Wechselobjektive: Worauf Du vor dem Kauf achten musst

Wie findest Du die richtigen Wechselobjektive für Deine Systemkamera? Zoom oder Festbrennweite? Welche Unterschiede gibt es? Unser Vergleich hier:

Wechselbjektive als Festbrennweite oder Zoom

Was sind Wechselobjektive?

Wechselobjektive sind laut Wikipedia “solche Objektive, die … an einem Kameragehäuse befestigt werden können.” Nicht sehr vielsagend, aber wahr.
Das ist natürlich richtig, aber der wesentliche Vorteil einer Systemkamera gegenüber Kompaktkameras und Fotohandys liegt im Namen: Sie sind wechselbar.
Denn so trivial das klingt, so spektakulär und wichtig ist es auch:

Wozu soll ein Objektivwechsel gut sein?

Denn hättest Du immer das gleiche Objektiv auf der Kamera, hättest Du immer den gleichen Bildausschnitt. Damit leider auch immer die gleiche Perspektive, die gleiche Bildwirkung, die gleiche Lichtstärke und die gleiche Langeweile beim Fotografieren. Wer möchte das schon?

Erst durch Wechselobjektive kommt Salz in die Suppe einer Systemkamera!

Unterscheidung von Wechselobjektiven

Dabei lassen sich Objektive grundsätzlich erst einmal in ihrer Art der Scharfstellung unterscheiden sowie in Bezug auf ihre Bauweise. Außerdem gibt es Wechselobjektive nicht nur vom Kamerahersteler, sondern auch von Fremdherstellern. Diese haben sich auf den reinen Objektivbau spezialisiert – dazu später.

Manuell oder Autofokus

Otus 100mm Wechselobjektive Festbrennweite ohne Zoom
Aktuell aus 2019, teuer, aber ohne Autofokus:
Das Otus 100mm 1.4 für ca. 3.000€

Vorausgesetzt, dass das Objektiv in den letzten 20 Jahren gebaut wurde und für die gängigen Anschlüsse für Nikon, Canon oder Fuji und Sony gebaut wurde, hat es in der Regel eine automatische Scharfstellung mittels Autofokus. Hierbei wird vor der Aufnahme der Auslöser halb herunter gedrückt und so die Scharfstellung ausgelöst. Wichtig hierbei ist, dass die Markierung im Sucher auf dem scharf zu stellenden Objekt liegt. Alles andere geht dann automatisch.
Wechselobjektive mit Autofokus erkennt man oft an der Bezeichnung AF oder AF-S.

Jedoch gibt es ältere Objektive sowie Spezialobjektive, die Du manuell scharfstellen musst (MF). Auch sehr teure Studioobjektive haben manuelle Scharfstellung. Das liegt daran, dass manche Hersteller alle Forschung auf perfekte Glasqualität legen, statt auf schnelle Autofokusmotoren im Objektiv. Außerdem ist ein Autofokus im Studio nicht so wichtig, da der Sufnahmeabstand meist gleichbleibend ist.

Zoom oder Festbrennweite

Festbrennweiten bieten nur eine einzige, nicht veränderliche Brennweite und damit auch einen unveränderlichen Bildausschnitt. Dieser Ausschnitt kann also nur durch Verändern des Kamerastandpunktes verändert werden. Möchte man also unterschiedliche Brennweiten und Bildausschnitte verwenden, benötigt man mehrere einzelne Festbrennweiten. Das bedeutet allerdings einerseits mehr Kosten, andererseits auch mehr Schlepperei. Jedoch ermöglichen Festbrennweiten in der Regel eine höhere Lichtstärke und etwas höhere Bildqualität als Zoomobjektive.

Nikon Nikkor Zoom 70-200mm Wechselobjektive
Typisches Telezoom: Nikon 70-200mm 2.8
Zoomfaktor ist 200/70=2,85
Preis: 2.135,00 €

Zoomobjektive oder “Zooms” sind dagegen Wechselobjektive mit veränderlicher Brennweite. Hier kann der Fotograf den Bildausschnitt also durch Drehen oder Schieben einer Vorrichtung am Objektiv leicht verändern. Dabei muss er den Standort nicht verändern. Ebenso entfällt ein häufiger Objektivwechsel.

Übrigens: Zoomobjektive werden unter anderem durch ihren Zoomfaktor charakterisiert. Sie erlauben beispielsweise die Überbrückung eines Brennweitenbereiches von 28 bis 200 mm, also vom Weitwinkelbereich bis hinein in den Telebereich. Ganz ohne Wechsel des Objektivs! Dadurch schleppst Du als Fotograf weniger Ausrüstung und Gewicht mit Dir herum. Außerdem hast Du geringere Anschaffungskosten.
Dagegen müssen bei Zoomobjektiven jedoch oft Abstriche in Bezug auf die Lichtstärke und die Bildqualität gegenüber den entsprechenden Festbrennweiten in Kauf genommen werden.

Tipp: Für Gelegenheitsfotografen, die weder im Studio arbeiten noch das letzte Tüpfelchen Lichtstärke brauchen, sind Zoomobjektive eine sehr gute Wahl. Der Zoomfaktor sollte jedoch nicht mehr als 5x betragen! Ansonsten handelt es sich um Megazooms oder Immer-drauf-Objektive, die meist ein sehr schlechter Kompromiss sind.
Aber genau das ist ja nicht der Sinn der Wechselobjektive!

Die drei besten Nikon Standard-Zoomobjektive

Lichtstärke entscheidet über den Preis

Je lichtstärker ein Objektiv ist, desto schwerer ist es zu konstruieren.

35mm mit Lichtstärke 1.2 Festbrennweite Wechselobjektiv
SIGMA 35mm F1.2 DG DN
mit Lichtstärke 1.2

Nachdem man diese Grundregel verstanden hat, ist klar, warum die lichtstarken Objektive mit Anfangslichtstärken von 1.2 oder 1.4 immer Festbrennweiten sind. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass alle Objektive bis zu einer Anfangslichtstärke von 2.8 noch lichtstark genug sind, um den Bildhintergrund in Unschärfe aufzulösen. Daher sind Zooms mit einer Lichtstärke von 2.8 meist recht teuer und Profis vorbehalten.

Es muss nicht immer das Original sein

Das große Buch der Objektive, Festbrennweite
Das Buch zum Thema für 49,90 €

Dankenswerterweise muss man jedoch nicht immer zum Original des Kameraherstellers greifen. Denn es gibt inzwischen eine Riesenauswahl von Fremdherstellern wie Sigma, die ebenfalls hochwertige Objektive für jeden Anschluss bauen.
Hierdurch lässt sich eine Menge Geld sparen, da die Fremdhersteller bei praktisch gleicher Qualität die Objektive sehr viel günstiger anbieten.

Beispiel “gleicher” Wechselobjektive

Am Beispiel eines 105mm mit Anfangslichtstärke 1.4 vergleichen wir den aktuellen Preis dieser beiden Objektive. Einmal Nikon Original und einmal Sigma.
Beide Objektive haben den gleichen Einsatzzweck, gleiche Brennweite sowie Lichtstärke:

Vorschau Produkt Bewertung Preis
Nikon AF-S Nikkor 105 mm 1:1,4E ED Kamera-Objektive schwarz Nikon AF-S Nikkor 105 mm 1:1,4E ED Kamera-Objektive schwarz 5 Bewertungen 2.199,00 € 1.956,83 €
Sigma 105mm F1,4 DG HSM Art Objektiv(105mm Filtergewinde) für Nikon Objektivbajonett Sigma 105mm F1,4 DG HSM Art Objektiv(105mm Filtergewinde) für Nikon Objektivbajonett 18 Bewertungen 1.499,00 € 1.299,00 €

Hier ließe sich durch Wahl des Sigma-Objektives eine Menge Geld sparen.
Ob das Original von Nikon oder das Sigma-Pendant am Ende besser ist, lässt sich oft nur experimentell in Tests belegen.

Fazit

Letztendlich entscheiden Deine Wünsche als Fotograf darüber, welchem Wechselobjektiv und Hersteller Du den Vorzug gibst. Für den Anfänger reichen auf jeden Fall Zooms eines Fremdherstellers. Wenn Du Dich dann später beispielsweise auf Porträtfotografie spezialisieren solltest, kommt ein lichtstarkes Porträtobjektiv (85mm, 105mm) in Betracht. Für Sport, Zoo– und Actionfotografen muss es ein lichtstarkes Tele mit mindestens 300mm Brennweite sein.
Die drei besten Nikon Telezooms
Daher lässt sich eine pauschale Empfehlung nicht geben!

Das Buch zum Thema Wechselobjektive

Alles rund um die Welt der Objektive erfährst Du im nachfolgenden Buch, welches ich sehr empfehlen kann. So vermeidest Du einen Fehlkauf bei Objektiven:

Das große Buch der Objektive: Technik, Ausrüstung und fotografische Gestaltung
12 Bewertungen
Das große Buch der Objektive: Technik, Ausrüstung und fotografische Gestaltung
  • Christian Westphalen
  • Herausgeber: Rheinwerk Fotografie
  • Auflage Nr. 1 (28.09.2018)
  • Gebundene Ausgabe: 388 Seiten

Thematisch hierzu passende Beiträge:

Die drei besten Standardzooms
Die 5 besten Nikon Weitwinkelobjektive