Nikon D1 – Erfahrungsbericht

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Ich hatte zwei Jahre eine Nikon F5 und betrieb sie mit dem Akku MN-30 in Verbindung mit Diafilmen. Ich war das ewige Scannen der Dias aber leid. Da die Nikon D1 eine ernstzunehmende Alternative zu sein schien (und nicht eine der „Megapixel“-Megamüll-Kompaktkameras), sah ich mir die Kamera genauer an und habe sie schließlich erworben, im Tausch gegen meine F5.
Hier ist mein ausführlicher Praxistest und Erfahrungsbericht (neudeutsch Review)zur Nikon D1.

Erfahrungsbericht

Wer schon mal mit einer Nikon F5 arbeitete, wird sich an die Nikon D1 schnell gewöhnen. Alles ist am rechten Platz, in der Regel sogar da, wo es bei der F5 / F100 vorher auch war. Die D1 hat Nikons gewohntes „Look-and-Feel“, man kommt auf Anhieb zurecht. Lediglich der Monitor auf der Rückseite der Nikon D1 unterscheidet die Modelle maßgeblich. Bei der Ergonomie wurde der Handgriff gegenüber der F5 minimal verändert, sodass die digitale Profikamera jetzt noch besser in der Hand liegt !

Funktionenvielfalt und Sucher

Zunächst kommen wir in meinem Erfahrungsbericht zur Bedienung der Nikon D1. Alle Programme, Menüs und Funktionen sind wie bei der F5 angeordnet und funktionieren genau so, auch der Autofokus ist gleich schnell. Die gewohnten Belichtungsprogramme P,S,A,M sowie die Meßsysteme Spot, Integral, 3D-Matrix stehen ebenfalls zur Verfügung. Der Hauptschalter hat keine Arretierung und kann so mit einem Schwung bedient werden, finde ich sehr gut.

Beim Blick durch den Sucher fällt auf, dass das sichtbare Sucherfeld etwas kleiner ist als bei der F5, das kommt durch das Phänomen der Brennweitenverlängerung, fällt aber nicht weiter ins Gewicht. Das aktive Autofokus-Messfeld wird jetzt, wie bei der F100, durch einen roten Rahmen markiert -und nicht mehr wie bei der F5- durch einen Flüssigkristallrahmen markiert. Dieses Feature ist insbesondere bei Dunkelheit eine gute Hilfe.

Die Anzeigen im Sucher der Nikon D1 sind am unteren Bildrand, ständig beleuchtet und gut abzulesen. Sie enthalten Informationen zu Schärfeindikation, Meßmethode, Belichtungskorrektur, gewählte Automatik, Zeit, Blende, Belichtungsspeicherung und Anzahl gemachter Aufnahmen sowie Pufferstatus. Dabei muss man sich nicht bei der Anzahl der gemachten Aufnahmen wundern, wenn die Anzeige beispielsweise 352 zeigt, denn je nach Größe der eingelegten Speicherkarte und gewähltem Qualitätsmodus kann das doch ein etwas ungewöhnlicher Anblick sein 🙂

Auf die einzelnen Raffinessen des Autofokus etc. möchte ich hier nicht eingehen, denn das ist alles gleich wie bei der F5.
Im Folgenden möchte ich in diesem Erfahrungsbericht auf die Besonderheiten der Nikon D1 eingehen, wie da wären: Monitor, Speicherung, Akku und Kapazität, Brennweitenverlängerung, PC-Übertragung und Kompatibilität zu Konvertern und Blitzen und anderem Zubehör – und dem Fazit aus diesem Erfahrungsbericht.

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Ansehen

Der Monitor

Rückseite D1 Review Erfahrungsbericht
Monitor der D1

Auf der Rückseite findet man den 2″ großen TFT-Monitor, er ist wärmereduziert und läßt sich in der Helligkeit durch Drehen des vorderen Einstellrades an individuelle Bedürfnisse anpassen. Er kann durch eine Taste an der linken oberen Rückseite angestellt werden, die Leuchtdauer bis zum automatischen Abschalten  läßt sich regeln auf 20 Sekunden, 1 Min., 5 Min., 10 Min.Ich habe ihn übrigens so eingestellt, dass er im Einzelbildmodus (S) das aufgenommene Bild sofort nach Aufnahme kurz anzeigt und sich dann nach 20 Sekunden abstellt. Diese Option kann über Individualfunktion geändert werden. Im Serienmodus (C) ist die Option logischerweise nicht verfügbar.

Außerdem möchte ich hier in meinem Erfahrungsbericht eine große Änderung zur analogen Welt erwähnen: Der Monitor dient auch zur nachträglichen (!) Anzeige von sämtlichen Bilddaten, entweder im Kurzformat (Ordner, dateiname, Aufnahmedatum und -zeit, Qualitätsmodus) oder in detaillierter Form (zusätzlich Meßmethode, Belichtungsautomatikmethode, Belichtungskorrektur, ISO, Weißbalance, Tonung, Schärfe und Brennweite !).

Der Monitor der Nikon D1 kann zudem zur Anzeige von „Thumbnails“ benutzt werden und zeigt dann 9 Bilder auf einmal an, das ist willkommen wenn man auf einer großen 128-MB-Speicherkarte ein Bild sucht.  Der Monitor kann durch eine lose Kappe zum Transport der Kamera in einer Tasche geschützt werden, die sich etwas schwergängig lösen läßt. Warum hat man hier nicht einen Schieber vor den Monitor gemacht ? Die Kappe ist doch nach kurzer Zeit verloren und wird sicher zu einem Ersatzteil-Bestseller…
Wünschenswert wäre auch eine Einstellung der Individualfunktionen über den Monitor, anstelle der kryptischen Einstellungen wie 22-0 oder 22-1.

Speicherung und Speicherkarten

Nikon D1 Erfahrungsbericht
CF-Slot

Filme ade !
Die Nikon D1 benutzt zur Speicherung der digitalen Daten Compact-Flash Karten des Typs I oder II, wobei die Typ-II-Karten erst ab einer Größe von 160 MB erhältlich sind und einen Preis von weit über 1000 DM haben. Ich benutze eine CF-128 MB Karte, darauf lassen sich im Basic Modus über 360 Bilder speichern. Ohne Filmwechsel, ohne Rückspulung, ohne Röntgen am Flughafen 🙂 

Als Ersatzkarte für Urlaube oder Situationen, in denen man Reserven braucht, habe ich noch eine 64MB Karte, wie sie bei der Lieferung des D1 Basic Kits dabei ist. Wenn man diesen Erfahrungsbericht in 20 Jahren liest, gibt es wahrscheinlich Speicherkarten im GB-Format.
Die besten Speicherkarten (heute, nicht 1999l)

IBM Microdrives

Eine andere Alternative zu den Flashkarten sind die IBM Microdrives, deren Einsatz ich separat beschrieben habe.

CF Card 128MB
128 MB Karte

Es gibt sie in den Größen 170 MB und 340 MB ! Obwohl sie mit der Nikon D1 funktionieren, rät Nikon von Microdrives ab. Warum? Festplatten haben ein Problem mit Hitzeentwicklung, und es ist schon ein Unterschied, ob sie im PC in einem belüfteten Bigtower stehen oder in einem winzigen Slot in einer Kamera. Außerdem sind sie nicht so resistent gegen Schläge und Erschütterungen sowie Klimaeinflüsse. Oder haben Sie schon mal eine Festplatte in der Wüste gesehen, die nach 10 Minuten noch funktioniert hat ? Ich auch nicht.

Es ist trotzdem schon faszinierend, wie klein diese Speicherkarten sind. Die haben die Größe eines 2-DM-Stücks und speichern 128 MB. Meine erste Festplatte hatte 20 MB und war so groß wie ein Schuhkarton, und noch dazu so laut und warm wie ein Fön. Einen Erfahrungsbericht zu Microdrives habe ich an anderer Stelle geschrieben.

Akku und dessen Kapazität

Akku D1 Review
D1-Akku EN-4

Im Nikon D1 Basic-Set kommt das Ladegerät MH-16 und einem Akku EN-4.
Der EN-4 hat eine Kapazität von 7,2V bei 2000 mAh und reicht im Einsatz für 300 bis 400 Bilder. Eine Stromversorgung über Batteriemagazin ist nicht möglich, wäre aber auch unsinnig.

Denn die Nikon D1 ist ein Stromfresser, noch etwas extremer als es die F5 war, meine ich. Insbesondere, wenn man den Monitor oft benutzt, findet der Akku nach zwei Stunden seine Grenzen. Zuerst wird das „halbvoll“-Symbol im oberen Display gezeigt, kurz danach sind die Akkus dann am Ende. Auch hierzu gibt einen separaten Erfahrungsbericht.


Es ist auf jeden Fall empfehlenswert, einen Ersatzakku mitzuführen (130 EUR).  Wenn Sie allerdings vorher eine F5 hatten, kann Sie der Stromverbrauch eigentlich nicht mehr schockieren 🙂
Weiter geht es im Nikon D1 Erfahrungsbericht mit einem bisher unbekannten Phänomen:

Brennweitenverlängerung

Über das Phänomen der Brennweitenverlängerung habe ich ebenfalls schon einen Erfahrungsbericht geschrieben..
Das Sucherfeld der D1 ist etwas kleiner als beispielsweise von der F5 gewöhnt.. Bei Weitwinkelobjektiven macht sich die Brennweitenverlängerung eher bemerkbar, insbesondere bei extremen Brennweiten wie 20mm. Der Ausschnitt, den die D1 zeigt (und aufnimmt), entspricht aber nicht so einfach einem 30mm-Objektiv, sondern einem 20mm dem der Bildrand fehlt. Der optische Eindruck des 20ers bleibt also schon erhalten, nur ist das Bild an sich etwas kleiner.

Stellen Sie sich vor, eine Kamera hätte nicht eine Verlängerung von 1:1,5, sondern von 1:10.
Wäre das Bild dann das gleiche, wenn Sie ein 20mm Objektiv nehmen statt eines 200mm an einer konventionellen Kamera ?
-Denkpause-

Nein, wäre es nicht, weil die Weitwinkelperspektive des 20mm Weitwinkels erhalten bliebe, nur der Rand fehlt.
Leider ist die perspektivische Verzerrung bei Einsatz von Weitwinkeln am Bildrand besonders stark. Dieser gestalterische Effekt entfällt bei der D1 etwas, leider.
Für Fotografen, die meist im Telebereich arbeiten, kehrt er sich dafür um: Aus einem 2,8/80-200mm wird ein 2,8/120-300 mm !!!
Einen weiteren Erfahrungsbericht zum AF-S 80-200mm 2.8 habe ich auch verfasst.

PC-Übertragung

Firewire D1
FireWire Anschluss der D1

Wie bekommt man nun die Bilder in den PC? Nun, das möchte ich in diesem Erfahrungsbericht natürlich nicht verschweigen. Denn dazu gibt es mehrere Möglichkeiten.

Es gibt grundsätzlich 2 Möglichkeiten. Entweder benutzt man eine Adaptec FireWire Karte und verbindet sie über ein ebensolches Kabel mit der D1. Dadurch erreicht man Datengeschwindigkeiten von 400 Mbit/s, das sind 50 MB/s! Eine Adaptec-Karte kostet ca. 300 DM, ein Kabel 100 DM.

Ich benutze eine andere Möglichkeit, nämlich ein CompactFlash-Lesegerät für USB, welches als Laufwerk im PC dient und von dem die Daten einfach über gewohnte Dateioperationen wie Kopieren, Ausschneiden etc. in das gewünschte Zielverzeichnis auf der Festplatte gelangen.
Kostenpunkt des Lesegeräts: 159 DM!  

Kompatibilität zu Konvertern, Blitzen und anderem Zubehör

Nikon SB-28DX

Die D1 ist kompatibel zu nahezu sämtlichen Objektiven, Vorsätzen und Geräten des Nikon Programms.
Bei Verwendung des Zwischenrings PK-12 stellte ich fest, dass es keine Probleme gab. Lediglich Autofokus läuft logischerweise nicht und die Messmethode wird automatisch von Matrix auf Integral gestellt.
Die besten Makro Objektive für Nikon

Bei Verwendung eines AF-Konverters funktionierte der Autofokus nicht. Woran das liegt, weiß ich nicht. An der F5 tat es der Konverter auch mit Autofokus (Sigma 1,4x Konverter). Wer hat einen Tip?
Beim Einsatz meines guten alten SB-26 Blitzes steht die TTL-Messung nicht zur Verfügung, die Bilder werden zu hell und sehen typisch geblitzt aus.

Hier lohnt sich irgendwann mal die Anschaffung des SB-28DX. Auch hierzu gibt es einen ausführlichen Erfahrungsbericht.
Die Verwendung von Polfiltern ist auch kein Problem.

Vorteil der Brennweitenverlängerung: Ich brauche für mein 20-35mm keinen Slimfilter, denn eine Vignettierung tritt wegen dieses Phänomens nicht ein 🙂
Ich hoffe, dass Ihnen mein Erfahrungsbericht gefallen hat. Vielleicht hilft es ja bei der Kaufentscheidung.

Fazit

Ich glaube, dass die D1 den Kameramarkt gehörig ins Wanken bringen wird.

Die digitale Technik wird die konventionelle Fotografie auf Chemiebasis auf den Kopf stellen. Daher denke ich, dass Kameras mit Film gegen die digitale Übermacht auf Dauer wenig Chancen haben, zumal sich die digitale Welt noch weiterentwickeln wird.

Stand: 1999