Nachtaufnahmen: 9 Tipps für erfolgreiche Langzeitbelichtung

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Nachtaufnahmen sind schwierig, hast Du gehört? Nachtfotografie ist nur etwas für Profis? Lies hier die ultimativen Nachtfotografie Tipps für gelungene Fotos bei Abend und Nacht. Warum nicht mal eine Langzeitbelichtung bei Dunkelheit machen?

In diesem Artikel geht es um Nachtaufnahmen. Um gute Bilder vom Sternenhimmel und von Motiven am Boden zu bekommen, brauchst Du eine lange Verschlusszeit. Schließlich ist es dunkel und so kommt enig Licht auf den Sensor, entsprechend wird das durch die längere Verschlusszeit wieder kompensiert. Daher sind Nachtaufnahmen immer auch Langzeitbelichtungen.

Wenn Du nachts ein Bild machst, nimmst Du eine mittlere Blende, dazu eine Brennweite Deiner Wahl und eine lange Verschlusszeit.

Wie fotografiert man bei Nacht?

Für Einsteiger ist der Sonnenuntergang das letzte Outdoor-Motiv im Verlauf eines Tages, an das sie sich heranwagen. Ist die Sonne weg, wird auch die Kamera beiseite gelegt – ganz nach dem Motto: Wo kein Licht ist, ist auch keine Aussicht auf ein brauchbares Bild. Dabei können Nachtaufnahmen besonders dankbare Motive sein.

Schade, denn manches Motiv, das tagsüber ausgesprochen nichtssagend wirkt, verwandelt sich in der Dämmerung oder Nacht dank Langzeitbelichtung in eine Welt voller visueller Wunder. Anders als das menschliche Auge, das bei Dunkelheit nichts sieht, addieren Bildsensoren bei genügend langer Einwirkung schwaches Licht zu einem erkennbaren Bild. Was dabei entsteht, übertrifft oft kühnste Erwartungen. Sterne und Mond, aber auch die Lichter vorbeifahrender Autos werden zu magischen Lichtspuren. Bei Aufnahmen in einer Stadt beschwört der Mix aus letztem Tageslicht und Kunstlicht zauberhafte Stimmungen hervor.

Lästermäuler sagen, bei Nachtaufnahmen und Langzeitbelichtungen bestünde der Erfolg zu 10% aus Absicht und zu 90% aus Zufall. Und sie haben nicht mal Unrecht. Bei Nachtaufnahmen lässt sich der Belichtung kaum noch mit festen Regeln beikommen. Wie will der Belichtungsmesser eine „natürliche“ Helligkeit anstreben, wo wir von blossem Auge nichts als Schwärze sehen? Bei welcher Helligkeit beginnt die Faszination, wo endet sie wieder? Dämmerungs- und Nachtfotografie erfordert nicht nur Geduld, da sich die Belichtungszeiten durchaus über Minuten wenn nicht sogar Stunden erstrecken können. Sie verlangt auch den Mut zum Experiment und die Einsicht, dass das erstbeste Bild nicht immer das beste ist.

1. Nachtaufnahmen: Wann ist der beste Zeitpunkt?

Jahreszeit: Im Winter, der „dunklen Jahreszeit“, kann man oft schon ab 18 Uhr Nachtaufnahmen anfertigen, außerdem hat man oft einen klaren Himmel. Im Sommer wird es zwar deutlich später dunkel, jedoch sind die Temperaturen angenehmer.
Genaue Angaben zum Zeitpunkt des Sonnenuntergangs findet man übrigens in einschlägigen Apps und bei Mondkalendern. Diese geben auch Aufschluss über Mondphasen wie Vollmond, Neumond etc.

Das Ziel bei Nachtaufnahmen ist ein scharfes Bild mit sichtbaren hellen Konturen und vielleicht ein paar Lichtern.

Wenn du an Nachtaufnahmen denkst, solltest du dafür aber nicht bis zum Eintritt der völligen Dunkelheit warten. Denn dann das Fotografieren weitaus komplizierter: Einstellungen lassen sich schwer ablesen, Schärfe schlechter einstellen, Himmel ist praktisch schwarz. Deshalb ist am besten die Zeit vor dem Eintreten der völligen Dunkelheit! DIese Zeit nennt man blaue Stunde. Das nebenstehende Buch gibt außerdem Tipps.

Blaue Stunde: Die Stunde vor der völligen Dunkelheit ist oftmals die beste Zeit zum Fotografieren.

Blaue Stunde Nachtaufnahmen
Nachtaufnahme zur blauen Stunde

2. Ausrüstung für Langzeitbelichtungen bei Nacht

2.1 Kamera

Kompaktkameras ohne Einstellmöglichkeiten scheiden bei der Wahl leider aus, ebenso Handykameras. Das sind Telefone, keine vollwertigen Aufnahmemaschinen! Als Kamera kommt kurzum eine Spiegelreflex (SLR), eine spiegellose oder ähnliche Kamera in Betracht. Diese bieten Wechselobjektive, dadurch hast du viel mehr Möglichkeiten.

Denn Langzeitbelichtungen erfordern die eine oder andere Einstellung an der Kamera. Und diese bieten Fotohandys in der Regel nicht, sodass sie leider nicht für Langzeitbelichtungen infrage kommen.

2.2 Objektive

Verschiedene Brennweiten haben verschiedene Möglichkeiten, daher gibt es bei der Wahl des Objektivs keine allgemeingültige Empfehlung. Wenn man aber den Mond nicht gerade formatfüllend aufnehmen will, ist ein Weitwinkelobjektiv zwischen 14mm und 35mm eine gute Wahl. Bei Weitwinkelobjektiven ist außerdem die Erddrehung nicht so stark im späteren Foto zu sehen, wenn man Sterne im Bild hat.

2.3 Stativ

Um ein scharfes, nicht verwackeltes Foto bei einer Langzeitbelichtung zu bekommen, benötige ich ein vernünftiges Stativ. Dabei sollte ein Standard-Dreibeinstativ oder Reisestativ genügen. Carbonstative sind besonders leicht. Klassische „Metallbeine“ werden zur dunklen Jahreszeit sehr kalt, hier helfen Kunststoffummantelungen für die Stativbeine.
Tipp: Das Stativ sollte von der Schenkellänge so bemessen sein, dass man bequem davor stehen kann, ohne sich für den Blick durch den Sucher zu bücken.

Fotografieren bei Nacht ohne Stativ ist zwar auch möglich. Aber dazu brauchst Du Mauern, Autodächer und andere ebene Flächen, auf die du deine Kamera stellen kannst. Das nervt auf Dauer.

2.4 Kleidung

Wenn Du nachts unterwegs bist, kann es kalt werden. Deher packe Dir entsprechende Fotografenkleidung wie spezielle Handschuhe ein. Unsere Empfehlungen liest du hier:

→ Zubehör und Kleidung für Fotografen

Blaue Stunde
Tagsüber langweilig, nachts farbenfroh: Eine Markthalle (Langzeitbelichtung) als Nachtaufnahme

Sonstiges fürs Fotografieren bei Nacht

Außerdem sollte eine Taschenlampe dabei sein, um Einstellungen ggf. besser ablesen zu können. Manche Kameras bieten auch beleuchtete Displays – vorher ggf. konfigurieren und die Bedienschritte verinnerlichen! Erst beim Fotografieren die Anleitung zu suchen, ist unprofessionell und vor allem nervig.

3. Belichtungszeit / Verschlusszeit

Im Grunde ist die Belichtungszeit bzw. Verschlusszeit nachts egal, sollte man meinen, wenn man ohnehin ein Stativ benutzt. Das ist auch grundsätzlich richtig. Am Ende kommt es auch auf die verwendete Blende an. Je geschlossener die Blende, desto länger ist die Verschlusszeit. Wenn Du ein Bild mit Blende 8 aufnimmst, Brennweite egal, kann die Verschlusszeit gut und gerne über 30 Sekunden betragen. Da die Lichtausbeute nachts eher gering ist, handelt sich oft schon bei mittlerer Blende um eine Langzeitbelichtung. Ein Stativ ist in daher jedem Fall erfoderlich.

Wenn man jedoch Nachtaufnahmen vom Mond macht oder Sterne mit im Bild hat, dann ist die Erddrehung im Foto sichtbar! Deshalb:

Tipp

Bei Aufnahmen mit Mond oder Sternen auf kurze Belichtungszeit achten.
Bedingt durch die Erdrotation werden bei zu langen Belichtungszeiten die Sterne als Striche abgelichtet.

Sternenhimmel Nachtaufnahme
Sichtbare Erddrehung durch Langzeitbelichtung: Hier zu lange Belichtungszeit: Sterne werden zu Strichen

Als Formel zur Vermeidung von „Strichen“ rechnet man: 500 geteilt durch die verwendete Brennweite und den Cropfaktor.
Das ergibt bei Vollformat (Cropfaktor 1x) beispielsweise bei einem 20mm:
500:20 = 25s.
Bei einem 500mm-Objektiv ist es nur noch eine Sekunde!

Bei großen Sensoren über 24 Megapixel sollte man kürzer belichten, da die Sensoren Unschärfen und „Sternbewegungen“ noch weniger verzeihen.

Mond nachts
Mond Nachtaufnahme, formatfüllend, Brennweite ca. 1200 mm

Beim Objektiv für die Mondfotografie auf eine Brennweite von mindestens 500mm achten! Als Kompaktkamera eignet sich aufgrund der technischen Anforderungen lediglich eine Kamera mit sehr langer Brennweite, wie die Nikon Coolpix P1000.

4. Empfindlichkeit: ISO

Grundsätzlich versuche ich, die ISO bei Nachtaufnahmen so klein wie möglich zu halten, wie sonst ebenfalls üblich. Dann ist die Qualität schließlich am größten. Gerade bei Langzeitbelichtungen in der Nacht neigen Sensoren zum Rauschen, wenn die ISO über 400 ISO eingestellt ist.

Bei Verwendung einer modernen Spiegelreflex mit Vollformatsensor sind Empfindlichkeiten bis 6400 ISO problemlos möglich, wenn dies zugunsten einer kurzen Belichtungszeit erforderlich ist.

Wenn Bewegung im Foto bewusst gezeigt werden soll, wie im Beispielbild, sollte die Empfindlichkeit klein sein und dafür die Blende geschlossen werden, um einen großen Schärfebereich abzubilden, siehe Schärfentiefe.

Lichter nachts fotografieren Nachtfotografie
Lange Belichtungszeit für gewollte Bewegung im Foto. Lichter erwecken die Nachtaufnahme zum Leben.

5. Auflösung und Pixelmenge

Ich habe schon im Jahr 2001 Nachtfotos und Langzeitbelichtungen mit meiner Nikon D1 gemacht. Die D1 hatte 2,74 Megapixel und einen wirklich grottenschlechten Sensor mit ebenso unterirdischer Qualität- aus heutiger Sicht jedenfalls. Sichtbares Rauschen und die fehlende Möglichkeit für Ausschnittvergrößerungen taten ihr übriges.

Mit den heutigen Sensoren ab 24 MP steht schließlich auch Ausschnittvergrößerungen nichts im Wege. Aber Achtung: Je größer die Pixelmenge auf dem Sensor, desto empfindlicher ist er auch für Unschärfen und Erddrehung. Das sollte man bei Langzeitbelichtungen immer berücksichtigen.

Vollformatsensoren (FX) sind klar zu bevorzugen, weil sie mehr Licht pro Pixel aufnehmen. Wer nachts fotografieren will, sollte das berücksichtigen.

Baum Nachtaufnahme
Baum Nachtaufnahme

6. HDR bei Nachtaufnahmen

Zu HDR (High Dynamic Range) wurde schon viel geschrieben. Im Grunde werden dabei mehrere Fotos in Form einer Belichtungsreihe aufgenommen, z.B. -2, -1, 0, +1, +2. Ein Tipp dazu:

Optimale Belichtung der Nachtaufnahmen mit einer Belichtungsreihe einkreisen, deren Abstufungen in einem sinnvollen Verhältnis zur Gesamtbelichtung stehen. Dazu am besten auf Halbautomatik (A oder S) stellen und mit Plus-Minus- Korrekturen arbeiten oder aber die Belichtung manuell kontrollieren. In den meisten Fällen ist eine Überbelichtung notwendig. Damit der Unterschied sichtbar wird, ist bei der Belichtungsreihe die Verschlusszeit oder die Blende bei jedem Schritt zu verdoppeln. Beispiel: Misst die Kamera 2 Sekunden, so belichte das erste Bild mit 2 s, das zweite Bild mit 4 s und das dritte Bild mit 8 s. Gewisse Kameras besitzen eine hilfreiche Bracketingfunktion (BKT), mit der sich solche Belichtungsreihen automatisch durchführen lassen.

Anschließend werden diese in einer Software, z.B. Lightroom, zu einem Einzelfoto zusammengerechnet. So entsteht eine einzige Nachtaufnahme aus mehreren Einzelbildern. Hier HDR zu erklären, würde zu weit führen, da es ein ehr weites Feld und komplexes Thema ist. Daher empfehle ich speziell zu HDR mein Lieblingsbuch zu dem Thema:

Mit HDR bekommen die dunklen Bildpartien (z.B. Mauern) mehr Zeichnung und die hellen Fotopartien (z.B. Fenster) fressen nicht aus. Unechte HDR Bilder lassen sich in Lightroom und jeder anderen Bildbearbeitung anfertigen.
Hier ein Bildbeispiel für typischen HDR-Look aus verschiedenen Langzeitbelichtungen. Daraus entstand eine einzige Nachtaufnahme:

HDR Nachts fotografieren Nachtfotografie
typisches HDR-Foto aus einer Belichtungsreihe

7. Scharfstellen in der Nacht

Grundsätzlich funktioniert die Scharfstellung bei Nachtaufnahmen genau so wie tagsüber, lediglich der Autofokus ist langsamer oder findet indes nicht genug Kontrast, um zu arbeiten. Damit der Autofokus nicht ständig den Schärfebereich durchläuft, ohne etwas zu finden, stellt man am besten auf manuelle Scharfstellung. Das gilt insbesondere auch fürs Fotografieren von Feuerwerk.

Alternative: Nikon DSLR-Kameras bieten außerdem die Möglichkeit der „Schärfepriorität“-Einstellung, d.h. ausgelöst wird nur bei einem scharfen Bild. Siehe auch Autofokus-Modus.

Nachts fotografieren Nachtfotografie
Nicht die Ausbeute, die man sich erhofft hat: Unscharfes Foto.

8. Astrofotografie

Zu den Feinheiten bei der Astrofotografie, also Fotos vom Sternenhimel, gehört optimalerweise eine Kamera ohne sogenannten Tiefpassfilter, um eine noch bessere Schärfe und Qualität der kleinen Himmelspunkte zu gewährleisten.

Eine Kamera ohne Tiefpassfilter ist zum Beispiel die Nikon D810A.

Starkes Weitwinkel benutzen (14mm bis 20mm), um möglichst viel vom Sternenhimmel einzufangen !

Außerdem möchte man wissen, wo beispielsweise die Milchstrasse zu welchem Zeitpunkt steht. Dabei helfen Apps wie “Photopills” oder auch “TPE”. Mehr zu geeigneten Apps findest Du im nachfolgend empfohlenen Buch, welches ich hier rezensiert habe.

Nachts fotografieren Nachtaufnahme
Nachtfotografie durch Langzeitbelichtung

Meine Buchempfehlung zur Nachtfotografie und für perfekte Nachtaufnahmen:

9. Panorama

Panoramen als Nachtaufnahme sind möglich, aber problematisch:
Zunächst sollte man die Kamera auf einem Stativ so von links nach rechts schwenken, dass die einzelnen Bilder sich später überlappen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass das Ganze recht schnell hinzereinander erfolgen muss, insbesondere zur blauen Stunde, weil die Lichtverhältnisse sich minütlich schnell ändern.

Nachts fotografieren Nachtaufnahme
Panorama von Tokio aus mehreren Nachtaufnahmen zur blauen Stunde


Beim Erstellen einer Panoramaaufnahme der Milchstrasse ist es kaum möglich, mit mehreren Belichtungen zu arbeiten. Da sich die Sterne durch die Erddrehung „bewegen“, muss alles besonders schnell gehen, weil sonst kein Panorama mehr daraus gerechnet werden kann.

Buchtipps zu Nachtaufnahmen / Nachtfotografie

Hier noch das aktuelle Bestsellerbuch zum Thema Astrofotografie, das ich sehr empfehlen kann:


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