Bildgestaltung – Die große Fotoschule

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Im Buch Bildgestaltung – Die große Fotoschule zeigen André Giogoli und Katharina Hausel, worauf es beim Fotografieren ankommt. Denn Motive zu sehen, ist nur der erste Schritt. Sie wollen auch richtig in Szene gesetzt sein. Dabei sind gestalterische Elemente wesentlich für die Wirkung eines Bildes.

Fotografieren kann so einfach sein – denkt man. Aber herausragende Bilder sind selten Zufallsprodukte, sondern vielmehr das Ergebnis von Planung, durchdachter Gestaltung und technischem Können.

Wer sich nicht mit Katzenfotos und Balkonblumen zufriedenstellen möchte, sondern besondere Bilder produzieren will, soll mit der zweiten Auflage des Buches Bildgestaltung – Die große Fotoschule das nötige Handwerkszeug bekommen. Dabei liegt hier der Fokus auf dem, was ein gutes Bild besonders macht. Wer ein perfektes Foto eingehend betrachtet, nimmt dabei auch dessen bewusste Gestaltung wahr. Durch die Beschäftigung mit eindrucksstarken Fotos schärft man sein Auge. Somit gehört ein Buch zur Bildgestaltung in das Regal eines jeden Fotografen. Ob es dieses Buch sein sollte, werden wir sehen.

Bildgestaltung - Die große Fotoschule
Bildgestaltung – Die große Fotoschule

Zum Buch

So ist es kein Wunder, dass das Werk der Autoren André Giogoli und Katharina Hausel ganze 400 Seiten umfasst. Von Giogoli haben wir bereits das Buch Analoge Fotografie gelesen.

Die Bilder stammen dabei nicht nur aus dem eigenen Fundus, sondern wurden von dutzenden Fotografen beigesteuert. Neben ausführlichen Texten zeigt sich anhand sehr vieler Bildbeispiele, dass es um ein visuelles Medium geht. Zu den Bildern kommen wir aber später noch.

Das Buch gliedert sich in 11 Kapitel, die aufeinander aufbauen. So beginnt alles mit der Frage, für wen ich eigentlich fotografiere. Sind die Bilder als Schnappschüsse für soziale Medien gedacht? Oder sollen die Werke als große Bilder ihren Platz an der heimischen Wand finden?

Inhalt des Buches

  • Für wen fotografieren Sie?
  • Motive sehen und inszenieren
  • Ausrüstung und Technik
  • Von anderen lernen
  • Punkte, Linien, Flächen
  • Vom Drei- ins Zweidimensionale
  • Harmonien, Kontraste, Plastizität
  • Akzente durch Abstraktion
  • Experimente
  • Bildgestaltung im digitalen Labor
  • Praktisches Training für den fotografischen Blick
  • Präsentation der eigenen Werke

Ein Ausflug in die geeignete Ausrüstung zeigt das Verhältnis von Verschlusszeit, Blende und Empfindlichkeit sowie grundlegenden Überlegungen zu Weißabgleich und Brennweite. Diese Allgemeinplätze fehlen offenbar in keinem Buch, sodass sie dem Leser auch hier nicht erspart bleiben. In Kapitel 3 geht es nun so langsam Richtung Hauptthema, der Bildgestaltung bei verschiedenen Motiven wie Landschaft, Architektur und mehr.

Den didaktischen Haupttteil des Buches bilden die Kapitel zur Komposition. Über die Wahl des Bildformates und den goldenen Schnitt sowie der Drittelregel geben die Autoren Tipps zu bildführenden Linien und Formen. Hier beschreiben die Profis, wie Bilder durch Veränderungen an ästethischem Reiz gewinnen – darum geht es bei der Bildgestaltung schließlich. Leider fehlen gerade bei der Drittelregel Fotos, die diese Regel veranschaulichen. Stattdessen gibt es – nein, kein Witz -einen Schnappschuss von Rolläden:

Bildgestaltung Leseprobe 2
Die Autoren fragen auf Seite 139: „Wer denkt bei so einem feenleichten Anblick schon an den Goldenen Schnitt?“
Ist das ernst gemeint? Wer denkt bei einem solchen Ausschuss nicht gleich an die Löschtaste?
Kein erkennbares Motiv, keine Bildgestaltung, kein Weißabgleich, zu wenig Kontrast, und nicht einmal randparallel.
Drittelregel
Beispiel für die Gestaltung nach der Drittelregel (nicht aus dem Buch) (c) Webdigital

Es gibt sicher geeignetere Motive, um die Drittelregel zu veranschaulichen. Auch hätte ich mir gewünscht, dass die besprochenen Linien ins Bild eingefügt werden, so eine Skizze ist doch schnell gemacht. (Bei der Drittelregel wird ein Bild durch gedachte Linien in 9 gleiche Teile zerlegt, wobei das Hauptmotiv auf einem Linienschnittpunkt liegen soll. Das empfindet das Auge als besonders harmonisch.)

Farbe und Licht werden im Folgekapitel mit der Schwarzweißfotografie verglichen. Auch hier gibt es verschiedene Bildbeispiele, die die goldenen Regeln der Bildgestaltung verdeutlichen sollen. Abgeschlossen werden die Ausführungen mit einem Kapitel zur Nachbearbeitung in der „digitalen Dunkelkammer“. Wer die Grundsätze guter Bildgestaltung vorher nicht so recht beherzigt hat, kann hier vielleicht noch das eine oder andere Malheur retten. Dies sollte allerdings nur den letzten Schliff ausmachen. Warum machen die Autoren nicht selbst Gebrauch von diesem Tipp?

Bilder nicht immer optimal

Viele der gezeigten Fotos sind durchaus gute Beispiele für den erläuternden Text und zeigen meist in Vergleichen, worauf es bei guter Bildgestaltung ankommt. Bei manchen Bildern fragte ich mich allerdings, ob sie wirklich eine Beispiel für gute Gestaltung sein sollen, oder vielmehr als schlechtes Beispiel dienen sollen. Besonders die Fotos im ersten Kapitel sind geradzu dilettantisch und -leider muss ich es so sagen – grottenschecht. So sieht man auf Seite 14 einen Hüftschuss in den Himmel, der eine Hauskante mit ein paar Vögeln am Himmel zeigt, kommentiert mit „Die Froschperspektive .. führt zu einer besonders reizvollen Ansicht“. Nun, dem kann ich mich nicht anschließen. Warum nicht eine Kamera in Bodennähe platzieren und mit einem Weitwinkel die Blumen von unten mit einem blauen Himmel fotografieren?

Auch das nachfolgende Bild eines schlafenden jungen Mannes – völlig unkomponiert, verrauscht und mit ablenkenden Bildelementen – ist nicht gerade ein Meisterwerk der Bildgestaltung. Dann dieses unscharfe Porträt eines Mannes mit „John-Lennon-Brille“. Es hat die Schärfe auf dem Ohr, während es die erste Regel der Bildgestaltung ist, die Schärfe bei einem Porträt immer auf die Augen zu legen. Unverständlich, was die Autoren hier im ersten Kapitel präsentieren, noch dazu in einem Buch zur Bildgestaltung. Da hat selbst Tante Hilde auf ihrem Facebook-Kanal bessere Bilder.

Solche Ausrutscher gehören meines Erachtens in das spätere Kapitel „Regeln brechen“. Dort findet sich eine Ansammlung misslungender Schnappschüsse, die aus technischer sowie gestalterischer Sicht keiner Würdigung bedürfen. Aber doch bitte nicht am Buchanfang! Als Einstieg in das Thema sind sie nicht geeignet, da erwartet man herausragende Bilder, vielleicht auch mal ganzseitig. Fotos also, die Lust auf mehr machen.

Leseprobe Bildgestaltung - Die große Fotoschule
Buchseite aus: Bildgestaltung – Die große Fotoschule

Zielgruppe für das Buch und Fazit

„Bildgestaltung – Die große Fotoschule“ entstammt der gehobenen Fotoschule-Reihe des Rheinwerk Verlages für ambitionierte Amateurfotografen. Die Texte sind auch durchaus mit Tiefgang und bieten viele Informationen über den Tellerrand hinaus. Selbst spezielle Shift-Objektive für die professionelle Architekturfotografie werden behandelt, sodass das Buch keine Zweifel über die anvisierte Zielgruppe lässt. Die Bilder wollen allerdings nicht immer dazu passen, um es mal wohlwollend zu formulieren.

Alles in allem behandelt das Buch alle Aspekte der Bildgestaltung. Noch mehr (gute) Bilder und kürzere Kapitel wären noch eingängiger. Aufgrund der Bildauswahl gefällt mir das Schwester-Buch zur Bildgestaltung allerdings um Längen besser.

Natürlich ist jede Meinung subjektiv, auch meine. Daher muss sich jeder selbst einen Eindruck machen.

  • Aufwendiger Einband und gute Druckqualität
  • Viele Bildvergleiche erleichtern das Verständnis
  • Motive zuweilen ungeeignet
  • Qualität der Fotos oft fragwürdig

Die Webdigital Bewertung

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Bildgestaltung - Die große Fotoschule 7

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Zu den Autoren

André Giogoli ist ausgebildeter Fotograf und Lehrer an der Berufsfachschule für Design am Lette-Verein in Berlin. Katharina Hausel ist promovierte Kunsthistorikerin und Lehrerin an der Berufsfachschule für Design am Lette-Verein in Berlin.

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