Fließendes Wasser fotografieren + Wasserfall [Anleitung]

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Fließendes Wasser fotografieren ist nicht schwer. Dazu benötigst Du keine großartige Ausrüstung. Sondern nur ein Stativ und ein Graufilter, auch ND Filter oder Neutralgrau oder Neutraldichtefilter genannt. Mit den richtigen Einstellungen und einer langen Belichtungszeit kannst Du fließendes Wasser wie einen Wasserfall perfekt und einfach fotografieren. Lies hier unsere Anleitung für perfekte Fotos von fließendem Wasser!

Wasser fotografieren
Fließendes Wasser fotografieren: Lange Belichtungszeiten lassen dank Langzeitbelichtung jeden Wasserfall weich werden

Die Kamera kann Bäche sprudeln oder gefrieren lassen

Wie lässt sich am besten ein Wasserfall fotografieren? Natürlich wird der Charakter eines fließenden Gewässers oder Wasserfalls, aber auch eines Sees oder des Meeres zuerst einmal von der Natur bestimmt. Von einer ganzen Reihe von Einflüssen wie etwa Höhe, dem Licht und dem Wetter. Ein Bach, der viel Wasser führt oder einen steilen Hang hinunter schießt, wird daher immer lebendiger wirken als ein Rinnsal, das sich träge dahin schlängelt. Seen und Meere zeigen bei Sturm mit Sicherheit ein anderes Gesicht als bei völliger Windstille.

Dennoch haben wir als Fotografen ein probates Mittel zur Hand, den Charakter eines Gewässers unseren Vorstellungen anzupassen – die Belichtungszeit. Nehmen wir die Verschlusszeit nicht als etwas Gegebenes hin! Sondern steuern wir sie sorgsam gemäß unseren Absichten, so können wir durchs Festlegen ihrer Dauer Gewässer auf dem Bild wilder oder sanfter erscheinen lassen. Und genau da hilft ein ND Filter. Damit lässt am besten sich fließendes Wasser fotografieren.

Belichtungszeit
Verschlusszeit für die Langzeitbelichtung manuell vorwählen

Nehmen wir einen stark sprudelnden Bach oder die Brandung am Meer mit extrem kurzer Verschlusszeit auf, werden die vielen Wasserspritzer in der Luft eingefroren. Das verstärkt den Eindruck der Lebendigkeit deutlich. Vor allem, wenn Gegen- oder Seitenlicht Spritzer und Schaumkronen zum Leuchten bringen. Die gegenteilige Wirkung erzielen wir mit einer langen Verschlusszeit. Das fließende Wasser führt im Foto nun zu mehr oder weniger starken Wischeffekten, die somit eine glättende Wirkung haben. So lässt sich fließendes Wasser weich fotografieren.

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Gewässer und Wasserfall fotografieren: Einstellungen

Achte beim Festlegen der Belichtung nicht nur auf den Charakter des Wassers, sondern auch auf eine korrekte Belichtung. Bei Aufnahmen am Strand, gibt es oft eine starke Reflexion des Sandes. Diese führt zu kontrastarmen Motiven. Außerdem ergibt sie gerne zu dunkle Fotos. Daher ist ist eine Korrektur von etwa +1 bis +2 LW wichtig.

Wasser fotografieren
Kürzere Belichtungszeiten frieren Bewegungen ein. Brennweite 35mm.
Fließendes Wasser als Motiv sollte man für den Schleiereffekt mit mindestens 2 Sekunden belichten.

Fließendes Wasser fotografieren, das ist also eine Frage der Verschlusszeit. Welche Zeit jeweils die beste ist, lässt sich auch von den bestenFotografen kaum jemals treffend voraussagen. Deshalb ist man mit einer Belichtungsreihe immer gut beraten. Wie groß die Sprünge sein sollen, hängt wesentlich vom Motiv und der Bildidee ab. Ich empfehle Sprünge von Bild zu Bild von 1 LW. Lieber zu viel als zu wenig unterschiedlich belichtete Aufnahmen schießen. Das hängt auch von der Geschwindigkeit des fließenden Wassers ab.

Stativ
Fließendes Wasser fotografieren nur mit Stativ

Sofern Du nicht mit einem Weitwinkel arbeitest, brauchst du ein Stativ. Dies gilt ganz besonders beim Fotografieren mit Tele und immer dann, wenn Wind eine ruhige Haltung der Kamera nicht eraubt. Viele Fotografen brüsten sich damit, auch 1/60s oder länger noch mit der Hand ruhig zu halten. Aber auch feine Erschütterungen der Kamera lassen sich nicht immer verhindern. Diese erzeugen, ob man will oder nicht, in jedem Fall eine Unschärfe.

Sieh Dir daher unsere Kaufberatung Stative an.

Ist maximale Schärfe über alles gefragt, gibt es nichts Besseres als eine aufs Stativ geschraubte Kamera! Im Gelände, wo das Aufstellen von Dreibein Stativen Mühe bereiten könnte, erfüllt auch ein Einbeinstativ seinen Zweck. Für mehr Stabilität kannst du am Stativkopf ein nach unten hängendes Gewicht (z.B. die Fototasche oder einen Fotorucksack) befestigen.

Und da wir gerade beim Zubehör sind: Vergiss auch nicht den Schutz der Kamera vor Spritzwasser oder Wassernebel, die in der Nähe von Wasserfällen fast unvermeidlich sind.

Am besten verwendest du dazu einen handelsüblichen oder selbstgemachten Regenschutz. Geht es nicht anders und musst du die Kamera Regen oder Wassernebel aussetzen, halte diese Zeit kurz. Und die Kamera danach sofort wieder in die Fototasche stecken.

Wozu ein Neutraldichtefilter?

Der Neutraldichtefilter (ND Filter) gehört als Werkzeug in jede Kameratasche. Allerdings sind sie für manche ein Mysterium. Denn viele Leute verstehen einfach nicht, wie, wo und wann man sie einsetzt. Darüber hinaus scheinen die Hersteller unterschiedliche Vorlieben zu haben, was die Bezeichnung angeht – das verwirrt noch obendrein.

In diesem Artikel wollen wir durch die Welt der ND-Filter navigieren. Wie wollen uns einen Reim darauf machen. Fließendes Wasser fotografieren, das ist nur ein Zweck von vielen. Du kannst damit sogar Personen aus Bildern verschwinden lassen. Aber dazu später mehr.

Wasserfall  fließendes Wasser fotografieren
Wasserfall fotografieren mit mehreren Sekunden und Blende 16 : Dadurch wird das Wasser weich und macht einen fließenden Eindruck.
Das Fotografieren mit ND Filter erfordert etwas Übung.

Was ist ein ND Filter?

Er wird vor das Objektiv gesetzt reduziert dadurch die Lichtmenge.

So ein Neutraldichtefilter wird entweder vor das Objektiv geschraubt oder in einen Halter gesteckt. Er bringt gleichmäßige Abdunklung. Stellen dir den ND-Filter wie eine Sonnenbrille für deine Kamera vor – allerdings eine Sonnenbrille, die die Farbe des in die Kamera fallenden Lichts nicht verändert. Daher „neutral“.

Abdunklung ? Wozu ?

Wann immer man in der Fotografie die einfallende Lichtmenge reduzieren will, kommt der ND zum Einsatz. Wenn bei gegebener ISO das Licht zu hell ist und Abblenden des Objektivs nicht ausreicht, kommt ebenfalls ein ND Filter zum Einsatz.

Wenn bei vollem Abblenden (z.B. auf f/16) eie weiteres Abdunkeln gewünscht wird, muss ein Graufilter zum Einsatz kommen. Das erhöht die Verschlusszeit. Dadurch wird Wasser fließend wiedergegeben.

Blende – Geringe Schärfentiefe trotz heller Umgebung?

Wenn du schon mal versucht hast, ein 50mm f/1.8 Objektiv im hellen Tageslicht bei offener Blende einzusetzen, erinnerst du dich sicher noch an die Überbelichtung. Warum? Weil die Belichtungszeit nicht kurz genug für die eingelassene Lichtmenge sein konnte.

Ein ND-Filter ermöglicht es Fotografen, ihre Objektive mit großer Blendenöffnung bei hellem Licht einzusetzen. Und das, ohne überzubelichten! Dies ermöglicht eine geringe Schärfentiefe und selektive Fokuseffekte bei heller Sonne.

Selbst bei den Verschlusszeiten der heutigen Kameras und DSLM hat eine solche „Sonnenbrille“ noch ihren Platz in der Fotografie.

Wasserfall und Fotograf, fließendes Wasser fotografieren
Die Blende für deine Fotos von Wasser solltest du auf f/16 einstellen.

Verlangsamung der Belichtungszeit

Der klassische Einsatz des ND-Filters betrifft also seine Wirkung auf die Verschlusszeit. Da weniger Licht in die Kamera gelangt, müssen Sie die Verschlusszeit bei einer bestimmten Blende verlängern. Die längere Zeit lässt alles, was sich im Bild bewegt, verwischen. Das kann man sich beim Fotografieren von fließendem Wasser besonders zunutze machen.

In den meisten Fällen ist Verwischen nicht erwünscht. Aber wenn du fließendes Wasser fotografieren willst,, schon. Wenn du mit einem Stativ mit einem ND-Filter und einer langen Zeit arbeitest, bleibt das, was im Bild statisch ist, statisch. Was sich aber bewegt, wird verwischt.

Wo lässt sich das einsetzen? Grundsätzlich bei jedem Foto, bei dem du Bewegung betonen willst. Beliebte Motive sind z. B. Wasserfälle, Fahrzeugverkehr, Menschen (keine Porträts), Meereslandschaften, Flüsse, Bäche, Wolken und Rauch.

Fließendes Wasser fotografieren mit Graufilter

Um beispielsweise etwa die Bewegung fließenden Wassers fotografisch darstellen zu können, benötigt man 1/8 Sek. Belichtungszeit oder länger.

Mit der genannten Arbeitsweise ist das also gar kein Problem mehr. So kannst du leicht fließendes Wasser fotografieren, welches im Foto weich und weiß wird.

Ich empfehle die den Kauf eines Sets. Dieses enthält nicht nur einen, sondern mehrere Filter in verschiedenen Stärken. Sie lassen sich übrigens auch kombinieren.

Nicht beim Filterkauf sparen! Graufilter sollten eine gewisse Qualität haben.

Wenn man sich schon ein ND Filter zulegt, dann bitte keinen aus Fernost. Billige Filter um die 20-30€ bringen minderwertige Bilder. Außerdem können Billigfilter die Belichtung verfälschen. Man sollte immer auf „mehrfach vergütet“ (multi-coated) achten.
Ich habe viele Filter von B+W, das sind qualitativ sehr gute Gläser, die ein Fotografenleben lang halten.

Neu: Variable Graufilter

Eine besonders clevere Alternative sind variable Graufilter. Hier kann man die Dichte stufenlos von 2x bis 400x einstellen !
Diese neuen Filter gibt es für unter 60 € bei Amazon. Hier habe ich den Fotga Slim Wide Band Fader davon getestet.

Leute verschwinden lassen mit Graufilter (ND-Filter)

Weiter stören insbesondere bei Fotos von Architektur Personen oder Autos, die sich vor dem Gebäude bewegen. Hier lässt sich durch den Einsatz von Graufiltern die Belichtungszeit auf mehrere Sekunden verlängern, sodass die Leute nicht mehr im Bild sichtbar werden. Gerade bei der Nachtfotografie lassen sich während der blauen Stunde so die Belichtungszeiten erheblich verlängern:

London Nachtaufnahme Wasser fotografieren
Langzeitbelcihtung mit ND Filter: Laufende Menschen werden fast unsichtbar (rechts im Bild sind noch schemenhaft welche)

Übrigens, auch im Film und bei Fotodrohnen werden Graufilter verwendet. Denn bei Videos wünscht man meist eine konstante Belichtungszeit. Außerdem reicht bei hellen Motiven oft die Abblendmöglichkeit der Objektive nicht aus, um ausgewogen belichtete Aufnahmen zu erzielen. Denn Drohnenkameras lassen sich häufig gar nicht abblenden, hier helfen nur Filter.

In diesem Sinne brachte Olympus mit seiner OM-D M1-X 2019 eine Kamera mit eingebautem Software-Graufilter auf den Markt.

Was bedeuten die Zahlen auf ND-Filtern?

Graufilter gibt es in verschiedenen Stärken oder Dunkelheitsstufen. Für den Fotografen ist es am einfachsten, wenn die Graufilter angeben, um wie viele Blendenstufen sie die Belichtung abdunkeln.

Die meisten Hersteller von ND-Filtern kennzeichnen ihre Produkte entweder mit einer Faktorzahl oder einer optischen Dichte-Nummer. Leider sind für den Fotografen weder der Filterfaktor noch die optische Dichtezahl gleichbedeutend mit der Anzahl der Blendenstufen, um die das Licht reduziert wird. Für dein Bild solltest du zudem f/16 einstellen, so wird das Wasser in deinen Fotos schön weich.

Hier ist eine Tabelle mit Aufklärung:

FilterfaktorVerlängerung um x Zeitstufen
21
42
83
164
325
646
4008,5
ND Filter Wasser fotografieren
Fließendes Wasser fotografieren mit ND Filter: Das macht Wasser weich. Bei Flüssen braucht man ein Stativ und ein Graufilter zum Fotografieren.

Praktische Beispiele

Hier ist ein Beispiel für die Änderung der Verschlusszeit, wenn ein ND Filter verwendet wird. Und das Ziel ist, mit einer längeren Verschlusszeit zu fotografieren, um einen Wasserfall unscharf zu machen.

Du hast einen ND-Filter mit 6 Blendenstufen in deiner Tasche und schraubst ihn auf das Objektiv.
Hier ist das Ergebnis:

Original: ISO 200, f/16.0, 1/800s.

Belichtung mit 6-Stop-ND-Filter: ISO 200, f/16,0, 1/13s.

Hier ist eine Auswahl der besten Angebote für ND Filter:

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