für eine so kleine Kamera. Er bietet somit viel Platz für deine Finger. Ich fand, dass die R10 im Test auch mit einem großen Objektiv bequem in einer Hand zu tragen war. Das Gehäuse ist zwar relativ leicht, aber es fühlt sich trotzdem solide und gut verarbeitet an. Allerdings erhebt es nicht den Anspruch, wetterfest zu sein, also würde ich es nicht bei starkem Regen benutzen.

Die Belichtung wird über zwei Einstellräder gesteuert, eines hinter dem Auslöser und das andere auf der oberen Platte unter deinem Daumen. Außerdem gibt es einen Joystick zur Auswahl des AF-Punkts, eine AF-ON-Taste auf der Rückseite und einen AF/MF-Schalter auf der Vorderseite. Letzterer ist eine willkommene Ergänzung. Aber das Gehäuse ignoriert seine Einstellung, sobald du ein Objektiv mit eigenem Fokusschalter einsetzt.

Für diejenigen, die die Fokussierung per Knopfdruck bevorzugen, ist die AF On-Taste perfekt links von der Daumenablage platziert. Standardmäßig aktiviert ein halber Druck auf den Auslöser auch den Autofokus. Du kannst dies jedoch deaktivieren, wenn du nur AF ON verwenden möchtest.

Du kannst per Taste die wichtigsten Einstellungen ganz einfach ändern, wenn du die Kamera vor dein Auge hältst: AF-Modus, Weißabgleich, Bildfolge, Blitzkorrektur und ISO. Die drei letzten können auch direkt mit den D-Pad-Tasten auf der Rückseite eingestellt werden. Darüber hinaus bietet das Q-Menü auf dem Bildschirm schnellen Zugriff auf weitere Einstellungen. Wie bei Canon üblich, gibt es auch hier eine gute Touch Oberfläche. Sie deckt alle Aspekte der Bedienung ab, einschließlich des gesamten Menüs. Viele der Elemente lassen sich auch an deine Vorlieben anpassen.

Die Aufnahmetaste für Video ist prominent auf der oberen Platte platziert, so dass sie von Vloggern leicht gedrückt werden kann. Daneben hat Canon eine Sperrtaste angebracht, mit der sich einige, aber nicht alle Elemente deaktivieren lassen. Ich persönlich empfand dies im Test eher als lästig denn als Vorteil.

Insgesamt ist die R10 aber eine schöne kleine Kamera, mit der das Fotografieren viel Spaß macht.
Allerdings gibt es einen großen Nachteil: den Sucher.

Sucher und Bildschirm

Eines der Opfer, die für die geringe Größe der R10 gebracht werden mussten, ist der winzige Sucher mit einer Auflösung von 2,36 Mio. Punkten und einer 0,59-fachen Vergrößerung. Das ist deutlich kleiner als bei den direkten Konkurrenten und wohl der schwächste Aspekt des Designs der R10.

Canon EOS R10 Test
Oberdeck der R10

Zum Glück bietet der Sucher der R10 eine gute Vorschau, sowohl in Bezug auf die Farben als auch auf die Belichtung. So kannst du besser beurteilen, ob du eventuell eine Korrektur machen musst. Die Vorschau der Schärfentiefe erfolgt auf die altmodische Art, indem du einer Taste auf der Vorderseite der Kamera. Anders als bei DSLRs ist dies ein wirklich nützliches Werkzeug, da der Sucher nicht dunkel wird und der Effekt sofort zu sehen ist.

Unterhalb des Suchers befindet sich ein 3 Zoll großer, voll beweglicher Touchscreen mit 1,04 Mio. Pixeln. Dank des seitlichen Gelenks kann man ihn in fast jedem Winkel einstellen. Er kann für Vlogging nach vorne gerichtet oder zum Schutz nach innen gegen das Gehäuse geklappt sein. Er eignet sich auch für Aufnahmen mit hohem oder niedrigem Winkel.

Wie beim Sucher kannst du auch die Anzeigen anpassen und mit der Info Taste durch sie hindurchgehen. Zu den Optionen gehören Gitterlinien, eine elektronische Wasserwaage mit zwei Achsen und ein nützliches RGB Live Histogramm.

Autofokus

AF-Systeme haben in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Die EOS R10 übertrifft alles, was ihre DSLR Vorgänger bieten. Selbst bei der manuellen Einstellung des Autofokusfeldes stehen 4.503 Punkte zur Verfügung, die sich im Test bis auf die äußersten Ränder des Bildes verteilen. Im Vergleich dazu verfügt die EOS 850D nur über 45 Punkte, die sich in der Mitte des Bildes befinden.

Ob man tausende AF Punkte braucht, ist allerdings fraglich.

Und dann ist da noch die Al Motiverkennung, praktisch komplett von der EOS R3 übernommen. Es kann Menschen (Augen, Gesicht, Kopf oder Körper), Tiere (einschließlich Hunde, Katzen und Vögel) und Fahrzeuge (Autos oder Motorräder) erkennen. Also soweit wie bei der Nikon Z9, die aber ein Vielfaches kostet.

Canon EOS R10 mit Display Test
R10 mit abgeklapttem Display

Wenn du auf kontinuierlichen Autofokus umschaltest, den Canon Servo nennt, kommt auch das konventionelle Nachführsystem der Kamera ins Spiel. Es erkennt jedes Motiv, das du fokussierst, anhand von Form, Farbe und Muster. Und verfolgt es, wenn du den Bildausschnitt veränderst oder es sich im Bild bewegt. Es ist so zuverlässig, dass manche es der manuellen Positionierung des AF-Bereichs vorziehen.

Leider konnte ich das AF-System nicht so ausführlich testen, wie ich es gerne getan hätte. Ich habe mit dem RF 35mm f/1.8 IS STM Makro und dem RF 85mm F2 IS STM Makro getestet. Diese bieten nicht den schnellsten AF. Trotzdem haben sie gute Arbeit geleistet, um Motive zu verfolgen, die sich recht gemächlich bewegten.

Ich habe festgestellt, dass die Kamera bei weit entfernten und kleinen Motiven im Bild die Angewohnheit hat, stattdessen den Hintergrund scharf zu stellen.

Ich habe auch einige alte EF-Mount-DSLR-Objektive über einen Adapter getestet, die genauso gut fokussiert haben wie die DSLR-Objektive, wenn nicht sogar besser. Das könnte ein entscheidender Faktor für Canon-Nutzer sein, die auf spiegellose Kameras umsteigen wollen, da man in der Regel nicht die gleiche AF-Leistung erhält, wenn man EF-Objektive an andere Kameramarken anpasst.

Leistung

Canon EOS R10 Kit
Lieferumfang der R10

In der Praxis erweist sich die EOS R10 als flinke Kamera, die durchweg gute Bilder liefert. Sie startet fast in dem Moment, in dem du den Netzschalter betätigst, und reagiert dann sofort. Ihr Auslöser ist nicht ist nicht gerade der leiseste, so dass Umstehende ihn auf jeden Fall hören werden, wenn du fotografierst. Er ist jedoch nicht sehr aufdringlich und du kannst bei Bedarf auf den leisen elektronischen Verschluss umschalten. Die Akkulaufzeit ist auch nicht gerade berauschend, aber Ersatzakkus sind leicht zu finden, sowohl bei Canon als auch bei preiswerten Dritten. Es dauert übrigens auch nicht lange, den Akku mit einer Powerbank aufzuladen.

Canon hat die Belichtungsmessung eng mit dem Fokuspunkt verknüpft. Die Kamera soll sicherstellen, dass ein Motiv gut belichtet wird. Das ist keine schlechte Strategie, aber es bedeutet, dass du eine Korrektur vornehmen musst, wenn das Motiv entweder heller oder dunkler als der Durchschnitt ist. Zum Glück macht es der Sucher leicht, dies genau zu beurteilen. Der automatische Weißabgleich ist sehr zuverlässig und sorgt für gut aussehende JPEG-Dateien.

Leider ist das RF-S 18-45mm F4.5-6.3 IS STM Kit-Zoom eine echte Enttäuschung. Es ist zwar scharf genug, aber das 29mm Äquivalent ist viel schmaler als die Kit-Zooms der Konkurrenz oder sogar in den meisten Smartphones. Für Motive wie Landschaften oder Architektur ist es zu eng, und für Vlogging in Armlänge ist es nicht weit genug. Hinzu kommen der kurzen Telebrennweite und der geringen maximalen Blendenöffnung. In Bezug auf kreatives Potenzial ist es eines der eines der langweiligsten Objektive, die ich je benutzt habe. Ich empfehle stattdessen das 18-150mm Kit, obwohl es mehr kostet.

Reduziert!

Bei Videos liefert die EOS R10 gute Bilder mit Details und allen Vorteilen von feinem Weißabgleich und Farbwiedergabe. Da die Kamera jedoch keine IBIS Stabilisierung hat und der digitale IS standardmäßig deaktiviert ist, sind Aufnahmen aus der Hand auf den IS des Objektivs angewiesen. Dieser kann aber die Drehung um die Objektivachse nicht korrigieren, so dass das Video so verwackelt ist, dass es fast nicht mehr anzuschauen ist, vor allem wenn du schwenkst.

Canon R10 Video Test
EOS R10 mit Video Ausrüstung

Das bedeutet, dass du den digitalen IS einschalten musst, damit das Video besser aussieht, allerdings auf Kosten eines Crop. Der Modus „Enhanced“ Digital IS ist sogar noch effektiver, aber mit einem 1,4-fachen Crop liefert er deutlich weniger Details und lässt das Kit-Zoom noch schmaler aussehen. Für gelegentliche Videoclips mag das in Ordnung sein, aber ernsthaftere Nutzer werden ein Stativ oder einen Gimbal benötigen.

ISO und Rauschen

Was die Bildqualität angeht, liefert die EDS R10 fast die gleichen Ergebnisse wie ihre 24-MP-Geschwister von Canon.

Bei niedrigen ISO-Einstellungen liefert die R10 schöne Dateien mit vielen sauberen, feinen Details. Bei Nahaufnahmen auf dem Bildschirm wird das Rauschen schon ab ISO 800 sichtbar, und bei ISO 3200 beginnen die feinen Details merklich abzunehmen. Darüber hinaus verschlechtert sich die Bildqualität zunehmend, da die Details verschwimmen und die Schatten nicht mehr zu erkennen sind.

Höhere ISO sind kaum zu gebrauchen.

Fazit

Mit der EOS R10 hat Canon eine kleine Kamera entwickelt, die die meisten Anforderungen erfüllt, die wir von einem 979,00 € Gehäuse erwarten würden.

Sie lässt sich gut handhaben, sodass Canonians mit ihr vertraut sein werden, und sie liefert attraktive Bilder. Sowohl AF als auch die Geschwindigkeit spielen in einer anderen Liga als alles, was Canon bisher in dieser Preisklasse angeboten hat.

Im Vergleich zur Konkurrenz sind die größten Schwächen der Kamera der sehr kleine Sucher und die fehlende In-Body Stabilisierung.

Das größte Problem ist jedoch das das Fehlen von nativen RF-S Objektiven im APS-C Format. Eine Kamera, bei der du das Objektiv wechseln kannst, ist sinnlos, wenn du keine Objektive kaufen kannst. Leider bietet Canon nicht einmal ein APS-C Telezoom als Ergänzung zum Kit-Zoom an, geschweige denn ein Weitwinkelzoom oder ein kompaktes, lichtstarkes Objektiv. Du kannst zwar Vollformat RF Objektive verwenden, aber nur wenige sind geeignet.

  • Klein
  • handlich
  • schnell
  • preiswerte EInsteiger- DSLM
  • keine in-body Stab.
  • fehlende Objektivauswahl

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